Es stand angelehnt an die Wand seiner winzigen Wohnung und übte vom ersten Moment an eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus.
OUBEY nannte mir den Titel „Die Reise der Monaden“ und erklärte mir, Monaden seien kleinste, beseelte, eigenbewegte, unteilbare Teilchen im Universum, Geist und Materie zugleich. Obwohl physisch getrennt, seien sie alle für immer kommunikativ miteinander verbunden. Er war fasziniert von diesem metaphysischen Verständnis des Universums und der schöpferischen Genialität des Geistes, der es hervorgebracht hatte.

Dann sprach er über Newton und kritisierte die Begrenztheit von dessen mechanischer Weltauffassung, die impliziere, dass alles reversibel sein. Zum Glück habe Einstein das durch seine Einordnung der Newton´schen Mechanik zurechtgerückt. Natürliche Prozesse seien irreversibel. Dies zu erkennen mache einen entscheidenden Unterschied im Verständnis der Welt und ihrer dynamischen Komplexität. Das sähe auch Nobelpreisträger Ilya Prigogine so, dessen bahnbrechendes Buch „Dialog mit der Natur“ er gerade gelesen hatte.
Leibniz, Newton, Einstein, Prigogine – ein rasanter, eindrucksvoller Vortrag, frei aus dem Stand heraus gehalten an einem sonnigen Nachmittag! Wenn OUBEY den geistigen Kontext seines Denkens und Schaffens mit mir, oft auch mit anderen teilte, waren das Sternstunden – meist im wahrsten Sinn des Wortes.
Es war nicht Leibniz, sondern sein wetteifernder Zeitgenosse Isaac Newton, der zu Lebzeiten Ruhm und Reichtum erlangte. Diese Tatsache bestärkte OUBEY in seiner kritischen Einschätzung der öffentlichen Wahrnehmung, wenn es um die Frage der Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist und die jeweiligen Machtverhältnisse geht.
Im Unterschied zu Newton verstand Leibniz sich nicht sonderlich gut darauf, bei den hochwohlgeborenen Geldgebern seiner Zeit einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen, der ihm Ruhm und Reichtum eingebracht hätte. Tag und Nacht mit seinen Ideen, Studien, Experimenten und Schriften beschäftigt, war er kein Mann der Öffentlichkeit. Er gewann dennoch Anerkennung und Bewunderung zu seiner Zeit, wurde aber doch nur von wenigen als das erkannt und verstanden, was er tatsächlich war: ein Universalgenie.
Aus all diesen und einigen Gründen mehr war für mich klar, dass es im OUBEY MINDSPACE für Leibniz und seine Monadologie einen Platz geben muss.
Interessanterweise kam nun in demselben Jahr, in dem der OUBEY MINDSPACE seine Premiere feierte, ein Film in die Kinos, der uns diesen Gottfried Wilhelm Leibniz als Denker und als Menschen näherbringt. „Leibniz – Chronik eines unvollendeten Bildes“ ist der Titel dieses Films von Edgar Reitz.
Der Film ist anspruchsvoll. Das ist gut so. Kammerspielartig gekonnt in Szene gesetzt, gewährt er im Blick auf die Entstehung eines Portraitgemäldes von Leibniz zugleich einen Einblick in dessen Verhältnis zu Kunst und Wahrheit.
Der beauftragte etablierte Hofmaler, den Zeitgeist des frühen 18. Jahrhunderts verkörpernd, möchte, dass Leibniz sich so inszenieren lässt wie er sich das vorstellt. Trotz aufrichtigem Bemühen, es dem Künstler recht zu machen, gelingt ihm das jedoch nicht. Der Versuch scheitert. „Ihr seid kein Freund der Kunst“ meint der Maler. „Aber der beste Freund der Wahrheit“ entgegnet das Modell.
An die Stelle des Hofmalers tritt eine als Mann getarnte, noch unbekannte junge Künstlerin. Ihr geht es um die Wahrheit im Bild. Sie sucht erst mal das richtige Licht im Raum, möchte das Wesen von Leibniz lebendig ins Bild zu bringen. Mit ihrer Aussage „Was ich nicht verstehe, das kann ich malen“, verschafft sie ihm, der alles zu verstehen versucht, einen Moment sprachlosen Staunens.
„Der Grund der Kunst ist die Kunst selbst“ lässt der Film Leibniz sagen. Ein Grundsatz, dem OUBEY in seinem künstlerischen Schaffen immer gefolgt ist.
Dem Film von Edgar Reitz hätte OUBEY größte Aufmerksamkeit geschenkt. Allein schon deshalb, weil er den Regisseur der elfteiligen Chronik „HEIMAT“, einem wahren Meisterwerk filmischer Erzählkunst, bewunderte. Vor allem aber auch, weil dieser herausragende Regisseur sein filmisches Spätwerk ausgerechnet dem genialen Geist gewidmet hat, dem OUBEY sich selbst so verbunden gefühlt hat.
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Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.