In erstaunlicher Synchronizität dringen zwei Ereignisse in bisher unbekannte Bereiche ihrer Disziplinen vor: Albert Einstein stellt die Allgemeine Relativitätstheorie auf und Picasso begründet mit seinem Bild „Demoiselles d´Avignon“ das was später Kubismus genannt wird.
In seiner Allgemeine Relativitätstheorie erklärt Einstein die Gravitation als Krümmung der vierdimensionalen Raumzeit, verursacht durch Masse und Energie. Sie beschreibt die Wechselwirkung zwischen Materie und Raumzeit und ist bis heute die einzige wissenschaftlich anerkannte Gravitationstheorie.

Screenshot aus dem OUBEY MINDSPACE Spark zum Thema Zeit
In seinem Bild „Demoiselles d´Avignon“ zersprengt Picasso die zweidimensionale Figur auf der Leinwand, zerlegt sie in ihre Einzelteile, setzt sie neu zusammen und erzeugt damit eine bis dahin unbekannte Art der Dreidimensionalität auf einer Fläche.

Screenshot aus dem OUBEY MINDSPACE Spark zum Thema Kunst
Trotz der Gleichzeitigkeit beider Ereignisse unterscheiden sie sich in der Dimension ihrer Bedeutung. Picasso´s Malerei bewegt sich in irdischen Dimensionen, hat die Kunst verändert. Einsteins Theorie bewegt sich in kosmischen Dimensionen. Sie hat unser Verständnis von Raum und Zeit verändert.
OUBEY fand die Synchronizität dieser bahnbrechenden Vorstöße in vollkommen neue Dimensionen der wissenschaftlichen Erkenntnis einerseits und radikal neue Formen des künstlerischen Ausdrucks andererseits außerordentlich interessant und brachte in einem unserer unzähligen Gespräche über „Gott und die Welt“ irgendwann einmal das Jahr 1907 ins Spiel. Dass er mir dabei mühelos und ganz nebenbei aus dem Stand die Allgemeine Relativitätstheorie erklärte, sei hier nur am Rande erwähnt.
Er sprach mit großer Begeisterung von der Gleichzeitigkeit dieser beiden Ereignisse, einem Glücksmoment der Kulturgeschichte, in dem Wissenschaft und Kunst sich zeitlich, aber auch in der gesellschaftlichen Relevanz ihres Tuns einmal so nahekamen wie selten.
Die Aufteilung der Welt und des Lebens in schulische und universitäre Disziplinen bewirkte im Laufe der Jahrhunderte eine zunehmende Entfremdung zwischen ihnen, die bis zur gegenseitigen Geringschätzung ihrer Protagonisten untereinander führen konnte. OUBEY hat diese Trennung nie akzeptiert. Hierin lag eine der Wurzeln für seine geistigen Verbindungen zu Gottfried Wilhelm Leibniz oder zu Ilya Prigogine und dessen bahnbrechendem Werk „Dialog mit der Natur“. Er hat die Überwindung dieser Trennung gelebt und ihr in seiner Malerei Ausdruck verliehen: „Alles ist mit allem verbunden und meine Kunst ist ein optischer Ausdruck dieser Erkenntnis.“
Zu den wenigen Forschungseinrichtungen, die zu OUBEYs Lebzeiten bereits konsequent einen interdisziplinären Ansatz praktizierten, gehört das legendäre Santa Fe-Insitut in New Mexico. Dass der dort tätige Prof. Stuart Kauffman sich zum Encounter mit einem von OUBEYs Bildern bereit erklärte, hätte OUBEY sehr gefreut. Was Kauffman in dieser Begegnung über das Bild sagte, sicherlich noch viel mehr.
Das Jahr 1907 wird im OUBEY MINDSPACE nicht explizit angesprochen. Doch es lassen sich visuelle Anspielungen auf Picasso´s „Demoiselles d´Avignon“ und auch auf Einsteins Theorie entdecken und zweimal kommt Albert Einstein auch in Form eines Zitats zu Wort.

