Eigenwillig, radikal und konsequent –
Das Projekt nimmt sich alle Freiheiten. Auch die, den etablierten Kunstbetrieb zu ignorieren
Auch nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit im OUBEY MINDKISS Projekt, das auf dem vielseitigen Werk des früh verstorbenen Karlsruher Künstlers OUBEY basiert, verweigert sich Dagmar Woyde-Koehler, Initiatorin und treibende Kraft des Projekts, jeglicher Einordnung in etablierte Kategorien der Kunstwelt – eigenwillig und radikal. Abseits der etablierten Institutionen und Rezeptionsgewohnheiten und jenseits des großen Spektakels um Kunst, ist so mit MINDKISS innerhalb von fünf Jahren ein eigenes ungewöhnliches Kunstwerk entstanden. Die konsequente Nutzung des Internets spielt hierbei eine zentrale Rolle.
„Ich hänge die Bilder nicht irgendwohin und warte darauf, dass Menschen kommen, um sie sich anzuschauen. Ich bringe die Bilder zu den Menschen – nach Hause, ins Büro, ins Quantenlabor, ins Musikstudio oder den Senderaum; und ich bringe sie unter die Menschen, an Orte, wo sie nicht erwartet werden“, sagt Dagmar Woyde-Koehler. Solche Orte sind z.B. eine internationale Managementkonferenz, ein wissenschaftliches Symposium oder das Schulfest einer Maori-Schule. Von San Francisco über Wien bis nach Neuseeland reist sie dafür mit den Bildern. „Auf diese Weise erreiche ich ganz andere Menschen als dies üblicherweise möglich ist und ich erreiche sie sehr unmittelbar und persönlich – frei von jedem musealen Anspruch. Ich will sehen was passiert, ob und wie die Bilder ihre Wirkung entfalten und wahrgenommen werden, welche Gedanken und Assoziationen entstehen, wenn der museale und vor allem auch der kommerzielle Rahmen fehlt. Es gibt keine Interpretation und keinen Preis“ sagt Dagmar Woyde-Koehler. Verkaufen tut sie nicht.
In einem aktuellen Interview beantwortete sie die Fragen der Internetjournalistin Ulrike Reinhard:
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OUBEY MINDKISS – ein expandierendes Universum
Die individuellen Begegnungen zwischen OUBEYs Bildern und den unterschiedlichsten Menschen hält Dagmar Woyde-Koehler filmisch fest und stellt sie als „Encounters“ ins Internet. Mehr als 20 Videos stehen bereits online, darunter sind einige mit renommierten und zum Teil weltbekannten Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen. Sie alle haben ihre Gedanken und Assoziationen zu OUBEYs Bildern vor laufender Kamera mitgeteilt und damit einem weltweiten „Publikum“ zugänglich gemacht. Sie haben gezeigt, dass es geht, wie es geht, dass es Spaß macht und dass man keine Angst haben muss, etwas Falsches zu sagen, weil es kein falsch und kein richtig gibt in diesem Projekt. Nun trauen sich immer mehr Menschen, das auch zu tun. „Das finde ich großartig. Das ist eine sehr positive Wirkung, die das Projekt da entfaltet. Ich bin gespannt, wo wir in fünf Jahren sein werden“, meint Dagmar Woyde-Koehler, die Regisseurin des Ganzen.
„OUBEY schuf mit seinem künstlerischen Werk den substanziellen Kern des MINDKISS-Projektes. Ich schaffe nun nach seinem Tod mit MINDKISS den Freiraum, in dem sich Menschen aufs neugierige Entdecken einlassen können. Darin liegt ein großes Lustmoment – auch für mich selbst“, erklärt Dagmar Woyde-Koehler ihre Motivation. Dabei ist ein Prozess entstanden, an dem eine stetig wachsende Zahl an Menschen weltweit beteiligt ist. Ihre Resonanz, ihre Ideen und Vorschläge, ihre Lust an der interdisziplinären Auseinandersetzung mit OUBEYs Kunst, Kunst überhaupt, Wissenschaft, Philosophie und Science Fiction – das ist zu einem lebendigen, sich ständig weiterentwickelnden Kunstwerk geworden. Dies wurde nur möglich durch die konsequente Nutzung des Internets, das seit fünf Jahren der wichtigste Kanal des Projekts in die Öffentlichkeit ist. Lediglich das fünfbändige OUBEY MINDKISS Buch, vom New Yorker Grafikdesigner Stefan Sagmeister kongenial gestaltet und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, bildet hier eine Ausnahme.
Der Geist des lustvollen Entdeckens soll auch am 5. Mai im Karlsruher ZKM spürbar werden.
Ein Grund liegt ganz sicher in der Verbindung aus Klugheit und Kühnheit, die sich in der Person von George Lucas vereint. Mitte der 70er Jahre – einer schwierigen Zeit für das Kino schlechthin – erkannte er, dass die Zeit für den eigentlichen Teil 1 nicht günstig und die Erfolgsaussichten damit gering sind. Deshalb gab er aber das Projekt keineswegs auf, sondern beschloss, statt dem eigentlichen 1. Teil erst einmal den 4. Teil der Saga in die Kinos zu bringen – offiziell als StarWars 1. In dieser Entscheidung liegt vermutlich ein wesentlicher Grund für den überwältigenden Erfolg der gesamten. Wer hat gehört, dass zuvor die Teile 1-3 einer Saga erst nach den Teilen 4-6 veröffentlicht wurden? Das ist schon sehr ungewöhnlich, wenn nicht einzigartig. Kühn eben, und klug.
Mittlerweile ist diese Vorgehensweise verbreitet. Nachdem Serien wie „Batman“ oder „X-Men“ höchst erfolgreich in den Kinos gelaufen waren, erschienen mit Untertiteln wie „Batman Begins“ oder „X-Men – The Origins“ die Verfilmung der jeweiligen Vorgeschichten dazu.
