Thoughts & Insights
Kurze Geschichten zu den Sparks im OUBEY MINDSPACE – Episode 5: Das Atelier
Kunst entsteht zu aller erst im Innenraum des Künstlers - in seinem Gehirn, seinem Geist, seiner Seele. Dort liegen die Quellen der schöpferischen Kraft
Materielle Form und Gestalt nimmt sie in einem Außenraum an. Dort kommt sie auf die Welt.
Dieser Raum kann ein Atelier sein. Für OUBEY war es in den frühen Jahren seines Schaffens aber immer die Wohnung, in der er gerade lebte. Als wir in unsere erste gemeinsame, wunderschöne Altbauwohnung zogen, wurde dort der größte und hellste Raum zu seinem ersten eigenen Atelier.
Schon zuvor waren in seiner winzigen Wohnung in der Brunnenstraße auf beengtem Raum großartige Bilder wie „Die Reise der Monaden“, „Grünes Bild“ oder „Morphogenese“ entstanden. Dort hatte er sie mir zum ersten Mal gezeigt. Ich war beeindruckt.
Zu einer Explosion seiner Schaffenskraft, kam es in seinem ersten eigenen Atelier in unserer Wohnung in der Roonstraße. Es war als hätten in seinem Innenraum bereits unzählige Bilder nur darauf gewartet, endlich das Licht dieser Welt zu erblicken: „Einsteins Tränen“, „Nullfeld“, „Samurai“, das Triptychon „27 Cube Memory System“ und viele Bilder mehr sind hier zwischen 1984 und 1987 entstanden.
Der Umzug in sein erstes eigenes Atelier außerhalb der Wohnung beflügelte seine Kreativität ein weiteres Mal. Dort hatten zuvor Markus Lüpertz und Uwe Lindau gearbeitet. Die Vermieterin, eine ältere verwitwete, sehr resolute Dame, erzählte gerne mal die eine oder andere Geschichte, die sie mit OUBEYs „Vorgängern“ erlebt hatte. Lüpertz habe ihr mal eins seiner Bilder schenken wollen. Das sei aber keine Kunst gewesen, sondern habe ausgesehen wie die Anzüge in der Schaufensterdekoration des größten Herrenbekleidungsgeschäfts in Karlsruhe. Deshalb habe sie das Bild nicht gewollt.

In diesem Atelier in der Sofienstraße begann OUBEY mit der Arbeit am Amiga 500 Computer. Deshalb erscheint eine Originalaufnahme von diesem Atelier mit Blick auf das „digitale Studio“ im Spark des OUBEY MINDSPACE, in dem es um die Arbeit am Computer und die Kunst des PhotonPainting geht. Dazu gibt es dort ein Zitat von OUBEY über das Verhältnis von Kunst und Computer, das in seiner Grundsätzlichkeit weit über die damalige Zeit hinausweist und im Jahr 2025 noch genauso wichtig und richtig ist wie damals.
Mit den PhotonPaintings, die er hier am Amiga 500 schuf, bestritt er 1992 seine erste und einzige, sehr erfolgreiche Ausstellung mit dem Titel „MINDKISS – The PHOTONPAINTING“. Nach ihr habe ich 2005 das MINDKISS Projekt benannt. Wer sich beim Anblick des Ausstellungskatalogs fragt, weshalb hier ein Wendelin Koehler als ausstellender Künstler genannt wird, erfährt die Hintergrundgeschichte dazu in dem oben erwähnten Spark des OUBEY MINDSPACE.

In diesem Atelier malte OUBEY erstmals auch mit Öl auf Leinwand. Um die Bilder zu realisieren, die in seinem Kopf bereits existierten, wie er sagte, erwies sich diese Technik jedoch als ungeeignet. Auch die Arbeit am Computer kam an die Grenzen der Materialisierung. Der Aufwand, die Bilddateien so zu vergrößern, dass angemessene Formate machbar sind, war enorm hoch und nicht bezahlbar.
OUBEY träumte davon, sie eines Tages mit einem Plotter auf riesengroße Leinwände zu drucken oder sie mit Hilfe von Lasertechnik auf große weiße Wände oder fließendes Wasser zu projizieren – frühe Ideen für eine immersive 360° Präsentation seiner Kunst. Nur ein Beispiel dafür wie weit er in seiner innovativen Vorstellungskraft seiner Zeit voraus war. Die damalige Zeit war für eine Realisierung dieses Traums für einen Künstler mit begrenzten finanziellen Mitteln jedoch noch nicht reif. Wenn wir nun heute sein großes Spätwerk GENESIS öffentlich als immersive 360° Raumprojektion präsentieren, bewegen wir uns damit in den Spuren seiner Gedanken.
Dann wurde ihm das Atelier gekündigt. Das war ein heftiger Schlag. Er wusste, wie schwer es sein würde, irgendeinen anderen geeigneten oder doch wenigstens brauchbaren Raum zu finden. Wie schon 1987 suchte ich für ihn unermüdlich nach einem neuen Atelier. Und wie damals hatte ich auch dieses Mal nach monatelanger Suche das Glück, einen guten Raum zu finden – größer, heller, näher an der Wohnung als das vorherige Atelier – und bezahlbar. Als ich ihm von diesem Raum erzählte, hatte OUBEY größte Zweifel, doch als er ihn dann zum ersten Mal betrat, war in diesem Moment sofort klar, dass das „sein Raum“ war. Was für ein Glücksfall!

Hier können Sie OUBEYs Atelier in einem virtuellen 360° Besuch erkunden.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er dieses neue Atelier so eingerichtet hatte, dass er sich dort wohlfühlte. Das war für ihn eine unbedingte Voraussetzung fürs Malen. Es gab eine Couch, einen großen Fernseher mit Satellitenanschluss, eine kleine offene Küche, ein Bad, ein großes Bett und einen Zitronenbaum, den ich ihm zum Einzug geschenkt hatte.
Im Jahr 2003 begann dann die nächste Schaffensexplosion. Großformatige Bilder, Öl auf beschichteter Hartfaserplatte: GENESIS und StarPixelClusters. So konstant und kontinuierlich produktiv in seinem Schaffen hatte ich OUBEY vorher nicht erlebt. Er war ganz und gar bei sich. Und er war – zum ersten Mal nach zwölfjährigem Rückzug – bereit für eine nächste Ausstellung.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich nach seinem Unfalltod das Atelier im August 2004 mit größtem Respekt zum ersten Mal allein betrat; wissend, dass ich ihn nie ohne OUBEYs Beisein betreten hätte solange er lebte. Denn das war sein Raum, sein ureigenster Freiraum. Doch der Zitronenbaum brauchte Wasser. Alle drei bis vier Tage.
So wurde OUBEYs Atelier dann irgendwann zu unserem Raum.
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Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume, die ihrerseits verschiedeneImpuöse und jeweils fünf sogenannte MindSparks enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
An dieser Stelle gilt mein Dank dem großartigen Team von Kubikfoto³ für die wunderbare Zusammenarbeit und ihre herausragende Leistung bei der audiovisuellen Gestaltung und Produktion des OUBEY MINDSPACE. Gemeinsam freuen wir uns darüber, dass der OUBEY MINDSPACE mit drei renommierten Preisen ausgezeichnet wurde, darunter vor kurzem mit dem Red Dot Design Award 2025.
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