Vielleicht werden Sie bei Ihrem nächsten Besuch im MINDSPACE fündig. Dieses Bild an einer Wand im schwarz-weißen Raum gibt Ihnen einen Hinweis.
__________________________________________________________________________________
Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
Mit Dank an das Team von Kubikfoto³ für die Gestaltung des OUBEY MINDSPACE, der inzwischen mit drei internationalen Preisen ausgezeichnet wurde, darunter auch der renommierte Red Dot Award.
Beispiele für die Gegenthese gab es schließlich zu allen Zeiten bis zum heutigen Tag mehr als genug.
OUBEY war bereits in jungen Jahren auf die Monadologie gestoßen und von der ihr zugrunde liegenden Metaphysik des Wilhelm Gottfried Leibniz fasziniert. Als Philosoph, Mathematiker, Physiker, Metaphysiker, Vordenker dessen was wir heute Computer nennen und einigem mehr gilt er vielen bis heute als letztes wirkliches Universalgenie.
Nicht dem gefeierten Newton, sondern dem lange Zeit verkannten Leibniz und dessen Monadologie widmete OUBEY deshalb eins seiner frühen Bilder und nannte es „Die Reise der Monaden“.
Dieses Bild begegnete und begeisterte in den vergangenen vier Monaten als Teil der „Art of Resonance Show“ im Mind Museum Manila so vielen Menschen wie nie zuvor. Das allein wäre Grund genug, die Monadologie von Leibniz noch einmal genauer zu studieren.
Dann las ich kürzlich einen Kommentar, der die These von der besten aller möglichen Welten zitierte, um sie ad absurdum zu führen angesichts der Abgründe, in die Menschen und Völker auch im 21. Jahrhundert stürzen als sei Geschichte nichts, woraus man etwas für die Zukunft lernen könnte, und mit dieser Begründung die Idee eines göttlichen Ursprungs dieser Welt gleich mit in Frage zu stellen.
Ich fühle mich keineswegs berufen, an dieser Stelle über die Existenz eines Gottes zu philosophieren. Doch so viel sei angemerkt, dass es auffällig ist, wie leicht uns die Unzulänglichkeit oder auch Nicht-Existenz eines Gottes in den Sinn kommt, wenn uns Schlimmes widerfährt – sei es individuell oder kollektiv, verursacht durch Naturgewalt oder durch die brutale Gewalt, die Menschen und ganze Völker anderen Menschen und anderen Völkern antun wie wir es auch in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts direkt oder indirekt erleben. Und dies ganz besonders dann, wenn selbst die barbarischsten Grausamkeiten ausgerechnet im Namen eines Gottes verübt werden.
Was OUBEY an der Leibniz´schen Monadologie faszinierte war weniger dessen damit verknüpfte Theodizee, sondern das ihr innewohnende Verständnis von der Freiheit, Einzigartigkeit und Unteilbarkeit einer jeden Monade, das heißt einer jeden Seele in diesem Universum. Kühn und selbst vielen heutigen Denkern immer noch weit voraus, gehörte für Leibniz nicht nur die eigene Spezies Mensch, sondern alles was im Universum existiert zu den beseelten Wesen.
Wobei der Mensch – so jedenfalls der bisherige Stand der Erkenntnis – als einzige Spezies auf diesem Planeten mit einem freien Willen ausgestattet ist, der über angeborenes Instinkt- und Gattungsverhalten hinausgeht und Entscheidungen ermöglicht wie sie kein anderes Wesen treffen kann. Und das, wenn es die Situation erfordert, auch entgegen eigener Instinkte und Triebe. Entscheidungen wie die, ob man einem anderen Menschen aus welchen Gründen auch immer zu schaden bereit ist, ob man einen oder gar viele Menschen zu töten bereit ist, oder ob man auf einen eigenen Vorteil zugunsten eines anderen Lebewesens zu verzichten in der Lage ist – nur einige wenige Beispiele für Entscheidungen des Willens.
Diese Welt ist nach Leibniz nicht deshalb die beste aller möglichen Welten, weil sie perfekt, das heißt vollkommen und in jeder Hinsicht fehlerfrei ist. Sondern weil sie den Menschen als einziges Gattungswesen auf dieser Welt mit einem freien Willen ausgestattet hat. Eine perfekte Welt und ein freier Wille ihrer Bewohner, sich für die eine oder andere Verhaltensweise zu entscheiden – das schließt sich aus. Auch über die Frage wie frei der menschliche Wille denn wirklich sei, wurde seit Zeiten gestritten.
Stellen wir uns einfach mal das Gegenteil vor: eine wirklich perfekte Welt. Wohl nicht erst seit Thomas Morus im Jahr 1516 sein philosophisches Traktat mit dem Titel „Utopia“ veröffentlichte, haben Menschen von einer perfekten Welt geträumt, einem Paradies auf Erden. Wie klug die Leibniz´sche Sicht auf Welt und Mensch war, erkennt man an den V ersuchen, derartige Utopien zu verwirklichen. Sowohl in Form kleiner, sektiererischer Gemeinschaften als auch in Form großer gesellschaftlicher Verwirklichungsversuche endeten alle mit einer größtmöglichen Unfreiheit des Einzelnen. Dass diese Systeme immer wieder von einzelnen verlassen oder im gesellschaftlichen Kollektiv überwunden werden, ist ein sehr beweisstarkes Zeugnis von der Kraft und Macht des freien Willens.
Für Leibniz gibt es keinen perfekten, idealen oder gar paradiesischen Urzustand dieser Welt und es gab ihn auch nie. Ganz im Unterschied zum Glauben daran, dass eine menschliche Sünde zum Grund für die Vertreibung aus solch einem einstigen Paradies wurde – quasi als Strafe – und dass seither jeder Mensch mit einer „Erbsünde“ geboren wird. Da gefällt mir die Idee eines Universums, das zugunsten der Freiheit menschliche Fehler und selbst Katastrophen und Verbrechen in Kauf nimmt, eindeutig besser. Beweisbar ist ohnehin weder das eine noch das andere.
Freiheit schafft Raum für Mögliches, fürs Überschreiten von Grenzen – im Denken wie im Tun, im Positiven wie im Negativen. Freiheit bedeutet aber immer auch Verantwortung. Jeder entscheidet jeden Tag, wie er seine Freiheit nutzt, um diese Welt einen besseren Ort werden zu lassen oder auch nicht, und trägt dafür die Verantwortung. Sei es im Kleinen, sei es im Großen.
In der „besten aller möglichen Welten“ ist die Freiheit eine Bedingung. Vermutlich war dies einer der Gründe, weshalb ein unbändiger Freigeist wie OUBEY dieser Idee von Leibniz ein Bild widmete. Und vielleicht lebt dieser Geist der Freiheit in diesem Bild so stark, dass es bis heute nahezu jeden Menschen, der es sieht, unmittelbar in seinen Bann zieht.