Was StarWars aber zu einem zeitlosen Epos macht, zeigt die aufwendige Dokumentation „StarWars – die Geschichte einer Saga“ von Kevin Burns, die kürzlich auch im deutsch-französischen ARTE TV ausgestrahlt wurde. Sie belegt und illustriert die besondere Qualität dieses filmischen Epos, das sich auszeichnet durch unzähligen Anleihen aus antiken und mittelalterlichen Mythen und Sagen, aus Religion und Psychologie, aber auch durch die Transformation gesellschaftlicher und geschichtlicher Erfahrung wie z.B. dem Untergang der Samurai-Kultur oder dem existenziellen Kampf zwischen Demokratie und Totalitarismus, zwischen republikanischer Freiheitsliebe und der Macht- und Kriegsbesessenheit faschistischer Systeme. Ein gewaltiges Lehrstück über Quintessenzen menschlichen Erfahrung aus mehr als zweieinhalb Jahrtausenden, transformiert in eine Welt, die weder Zukunft noch Vergangenheit ist, sondern „beyond time“. Eindrucksvoll und liebevoll eingebettet in die Heldenreise des Luke Skywalker, in eine Welt, die so fantastisch ist, dass in ihr alles möglich ist – am Ende auch der hart erkämpfte Sieg des Guten über das Böse.
Möglich wird dieser Sieg letztlich allein durch die ungewöhnlichen Lehrmethoden eines grünen Winzlings mit langen, abstehenden, spitz zulaufenden Ohren und einer eigenen Syntax, die heute auf der ganzen Welt verstanden und manchmal auch verwendet wird, wenn etwas besonders Kluges zum Ausdruck gebracht werden soll. Meister Yoda führt den jungen Skywalker hin zu den Quellen seiner Macht, lehrt ihn, seine Fähigkeiten zu erkennen und bewusst zu nutzen. Unzählige Figuren der StarWars Saga sind schillernd, faszinierend und beeindruckend. In der Figur des Yoda vereinen sich die unterschiedlichsten Widersprüche: Stärke und Sanftmut, Entschlossenheit und Geduld, Humor und Strenge, gekrönt von einem unbestechlich klaren Blick auf die Dinge in Verbindung mit großer Weisheit. Optisch ein Antiheld, ist er der Meister hinter allem.
Wie er den jungen Skywalker in den Sümpfen von Dagobah verständnisvoll unterweist, ist ein Beispiel idealen Lehrens im Platonischen Sinne. Er erkennt die Stärken und Schwächen seines jungen Jedi-Schülers, fordert ihn heraus, seine Erfahrungen zu machen, aus Fehlern zu lernen und dabei aber immer an sich selbst zu glauben und der eigenen Macht zu vertrauen. Von solchen Idealen sind wir in der Erziehung unserer Jugend leider ziemlich weit entfernt. Warum eigentlich?
STAR WARS: EPISODE V – THE EMPIRE STRIKES BACK, Frank Oz, Mark Hamill, 1980. ©Lucasfilm Ltd./courtesy Everett Collection
Erfreulicherweise widmete das ausgezeichnete Magazin WIRED genau diesem Thema und dieser Frage kürzlich einen interessanten Beitrag. Damit ihn noch mehr Menschen lesen können als bisher, wollen wir ihn hier gerne teilen. In dieser Frage gab es und gibt es nach wie vor übrigens eine der vielen großen Übereinstimmungen im Denken und Fühlen zwischen OUBEY und mir. Sie waren bereits vorhanden, als wir uns trafen und danach haben sie sich dann miteinander verbunden und weiterentwickelt – unter anderem inspiriert durch das Werk von Menschen wie George Lucas.
Menschen, die wirklich außergewöhnlich dachten und Außergewöhnliches schufen, gab es zu allen Zeiten und sehr viele von denen, die wir heute noch kennen, hatten es sehr schwer zu ihrer Zeit. Zum Beispiel Sokrates, der am Ende den Giftbecher trinken musste oder Galilei, der von der Inquisition verfolgt und zum Leugnen seiner Erkenntnis gezwungen wurde.
Eine der wohl drastischsten Geschichten eines wirklich außergewöhnlich denkenden Menschen kam erst sehr spät, lange nach seinem frühen, bis heute ungeklärten Tod im Jahr 1954 ans Licht der Öffentlichkeit. Sie ist in mehrfacher Hinsicht drastisch, dramatisch und außergewöhnlich. Sie spielt im existenziellsten Krieg des 20. Jahrhunderts, im zweiten Weltkrieg. Sie spielt auf doppelte Weise im Geheimen. Denn sie spielt unter dem Siegel absoluter Geheimhaltungspflicht im militärischen Abwehrkampf der britischen Armee. Und sie spielt in einer Zeit, in der Homosexualität als Straftat galt und deshalb geheim gehalten werden musste, wenn man nicht ins Gefängnis gehen wollte.
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Ein englischer Mathematiker, den seine Mutter einen „komischen Kauz“ nannte, beschäftigt sich schon als Junge mit Codes und kryptischen Zeichen. Später besitzt er die Fähigkeit, sich eine Maschine vorzustellen, die Codes dechiffrieren kann, die als undechiffrierbar gelten. Die von ihm konstruierte Maschine knackt nicht nur tatsächlich den Enigma Code der Nationalsozialisten und trägt damit entscheidend dazu bei, den 2. Weltkrieg zu verkürzen und für die Alliierten siegreich zu beenden. Die „Turing Machine“ ist zugleich auch der erste Computer, den es je gab. Ein Gerät, ohne das in unserer heutigen Zeit überhaupt nichts mehr geht.
