Seinem kühlen Licht in dunkler Nacht sind unzählige Gedichte und Lieder gewidmet. Beethovens Mondscheinsonate berührt uns in ihrer kompositorischen Vollkommenheit tief in der Seele, Debussys Clair de Lune versetzt uns in schwebende Glückszustände. Jules Verne beschrieb in seinem Science Fiction Roman „Von der Erde zum Mond“ bereits ein Jahrhundert vor Neil Armstrongs erstem Schritt auf dem Mond die Reise zu unserem Trabanten – erstaunlich präzise und visionär zugleich. Georges Méliès wagte sich als Pionier im Jahr 1902 an eine filmische Adaption dieses Stoffes und schuf damit einen Meilenstein der Filmgeschichte, dem Martin Scorsese hundert Jahre später mit Hugo Cabret ein liebevolles Denkmal setzte. Pink Floyd widmeten The Dark Side of the Moon  ein ganzes Album, und Bob Dylan ließ in seinem epischen Liebeslied Sad Eyed Lady of the Lowlands das Mondlicht in den Augen der besungenen Schönheit schwimmen.

Szene aus dem Film "Die Reise zum Mond" von Georges Méliès (1902)

Szene aus dem Film „Die Reise zum Mond“ von Georges Méliès (1902)

Aus der Nähe betrachtet verliert der Mond allerdings seine romantische Aura. Der Blick durch ein starkes Teleskop zeigt eine graue, staubige, von Kratern übersäte Oberfläche. So wurde der Begriff der „Mondlandschaft“ zum Synonym für unwirtliche, trostlose Gegenden. Doch die Wirkungskraft des Mondes auf die Erde ist immens: Seine Gravitation stabilisiert die Erdachse, verursacht Ebbe und Flut, beeinflusst den Biorhythmus mancher Pflanzen und Tiere – und vermutlich sogar den weiblichen Fruchtbarkeitszyklus. Für unsere Vorfahren war der Mond zudem ein Kultgestirn von großer spiritueller Bedeutung.

John F. Kennedys Ankündigung, noch im Jahrzehnt der 1960er-Jahre einen Menschen zum Mond zu bringen, war Ausdruck des Systemwettstreits jener Zeit – aber ebenso Zeugnis von Pioniergeist und visionärem Ehrgeiz. Am 20. Juli 1969 wurde dieses scheinbar Unmögliche Wirklichkeit: Neil Armstrong setzte als erster Mensch seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes.

Screenshot aus dem Spark über Weltraumkolonien im OUBEY MINDSPACE

Screenshot aus dem Spark über Weltraumkolonien im OUBEY MINDSPACE

Die Erforschung des Weltraums und die bemannte Raumfahrt hatten sowohl OUBEY als auch mich schon früh fasziniert – unabhängig voneinander, lange bevor wir uns begegneten. Nachdem wir uns kennengelernt hatten, fühlten wir uns nicht zuletzt auch dadurch eng verbunden, dass wir unser großes Interesse am Kosmos, seinen Phänomenen, Rätseln und seiner Geschichte miteinander teilten. Besondere Missionen wie die Reise der beiden Voyager Sonden in den interstellaren Raum oder den – anfangs durchaus holprige – Start des Weltraumteleskops Hubble feierten wir. Tief berührt hat uns die Aussage ausnahmslos aller Astronauten, die einmal selbst im All unterwegs gewesen waren und ihre wichtigste Erkenntnis aus dieser Erfahrung so zusammenfassten: Wir flogen hinaus als Techniker, wir kehrten zurück als bewusste Menschen.

Was Aristoteles bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. erkannt und Magellan mit seiner Weltumsegelung im 16. Jahrhundert praktisch bewiesen hatte, erhielt durch die Bilder der frei im dunklen Raum schwebenden Erdkugel seinen endgültigen visuellen Beleg – von einer Schönheit, die kaum zu übertreffen ist. Sich an diesen Anblick nicht zu gewöhnen, sondern ihm immer wieder mit Ehrfurcht und Staunen zu begegnen, ruft eine Demut im Denken über die Zusammenhänge des Seins hervor, wie es kaum etwas anderes vermag.

Diese Erdkugel wurde, als sie noch jung war, vor etwa 4,5 Milliarden Jahren von einer gewaltigen Kollision mit einem marsgroßen Protoplaneten erschüttert. Trümmer aus Gestein, Staub und geschmolzenem Material wurden ins All geschleudert, sammelten sich in einer Umlaufbahn und formten durch Gravitation schließlich den Mond. Deshalb ähneln die von den Apollo-Missionen mitgebrachten Mondgesteine jenen der Erde so stark. Jenseits aller Romantik besteht also tatsächlich eine Art verwandtschaftliches Verhältnis zwischen der Erde und ihrem Mond, der sie seit Milliarden von Jahren in rund 380.000 Kilometern Entfernung umkreist – und ihr dabei gute Dienste leistet.