Nichts von dem, was Alan Turing geleistet hat, durfte zu seiner Zeit Spuren hinterlassen. Alle Dokumente und auch die Maschine wurden bei Kriegsende vernichtet. Was blieb, war Turing´s Homosexualität. Wegen ihr wird er später gerichtlich verurteilt und vor die Wahl gestellt: Gefängnis oder Hormontherapie, denn Homosexualität ist ein kriminelles Vergehen zu dieser Zeit. Sein früher Tod im Jahr 1954 deutet auf Selbstmord hin, bleibt aber ungeklärt. Erst mehr als fünfzig Jahre danach, vor nicht einmal zwei Jahren, wird Turing im Jahr 2013 von Queen Elizabeth II. posthum begnadigt. Für etwas, das seit 1967 in England nicht mehr strafbar ist. Die offizielle Würdigung seiner Leistung lässt noch immer auf sich warten.
Diese Geschichte steht für sich. Sie berührt mich sehr. Ich kannte sie nicht bevor der Film „The Imitation Game“ über Alan Turing entstand. Ein Mensch, dem wir viel verdanken, dessen Leistung jedoch über Jahrzehnte hinweg verborgen blieb, womöglich fast vergessen worden wäre. Schlimmer noch: Der für ein Anderssein, das keinem Menschen je geschadet hat, kriminalisiert wurde. So rabiat geht das Gewöhnliche mit dem Außergewöhnlichen um, fegt es hinweg. Und feiert es dann irgendwann auch wieder – posthum.
Ein Computer ist es, mit dessen Hilfe ein großer Geist unserer Zeit, Stephen Hawking, seine klugen Gedanken heute noch immer mitteilen kann, weit über die Zeit hinaus, in der es ihm ohne diese Erfindung jemals möglich gewesen wäre. Seltsam, dass der Film über ihn und der über Alan Turing nahezu zeitgleich entstanden sind. Und seltsam auch, dass ausgerechnet Stephen Hawking in diesen Tagen mit Hilfe einer intelligenten Maschine vor der weiteren Entwicklung intelligenter Maschinen warnt.
Die Geschichte von Beiden wird zum Thema in einer Zeit, in der ganze Heerscharen von Marketingspezialisten auf der ganzen Welt daran arbeiten, Strategien zu entwickeln wie man „Außergewöhnlichkeit“ suggeriert. Wir sind umgeben von unzähligen irrealen Wirklichkeitskonstruktionen, in denen etwas Gewöhnliches auf professionelle Weise so verpackt wurde, dass es wie etwas Außergewöhnliches, Einzigartiges erscheint. Psychologie und Gehirnforschung tragen, absichtlich oder unabsichtlich, ihren Teil dazu bei. Manches davon ist vielleicht tatsächlich besonders oder sogar einzigartig. Das meiste aber wohl eher nicht. Es ist spektakulär, populär, aber kurzlebig. Es erregt Aufmerksamkeit ohne jedoch von außergewöhnlicher Bedeutung zu sein. Es wird sich zeigen was davon bleibt.
Stellt sich die Frage, was dieser Beitrag mit OUBEY und dem MINDKISS Projekt zu tun hat? Vielleicht werde ich sie später einmal an anderer Stelle beantworten.
Wir verdanken den Beginn und die Existenz allen Lebens auf unserem Planeten Erde und damit auch unsere eigene Existenz den Sternen. Genauer gesagt verdanken wir sie den Sternen, die seit dem Beginn unseres Universums vor einigen Milliarden Jahren gestorben sind und im Prozess ihres Sterbens die Bausteine unseres Lebens freigesetzt haben. Die Verbindung zwischen Sternen und Menschen ist also von wahrhaft existenzieller Bedeutung.
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| Tycho Supernova | Stellar post-mortem |
Sobald wir die Bedingungen unseres Hierseins als Mensch auf diesem Planeten Erde in seiner kosmischen Dimension wenigstens ansatzweise zu begreifen beginnen, eröffnen sich uns diese wahren Welten. Sie sind nicht nur deshalb wahr, weil sie mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen sind. Sie sind wahr, weil sie uns einen neuen Blick auf die Wirklichkeit des kosmischen Stoffwechsels eröffnen, deren Teil wir sind. Ein Blick, der weit über das hinausgeht, was wir für gewöhnlich als den Sinn unseres Lebens verstehen.
Dass wir dies überhaupt wissen und erkennen können, liegt nicht zuletzt daran, dass die kosmische Evolution unseren Planeten mit einer hauchdünnen atmosphärischen Hülle umgeben hat, die uns nicht nur vor dem tödlichen Teil der Strahlen unseres Lebenssterns, der Sonne, schützt. Diese Atmosphäre ist auch durchsichtig und erlaubt uns dank ihrer Transparenz den freien Blick hinaus in den Himmel und das uns umgebende Universum.
Wäre die Erde von Wolken und Nebeln umgeben wie beispielsweise ihr Schwesterplanet, die Venus, würden wir entweder gar nicht existieren oder aber wir hätten niemals einen nächtlichen Sternenhimmel erblickt und wären deshalb vermutlich auch nie auf die Idee gekommen, das uns umgebende Universum erforschen zu wollen. Wir wüssten nicht einmal, dass es dieses Universum überhaupt gibt.
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Dichter, Schriftsteller und Sänger haben seit jeher auf unterschiedlichste Weise die Gedanken und Gefühle zum Ausdruck gebracht, die sie beim Anblick des nächtlichen Sternenhimmels ergriffen haben. Vorfahren wie die Maori orientierten sich vor siebenhundert Jahren bei ihrer Reise in den legendären großen Waka-Ruderbooten von den polynesischen Inseln aus über den Pazifik nach Neuseeland am Nachthimmel und dem Stand der Sterne. Und sie erreichten auf diesem Weg ihr Ziel. Was für eine poetische, liebevolle, vertrauensvollen Beziehung haben wir zu den Sternen entwickelt – jenseits aller Wissenschaft! Was für ein Glücksgefühl löst es ins uns aus, wenn wir am Abend oder in der Nacht den Baldachin des Sternenhimmels über uns sehen! Wenn Sie aber gefragt werden, was Sie glücklich macht, würden Sie wahrscheinlich nicht antworten: „Der freie Blick in den nächtlichen Sternenhimmel“. Und doch ist es so.
Tausend Sterne wollte OUBEY malen, wie er es zu Beginn des Jahres 2004 ausdrücklich ankündigte, ohne damals je zu ahnen, dass dieses Jahr das letzte eines Lebens sein würde. Niemals zuvor hat er irgendetwas, was er tun wollte, so angekündigt. Undenkbar war es bis dahin gewesen, ihm könnte auch nur in den Sinn kommen, irgendeine Zahl an Bildern zu nennen, die er malen will, schon gar nicht eine solche. Nur wenn man die existenzielle Verbundenheit zwischen Sternen und Menschen begreift und weiß, wie sehr sich OUBEY dieser Verbundenheit und ihrer Bedeutung bewusst war, wird sein„StarPixels“ Projekt in der grandiosen ganzheitlichen Dimension erkennbar, in der es von OUBEY gedacht und angelegt war – eine große Widmung an unsere „Star Brothers and Sisters“, wie die Maori Violinistin Elena es in ihrer Begegnung mit einem von OUBEYs Bildern ausdrückte.
Dass es keine tausend Sterne wurden, weil dieses Projekt durch OUBEYs frühen Tod unvollendet blieb, tut seiner Bedeutung keinen Abbruch. Denn sie führt uns tief hinein in den Prozess unserer eigenen Entstehungsgeschichte. Vielleicht ist es aus diesem Grund so, dass viele Menschen, wenn sie OUBEYs „Star Pixels“ sehen, auf besondere Weise berührt werden. Und vielleicht sollten wir aus diesem Grund bald einmal überlegen, wie wir diesem Teil von OUBEYs Werk im Prozess der Veröffentlichung den Raum geben, den es braucht, um die Wirkungskraft entfalten zu können, die ihm innewohnt.
Bild 1: Die Überreste der Tycho Supernova. Diese Form ist das was von einem sterbenden massiven Stern übrig bleibt, wenn er die chemischen Bausteine für biologisches Leben wie auch für planetarische Systeme in den Kosmos verströmt. Credit: NASA/CXC/Chinese Academy of Sciences/F. Lu et al.
Bild 2: Astronomen identifizierten ein neues Objekt, das aus dem Staub eines kürzlich gestorbenen Sterns entsteht. Das stern-posthume Gebilde, das in zwei Videoaufnahmen zu sehen ist, könnte ein Geheimnis auflösen, das die unerwartete Form der explosiven Sternenreste umgibt, sagen die Wissenschaftler. Hier ist das Video zu sehen: http://buff.ly/1rmn393
Bild 3: Eine Sonneneruption mit extrem hoher Rötngenstrahlung, aufgenommen von NuSTAR. Quelle: http://astronomynow.com/2014/12/23/sun-sizzles-in-high-energy-x-rays/
Mich interessiert die ursprüngliche Frage: „Are we alone?“. Wer hat sich diese Frage, ob wir die einzigen intelligenten Wesen im Universum sind, nicht selbst schon einmal gestellt? Sobald man ernsthaft damit beginnt, sich mit dem Kosmos und seinen unglaublichen Erscheinungen zu beschäftigen, stellt sich diese Frage unweigerlich. Niemand kennt die Antwort, aber dennoch ist es existenziell bedeutsam, sich mit den Möglichkeiten einer Antwort auf diese Frage ebenso ernsthaft zu beschäftigen wie mit dem Leben und Sterben von Sternen, den Galaxien, Schwarzen Löchern und Dunkler Materie, worüber wir mittlerweile viel wissen.
Wie ging es unseren Vorfahren vor 3000 und mehr Jahren, als sie in den Nachthimmel blickten und sich ihre Gedanken über den Kosmos machten? Als sie dabei zu Erkenntnissen kamen, die angesichts der damals extrem begrenzten technischen Möglichkeiten für uns bis heute unterwissenschaftlichen Gesichtspunkten mehr als verblüffend und beeindruckend sind.
Stellten auch sie sich schon diese Frage, die Maya, Ägypter und Griechen? Lag ihrer Idee von einer Götterwelt, die sie sich ausdachten, um die Einwirkung außerirdischer Einflüsse auf ihr menschliches Dasein zu „erklären“, vielleicht die Idee einer außerirdisch existierenden Intelligenz zugrunde – ohne dass sie das jemals so bezeichnet hätten? Tragen wir in uns vielleicht schon seit jeher die Ahnung, dass wir nicht „allein“ sind in diesem Universum?
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Diese Frage können wir nicht beantworten, aber wir sollten uns mit ihr beschäftigen. Ein Symposium der NASA/Library im September dieses Jahres, an dem neben Philosophen, Theologen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen auch drei Vertreter des SETI Instituts als Redner beteiligt waren, hat das getan. Darunter auch Dr. Seth Shostak. In einem interdisziplinären Austausch wurde die Frage diskutiert, wie wir uns auf neue Erkenntnisse über die Existenz von außerirdischem Leben einstellen und wie wir es als Menschheit schaffen, unseren Platz im Kosmos neu zu definieren.
OUBEY lebte von frühen Jahren an in einem kosmozentrischen Selbstverständnis. Ein anderes war für ihn nicht vorstellbar. Mir ging und geht es ähnlich. Dass nun ein Symposium an diesem Ort der NASA/Library zu diesem Thema in derart interdisziplinärer Besetzung stattfand, ist ermutigend und hätte ihn sehr erfreut. Es zeigt, dass unser kollektives „Weltbild“ sich an entscheidender Stelle auf dem Weg vom geozentrischen über das homozentrische hin zum kosmozentrischen „Welt“bild zu befinden scheint.
Der Film STARMAN von John Carpenter aus dem Jahr 1984 zeigt, wie groß die Herausforderung an unser etabliertes Selbstverständnis ist, wenn uns ein intelligenter(er) Partner aus einem anderen kosmischen System auf dieser Welt begegnet, und wie weit wir von einem intelligenten Umgang mit eventueller außerirdischer Intelligenz entfernt sind. Der Film ist zwar dreißig Jahre alt und vom Design her ein wenig überholt. Aber er ist mit seiner Botschaft unserer Zeit noch immer weit voraus.