Screenshot aus dem Spark über Weltraumforschung im OUBEY MINDSPACE

Screenshot aus dem Spark über Weltraumforschung im OUBEY MINDSPACE

In wenigen Wochen startet die Artemis II Mission. Zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren wird sich eine Crew auf eine Umlaufbahn um den Mond begeben – noch ohne Landung, aber zur Vorbereitung von Artemis III. Die Mission folgt einer sogenannten Free Return Trajectory, einer freien Rückkehrbahn. Die spezielle Fluggeometrie erlaubt es, die Schwerkraft des Mondes als natürliche Rückfahrkarte zu nutzen: Selbst bei einem vollständigen Ausfall des Hauptmotors würde die Kapsel ohne zusätzlichen Treibstoff sicher zur Erde zurückkehren. Die Gesetze der Physik fungieren hier als ultimatives Backup-Triebwerk.

Das öffentliche Interesse ist heute nicht mit dem damaligen Hype um Apollo 11 vergleichbar. Das könnte sich jedoch ändern, wenn mit Artemis III erstmals seit 1972 wieder Menschen den Mond betreten. Und erst recht wenn mit der Errichtung des geplanten Basislagers begonnen wird, von dem aus vielleicht schon in 20 Jahren oder sogar noch früher die erste zweijährige Marsexpedition starten kann. Da der Mond über keine Atmosphäre, keinen Luftwiderstand und keine Gravitation verfügt, sind die Startbedingen hier wesentlich günstiger als auf der Erde. Das macht ihn zum idealen Weltraumbahnhof. Und nachdem das Eis im Shackleton Krater aufgetaut wurde, wird es auch fließendes Wasser dort oben geben. Es wird also einiges los sein auf unserem Erdtrabanten in den kommenden Jahrzehnten.

Die Sinnhaftigkeit solcher Programme wird nach wie vor von vielen bestritten – nicht zuletzt wegen der enormen Kosten. Doch es war bislang nicht die Raumfahrt, die uns davon abgehalten hätte, unsere irdischen Hausaufgaben zu machen oder Verantwortung für das ökologische Gleichgewicht und eine friedliche Koexistenz zu übernehmen.

OUBEY hatte dazu eine klare Haltung. Was für manche ein unüberbrückbarer Gegensatz war, gehörte für ihn untrennbar zusammen – in seiner ganz eigenen Vision von der Zukunft der Menschheit und der Erde. Einige seiner Gedanken dazu sind im OUBEY MINDSPACE zu hören. Ein Jules Verne hätte daran vermutlich seine helle Freude.

In diesen beiden Räumen des MINDSPACE finden sich OUBEYs Statements:

 

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Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte über OUBEY und das, was ihn interessiert und inspiriert hat. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.

An dieser Stelle gilt mein Dank dem Team von Kubikfoto³ für die großartige Gestaltung des OUBEY MINDSPACE, die inzwischen bereits mit drei renommierten internationalen Design-Preisen ausgezeichnet wurde – darunter zuletzt auch der Red Dot Award 2025.

Wie groß mittlerweile die Sympathie auf der Erde für dieses Gerät ist, zeigt sich nicht nur daran, dass seine runden Geburtstage regelrecht gefeiert werden – der dreißigste vor fast genau einem Jahr. Es zeigt sich auch daran, dass – anders als beispielsweise beim Large Hadron Collider des CERN in Genf – die Milliarden, die sein Bau, seine Ausstattung, deren gelegentliche Updates sowie der Betrieb bisher gekostet haben, nicht ernsthaft kritisiert werden. Das ist ungewöhnlich.

Das war auch nicht vom ersten Tag an so. Da hatte dieses Teleskop ja noch nicht gezeigt, was es tatsächlich kann. Richtig laut wurde die anfängliche Kritik, als sich kurz nach Hubble´s Start im April 1990 zeigte, dass die Bilder, die es zur Erde schickte, unscharf und damit unbrauchbar waren. Selbst Teleskope, die auf der Erde stationiert waren, konnten bessere Aufnahmen liefern. Zur Kritik an den Kosten kamen Spott und Hohn hinzu. Das hätte Hubble´s frühes Ende sein können.

War es aber nicht. Jeder verdient eine zweite Chance, heißt es. Hubble bekam sie. Schließlich war es ein vor dem Start unentdeckt gebliebener menschlicher Fehler bei der Herstellung Spiegels, der verantwortlich war für die schlechte Qualität der Bilder. Er war falsch geschliffen worden. Damit das „Projekt Hubble“ nicht bevor es überhaupt richtig losging zum grandiosen Milliardenflop wird, wurde 1993 eine Mission ins All geschickt. Zwei Astronauten mit großem Mut korrigierten 550 Kilometer hoch über der Erdatmosphäre den Fehler. Sofort lieferte das Teleskop atemberaubende Bilder von Sternenhaufen, Gasnebeln und Galaxien, aber auch von den Objekten in unserem Sonnensystem. Auf die hohen Kosten angesprochen, antwortete Hubble-Veteran Mario Livio einmal: „Na ja, es hat uns das Universum gegeben – dafür ist es sehr billig.“1 So wurde Hubble zu unserem Auge im All.