Mir gefällt der Gedanke, der sich in dieser Wortschöpfung ausdrückt, sehr gut und ich denke, sie trifft einen ganz wesentlichen Aspekt von OUBEYs Denken und Schaffen auf den Punkt. Niemals wäre ich darauf gekommen das, was OUBEY uns in seinem Werk eröffnet, mit einem solchen Begriff zu charakterisieren. Dementsprechend erstaunt war ich, als ich das las. Muss man das erklären? Erklärungsversuche sind nicht meine Sache, aber ich kann der Einladung nicht widerstehen, diesen Gedanken aufzugreifen und ein wenig weiterzutreiben.
Der Blick, den uns die Mikroskope und Teleskope eröffnen, zeigt die kleinsten und größten Wesen und Strukturen, die es in unserem Universum und auf dieser Erde gibt. Was OUBEY uns in seinen Bildern offenlegt, sind die Geheimnisse hinter den Strukturen. Sie eröffnen uns eine neue Sichtweise auf uns selbst und auf unser Hiersein als Teil eines großen kosmischen Systems. Das ist nicht pathetisch oder romantisch und auch nicht dramatisch. Es ist einfach so. Genauso wirken sie. Wie ein Kanal, der uns durchs Gestrüpp des Lebens hindurch den Zugang zu unserem innersten Wissen und Ahnen ermöglicht – gepaart mit dem, was uns Forschung und Wissenschaft an neuen Erkenntnissen kontinuierlich liefern. Das ist es, was ich selbst immer und immer wieder erlebe, seit mehr als dreißig Jahren, wenn ich seine Bilder anschaue.
Im Vorfeld der fünften Station, der Global Encounter Tour die morgen und übermorgen in der Central European University in Budapest stattfinden wird, haben wir erstmals alle Bilder ins Social Web gestellt, die dort gezeigt werden. Jeden Tag ein Bild. Und dazu die Videoaufzeichnungen der Begegnungen, die diese Bilder mit Menschen erlebt haben, die sich intensiv und professionell mit ähnlichen Fragen und Themen beschäftigen, mit denen OUBEY sich beschäftigt hat. Außergewöhnliche, wunderbare Menschen – wie er selbst einer war.
So kam ich diesen Bildern wieder einmal ganz besonders nah. Und so habe ich auch die Eindrücke, Assoziationen und Reaktionen der Menschen, deren Begegnung mit einem dieser Bilder von OUBEY filmisch festgehalten wurde, wieder einmal besonders intensiv in mich aufgenommen. Der Reigen an Erlebnissen und Erkenntnissen, der sich mir da aufgetan hat, ist faszinierend und beeindruckend. Fritjof Capra sprach einmal vom „Kosmischen Reigen“.
Er tut sich auf durch den Blick in dieses Brennglas, das OUBEYs Bilder als „Inseln im Meer der Gedanken und Gefühle“, wie er selbst es einmal nannte, offenbart. Durch seine Bilder hindurch kann man diese Inseln nicht nur sehen, sondern auch geistig besuchen und kennenlernen. So gesehen ist die Neuschöpfung des Begriffs vom Oubeyskop auf seine eigene Weise wohl sehr zutreffend.
Mit herzlichem Dank an Charles Savage für die Inspiration dieser Wortschöpfung.
Tatsächlich war es aber zumindest ganz am Anfang wohl eher genau das Gegenteil von Perfektion, das dazu geführt hat, dass Leben überhaupt und irgendwann auch menschliches Leben in diesem gigantischen Raum des Kosmos entstehen konnte, in dem wir existieren. Denn wir verdanken unsere Existenz zu allererst einer Unvollkommenheit, einem Mangel an Ordnung. So jedenfalls sieht es Stephen Hawking in einer neuen Dokumentationsreihe mit dem Titel „Into the Universe with Stephen Hawking“.
Materie wurde stärker als Antimaterie. Wasserstoffgas bildete dichte Nebelwolken. Hätten sich vor rund 13 Milliarden Jahren die Wolken aus Wasserstoffgas perfekt und symmetrisch in gleichmäßigen Abständen voneinander im offenen Raum des Kosmos angeordnet, wäre es bei diesem Status geblieben. Da sie sich aber nicht gleichmäßig, perfekt und symmetrisch anordneten, sondern sich – aus welchem Grund auch immer – unordentlich bewegten, entstanden Lücken. Lücken sind nicht nur Zeichen von Unvollkommenheit, sondern sie sind immer auch Freiräume. Als solche wurden sie seinerzeit zu Angriffsflächen für die Schwerkraft, der wir letztlich die gesamte weitere Entwicklung des Kosmos verdanken.
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Im Angriffsraum dieser Lücken entwickelte sich durch die gewaltige Kraft der Gravitation eine Hitze, die in der Lage war, aus dem Wasserstoff Helium freizusetzen. Damit begann die Entstehung von Sternen und Galaxien. Aus dem Staub gestorbener Sterne entwickelte sich nach weiteren Milliarden von Jahren in einer wohl eher perfekten Konstellation unseres Sonnensystems erstes Leben. Rund 14 Milliarden Jahre nach dem sogenannten Urknall nimmt das Leben auf diesem Planeten namens Erde seinen Anfang. Das ist unser Ursprung.
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Ob Stephen Hawking Recht hat mit seiner These, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, dass ich das, was er beschrieben hat, korrekt wiedergegeben habe. Dennoch wage ich zu sagen, dass mir das, was er sagt, plausibel erscheint. Und ich denke, dass darin auch eine Transferqualität für unser heutiges Leben und Treiben als Menschen auf dieser Erde liegt. Ordnung ist wichtig und wertvoll, wenn sie zur richtigen Zeit der richtigen Logik folgt. Doch der Mangel an Ordnung schafft Freiraum für die Entwicklung von Neuem. Er ist nicht nur ein Ausdruck von Leben, sondern auch Quelle davon und ist deshalb wertvoll. Chaos und Ordnung gehören untrennbar zusammen, sind wie Zwillinge. Mangel an Ordnung bedeutet Freiraum für Entwicklung. Mangel an Chaos bedeutet Stillstand. Die Lücken in der Ordnung ermöglichen das Entstehen von Neuem. Das sollte uns ängstlichen Wesen Mut machen, finde ich.
Der Amerikaner Ray Kurzweil („Singularity is near“), der seit vielen Jahren konsequent und systematisch an der Verlängerung seiner eigenen Lebenszeit arbeitet, meint, dass für 8 Milliarden Menschen bereits ab 2030 die relative Unsterblichkeit erreicht werden kann. Andere Wissenschaftler begnügen sich derzeit mit der Erforschung von Methoden zur Verlängerung der menschlichen Lebenszeit auf bis zu 150 Jahre. Ob sich hierdurch allerdings etwas an dem Grundgefühl vieler Menschen ändern wird, das Leben sei eigentlich zu kurz, wage ich zu bezweifeln.
Die eigentlich spannende Frage, die hinter diesem Grundgefühl, das Leben sei zu kurz, verborgen liegt, ist doch die: Wofür ist unser Leben denn eigentlich zu kurz? Was genau glaubt ein Mensch nicht tun zu können, weil seine Lebenszeit dafür nicht lang genug dauert?
Klar, dass die Erfüllung des einen oder anderen Traums im Rahmen einer menschlichen Lebenszeit nicht möglich ist. Für einen Menschen, der im 12. Jahrhundert um die Welt hätte fliegen wollen, war dieser Traum in den Grenzen seiner Lebenszeit nicht erfüllbar. Ob er glücklicher geworden wäre, wenn er weitere achthundert Jahre gelebt hätte, um dann eines Tages in ein Flugzeug zu steigen und um die Welt zu fliegen? Simone de Beauvoir hat diese Frage in ihrem großartigen Roman „Alle Menschen sind sterblich“ auf eindrucksvolle Weise beantwortet. „Leben heißt sterben lernen“ schrieb Seneca, der römische Philosoph. Der Tod ist ein ebenso existenzieller Teil des Lebens wie Zeugung und Geburt.
Aber was ist mit den realisierbaren Wünschen, Träumen und Plänen? Was verschieben wir auf morgen oder übermorgen oder irgendwann, obwohl wir es heute tun könnten, wenn wir es wirklich wollten? Ist die Annahme, wir würden es tun, wenn das Leben ein wenig länger dauern würde, nicht eine fatale Selbsttäuschung? Zumal ja keiner von uns weiß, wie lange sein eigenes Leben überhaupt je dauern wird. Liegt der Schlüssel zum Glück nicht eigentlich darin, zu erkennen, was wirklich wichtig ist in diesem Leben und die eigene Lebenszeit so zu nutzen, dass das wirklich Wichtige darin Vorrang hat – Tag für Tag? Ist die Frage, womit und mit wem ich meine Zeit verbringe, nicht wichtiger als die Frage, wieviel Zeit ich habe? Ersteres kann ich selbst entscheiden, letzteres nicht.
Es ist die qualitative Seite des Lebens, nicht die quantitative, die unser Glücksempfinden prägt und die darüber entscheidet, ob das Leben aus unserer Sicht nun (zu) lang oder (zu) kurz ist. „Das Leben ist lang, wenn Du es zu nutzen verstehst“ schrieb Seneca vor mehr als zweitausend Jahren. Seine Erkenntnis hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren. Und so könnte man durchaus auch den Song von Brian Eno und David Byrne auf ihrem wunderbaren Album „Everything That Happens Will Happen Today“ verstehen. Hier kann man ihn anhören:
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Als „Weltzeitwesen“ sind wir Teil eines unsterblichen integrierten Gesamtsubjekts. Jeder einzelne subjektive individuelle Mensch ist in seiner begrenzten Lebenszeit immer zugleich auch Teil eines „Weltzeitwesens“ und somit unendlich. Die Folge der menschlichen Generationen kann man sich demnach als einen identischen Mensch vorstellen, der ununterbrochen existiert und als solcher eine einzige große und kontinuierlich wachsende Welterfahrung repräsentiert.
Sobald die Gegenwart zur Vergangenheit wurde, ist sie Bestandteil dieses kollektiven Gedächtnisses. Dies bedeutet, dass in jedem Augenblick der Geschichte über den endlichen Lebensrahmen der Individuen hinausgegriffen werden kann auf die Vergangenheit und auch auf die Zukunft.
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Dies gilt objektiv für jeden Menschen als Teil eines integrierten Gesamtsubjekts, d.h. es gilt für die gesamte Menschheit von ihrem Anbeginn an. Das bedeutet aber keineswegs, dass dies jedem lebenden Menschen auch bewusst sei. Bedeutet nicht, dass er sich als subjektiver, individueller Mensch in seiner begrenzten Lebenszeit tatsächlich auch als unendliches oder doch zumindest als Weltzeitwesen erkennt. Und es bedeutet schon gar nicht, dass er sich „Universalmensch“ verhält. Dies können nur wenige und mit fortschreitendem Wachstum des Vergangenheitsanteils wird es dem einzelnen Menschen immer schwerer, das Wissen und die Erfahrung der „Alten“ aktiv zu integrieren in sein aktuelles Tun mit dem Ziel, es nicht nur zu kennen und zu verstehen, sondern es durch die eigene geistige Lebensleistung voranzutreiben und zu bereichern.
Diejenigen Menschen, die hierzu in der Lage sind, nutzen während ihrer Lebenszeit den in der Weltzeit vollzogenen Fortschritt als einen Ertrag, der so etwas wie die Überzeitlichkeit des Menschen erschafft. Ihnen stehen die Erfahrungen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen zur Verfügung, um etwas zu schaffen, dass den Fundus seinerseits dann auch wieder bereichert.