Dieses Auge machte für uns sichtbar, was mathematisch zwar längst berechnet, aber bis dahin abstrakt und unvorstellbar geblieben war. So offenbart sich uns die unglaubliche Schönheit des Universums in einzelnen fantastischen Gebilden wie dem „Adlernebel“, den „Drei Säulen der Schöpfung“ oder den faszinierenden Formen verschiedenster Galaxien – von Spiralgalaxien bis hin zu  Sombrerogalaxien. Das berührt und begeistert uns. Menschliche Gefühle werden nicht durch mathematische Formeln oder Gleichungen ausgelöst, sondern durch Sinneswahrnehmungen und Erlebnisse. Hubble lieferte uns Bilderlebnisse wie kein anderer und tut dies nach wie vor. Bilder, die Gefühle des Glücks, des Erstaunens, des Befremdens und auch der Ehrfurcht in uns auslösen. Wir sind einfach hingerissen von dem was wir da sehen und können gar nicht genug davon bekommen. Das dürfte wohl einer, wenn nicht gar der wichtigste Grund für die Liebe sein, die so viele Menschen zu dieser fliegenden „Konservendose“ von der Größe eines Schulbusses entwickelt haben.

Über die Bilder, die inzwischen fast jeder Mensch auf dieser Welt kennt, hinaus eröffnen sich uns durch Hubble´s Auge aber auch Einblicke in weit entlegene Regionen unseres Universums wie dem „Ultra Deep Field“. Damit liefert es uns ein einzigartiges fotografisches Geschichtsbuch über die Entstehung und Expansion des Universums.  Denn „weit weg“ heißt im Universum immer auch „lange her“.

Seit 2009 mit einer ganz neuen Kamera – der „Wide Field Camera 3“ – ausgestattet,  kann Hubble sogar jenseits des sichtbaren Lichts im Infrarot des „Ultra Deep Field“ Galaxien fotografieren, die kurz nach der Entstehung unseres Universums vor rund 13,7 Milliarden Jahren entstanden sind – gerade mal 700 Millionen Jahre nach dem sogenannten Big Bang. Das ist sensationell. Hubble lässt uns fast bis in den Beginn unseres Universums hineinschauen und zugleich dessen Expansion über die Milliarden und Millionen von Jahren hinweg nachverfolgen. Da kann einem schwindelig werden. Wer sich das gerne anschaulich erklären lassen möchte, dem sei das großartige 30minütige Video Hubble´s Universe Unfiltered: Deep Universe empfohlen, das auch für Einsteiger gut geeignet ist, sofern sie Englisch können.

Dass OUBEY bereits im Jahr 1986, fünfundzwanzig Jahre bevor Hubble mit seiner neuen Kamera in die Anfänge unseres Universums blicken konnte, diesen Blick so klar vor seinem geistigen Auge hatte, dass er das, was er sah in seinem Bild Einsteins Tränen künstlerisch festhalten konnte, ist kaum zu glauben. Doch die Astronomin Dr. Cecilia Scorza vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg stellte mit Erstaunen und Bewunderung genau das fest, als sie diesem Bild im Februar 2010 begegnete. Sie erklärte anhand von OUBEYs Bild, was uns heute anhand von Hubble´s Aufnahmen aus dem Ultra Deep Field erklärt werden kann. Das Video von dieser Begegnung ist wirklich sehenswert.

Irgendwann wird Hubble´s Zeit zu Ende sein. Die Entwicklung eines Nachfolgers ist bereits weit vorangeschritten: Das James-Webb-Teleskop wird als Infrarot Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 6,5 Metern perfekt geeignet sein, um in die ältesten Regionen des Universums hineinzuschauen. Bis dahin wird Hubble weiterhin aus großem Abstand jeden Tag fünfzehn Mal die Erde umrunden und uns immer neue Bilder und Erkenntnisse liefern, bevor es eines Tages aus dem All zurückkehrt, um im Pazifik zu landen.

„Ich hoffe, wir wissen lange genug vorher, wann und wo Hubble im Südpazifik niedergehen wird. Dann können wir alle, die so lange mit Hubble gearbeitet haben, ein Kreuzfahrtschiff chartern und beim Ende zusehen. Das wird traurig sein und wir werden weinen. Aber zugleich wäre da diese Freude über die viele wunderbare Wissenschaft, die uns Hubble in all den Jahrzehnten beschert hat“, sagt Heide Hammel, Voyager-Projektwissenschaftlerin, die mit Hubble zusammen derzeit noch Jahr für Jahr die Atmosphären der Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun beobachtet1. Das klingt nicht nach der Außerbetriebnahme einer Maschine. Es klingt nach dem Abschied von einem guten Freund.

 

 

1Zitiert nach der Sendung „Das mit den Sternen tanzt“ im DLF Kulturkanal am 9.4.2020

Mehr über Hubble und seine Geschichte:  Hubble-Weltraumteleskop – Wikipedia

 

 

 

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