Diese und viele weitere Gedanken ähnlicher Art stammen aus einem Buch des Philosophen Hans Blumenberg, inspiriert unter anderem durch Fontenelle und Pascal, zwei französischen Philosophen des 17. Jahrhunderts. Sich ein integriertes Gesamtsubjekt vorzustellen, in dem die Erfahrungen aus den Lebenszeiten aller Menschen aggregiert sind, die seit Beginn der Menschheitsgeschichte gelebt haben, ist eine ausgesprochen interessante Vorstellung.
Die entscheidende Frage für jeden Einzelnen ist die, ob er dies alles überhaupt erkennt, wie er sich „Zugang“ zum Fundus der „Weltzeit“ verschafft und wie er das integrierte Gesamtsubjekt während seiner endlichen Lebenszeit bereichern kann. Ich meine, dass diese Idee die Qualität des eigenen Lebens positiv verändern kann, weil sie aufzeigt, dass über die zeitliche Begrenztheit der eigenen Existenz hinaus eine Überzeitlichkeit existiert, deren Teil man ist. Das mag einerseits ein Trost sein. Es ist vor allem aber auch eine Herausforderung. Damit umgehen zu können erfordert einen „bon esprit cultivé „ wie Fontenelle es nannte, einen „durchgebildeten Kopf“. OUBEY war so ein Kopf. Dies ist wohl einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sein Werk, in dem sich dieser „durchgebildete Kopf“ eine einzigartige Ausdrucksform schuf, so etwas wie eine universale Sprache spricht.
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Der Film „OUBEY – ein Element des Universellen“, der vor einer Woche erschienen ist, macht sich auf den Weg herauszufinden, weshalb OUBEYs Kunst offensichtlich eine „universale Sprache“ spricht, die von Menschen auf der ganzen Welt verstanden werden kann. In ihr steckt das Wissen von „Sieben Millionen Jahren“ Menschheitsgeschichte, wie es der Paläoanthropologe Prof. Friedemann Schrenk in seinem Encounter mit einem von OUBEYs Bildern ausdrückte. Seine Bilder „transzendieren die Zeit“ meinte eine Besucherin des Maori Schulfests im Open Encounter mit einem anderen Bild von OUBEY. Beide sind zu sehen im besagten Film. Falls Sie sich die Zeit nehmen wollen, ihn anzuschauen, wünsche ich Ihnen eine gute und inspirierende Unterhaltung. Einen einminütigen Trailer zu diesem Film finden Sie hier.
Wer tiefer einsteigen, aber nicht gleich den ganzen Blumenberg selbst lesen will: Im Spiegel erschien seinerzeit ein interessanter Beitrag über „Lebenszeit und Weltzeit“. Den finden Sie hier.
Bildnachweis:
1) Dürerschule um 1530: Neue Dimensionen der Kosmologie.
2) Die Epoche des überließenden Sehvermögens: Der Mensch im Weltraum. Titelblatt des Ausstellungskatalogs 1970.
Von Brian Eno über Quentin Tarantino, Garri Kasparow und Stanislaw Lem bis zu Leo DiCaprio und Hans-Dietrich Genscher reicht das Spektrum der Gesprächspartner, die dem Internetportal GALORE in den letzten Jahren ein Interview gegeben haben. Im Mai 2014 war das Magazin zu Gast in OUBEYs Karlsruher Atelier, um ein ausführliches Gespräch mit Dagmar Woyde-Koehler zu führen.
Dabei ging es um „Kunst, Chaos, Unternehmertum, eine große Liebe und viele Nuancen dazwischen“, so GALORE im Vorspann des Gesprächsprotokolls, das kürzlich online veröffentlicht wurde. Darin teilt Dagmar Woyde-Koehler erstmals auch ihre Idee von einem interdisziplinären „OUBEY Experience Space“ – einem Platz, an dem OUBEYs originales Werk in engster Verbindung mit den wissenschaftlichen, astronomischen, philosophischen und zukunftstreibenden Erkenntnissen und Vorstellungen erlebbar wird. Ein Ort der Erkenntnis und vor allem der „Freude an der Erkenntnis, dass alles mit allem verbunden ist“ wie OUBEY selbst einmal die Triebkraft seines Schaffens beschrieb.
Hier finden Sie einen Auszug des Interviews. Die komplette deutsche Version des Interviews ist ausschließlich gegen Credits im GALORE Portal verfügbar. Es gibt jedoch eine komplette englische Übersetzung hier.
Ein kluger Mensch, mit dem ich einmal sehr ausführlich über OUBEY, seine ungewöhnliche Geschichte und sein ebenso außergewöhnliches Werk sprechen konnte, fasste den Wesenskern seiner Erkenntnis in der Aussage zusammen, dass OUBEY ein Beispiel von Entelechie sei, weil er unbeirrbar und konsequent seiner Bestimmung gefolgt sei: Unabhängig von den Meinungen anderer tat er das, was er richtig fand und was ihm wirklich wichtig war. Er ließ sich vom eigenen Weg durch die Meinungen und Kommentare der Außenwelt nicht abbringen, wie verlockend und einladend sie auch immer waren. Er ließ sich nicht in eine Welt hinein verführen, die ihm den Grund seines Schaffens unter den Füßen weggezogen hätte – zum Glück.
Aristoteles hat für diese Art der Selbstgewissheit aufgrund innerer Bestimmtheit den Begriff der Entelechie geprägt. Dass uns dieser Begriff heute nicht mehr geläufig, sogar kaum noch bekannt ist, hat seinen Grund wohl nicht zuletzt darin, dass die damit verbundenen Denk- und Handlungsweisen auf dem Markt der Eitelkeiten nicht sonderlich gefragt sind. Schnell und direkt ins Wahrnehmungsfeld der Öffentlichkeit zu kommen, schnell bekannt, berühmt und möglichst auch reich zu werden – wie und womit auch immer – ist ein Karrieremodell, das es gewiss auch in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder mal gab. Als Massenphänomen eines Zeitgeists hat diese Haltung sich aber erst in der jüngsten Geschichte ausgebreitet. Die Spielregeln des etablierten Kunst- und Medienbetriebs fördern diese Haltung längst, fordern sie zum Teil geradezu.
OUBEY hat diese Gefahr einer Fremdsteuerung im Moment des ersten Erfolgs erkannt und sich ihr daraufhin bewusst entzogen. Er ist ein Gegenmodell, wenn man so will. Nicht weil er ein Gegenmodell sein oder werden wollte, sondern weil er so war wie er war. Und so war er von Kindesbeinen an. Er konnte nicht anders. Seine Entscheidung, sich zurückzuziehen, um unbeirrt weiterhin nur das tun zu können, was er tun will, um die Bilder malen zu können, die in seinem Kopf entstehen, unbeeinflusst von den Mechanismen des Kunstbetriebs, war eine Entscheidung von existenzieller Bedeutung für ihn. Man kann ihn deshalb wohl tatsächlich als ein Gegenwartsbeispiel gelebter Entelechie verstehen.
Wenn es nun nach OUBEYs frühem Tod darum geht, sein Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, versuche ich, dieser Kraft seines freien Geistes zu folgen. Aus einer Perspektive der Entelechie heraus betrachtet ist die Frage, ob seine Bilder im Kunstmarkt hoch oder niedrig gehandelt werden, vollkommen unbedeutend. Ebenso die Frage, wie und wo sich sein Werk kunstgeschichtlich einordnen lässt. Denn es geht nicht darum, seinen Bildern einen materiellen Wert zuzuordnen und es geht auch nicht darum, seine Bilder kunstgeschichtlich einzuordnen. Dies würde Grenzen ziehen, um deren Überschreitung es OUBEY ja gerade ging. Und es würde das Potenzial der Möglichkeiten, das seinem Werk innewohnt, erheblich einschränken.
Vielleicht war die Begegnung von OUBEYs Bildern mit den Maori im März dieses Jahres nur deshalb in dieser Weise möglich, weil das OUBEY MINDKISS Projekt genauso frei und unberührt von den Versuchungen eines materialistisch orientierten Kulturbetriebs geblieben ist wie OUBEY selbst es war. In seinen Bildern hat sein freier Geist eine Ausdrucksform in nonverbaler Sprache gefunden, die ihn erkennbar werden lässt für jeden, der diesen Geist in sich selbst auch spürt. Das sind natürlich nicht allein die Maori.
Doch in der Kultur der Maori ist der Geist das wirklich Bedeutende. Durch die Pflege ihrer ursprünglichen Kultur fühlen sie sich mit ihren „ancient ancestors“ bis heute aufs Engste verbunden und so ist ihnen bewusst, dass der Geist das einzige ist, was bleibt, während alles Materielle den Gesetzen der Vergänglichkeit unterliegt. Maori, die OUBEYs originalen Bildern begegnet sind, haben diesen Geist in ihnen erkannt. Deshalb könnte man auf die Idee kommen, diese Bilder hätten in Aoteroa so etwas wie den Zielort ihrer Bestimmung gefunden. Das wäre aber zu kurz gedacht.
Denn OUBEYs Bilder haben inzwischen bereits vielfach gezeigt, dass sie imstande sind, diesen Geist auch an ganz anderen Orten in der Begegnung mit Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen und Wertesystemen so kraftvoll zum Ausdruck zu bringen, dass er für sie spürbar und erkennbar wird. „Dieses Bild macht mich glücklich, wenn ich es anschaue“ schrieb jemand auf eins der „Tweet Sheets“, die bei der Wiener Station der Global Tour im November letzten Jahres ausgelegt waren und auf denen jeder Besucher seine Reaktionen und Meinungen notieren konnte. Gemeint war OUBEYs Bild „Die Reise der Monaden“, das er der Monadentheorie von Wilhelm Gottfried Leibniz gewidmet hat. Am Ende seines Encounters mit diesem Bild im August 2010 in Genf meinte Prof. Alexander Deichsel, ein ausgewiesener Kenner der Leibniz´schen Monadologie: „Monaden sterben nie!“ Und wenn einer wie Erwin Schrödinger einst sagte, dass der Geist durch die Zeit nicht vernichtet werden kann, dann entsteht allein aus der Verknüpfung dieser drei Facetten ein interessantes Potenzial weiterer Entdeckungsmöglichkeiten in er Beschäftigung mit OUBEYs Kunst.
Deshalb ist es gut und richtig, dass die Global Encounter Tour nach diesem besonderen Erlebnis der Begegnung mit den Maori nicht aufhört, sondern weiter reist, an andere Orte in ganz anderen Regionen dieser Welt, um weitere Resonanzen zu erzeugen, zu sammeln und das zu verbreiten, was OUBEY seine „Freude an der Erkenntnis, dass alles mit allem verbunden ist“ nannte.
Asimov steht wie kaum ein anderer für „Science“ in der „Fiction“. In seinen Romanen begegnen wir technischen Entwicklungen und intelligenten Maschinen, die seinerzeit echt fiktional wirkten, von denen heute jedoch viele bereits zu unterschiedlichsten Zwecken alltäglich im praktischen Einsatz sind – auf der Erde wie auf dem Mars. Künstliche Intelligenz gibt es längst und sie wird derzeit in einem Konkretheitsgrad erforscht und weiterentwickelt, der vor 80 Jahren für die meisten noch mehr als utopisch erschienen sein muss – jedoch nicht für einen wie Asimov. Wie es wohl sein würde, wenn Roboter Gefühle und mehr als das, nämlich ein unbestechliches Moralempfinden hätten, hat er antizipiert. Auf die Verfilmung von „I, robot“ hatte OUBEY sich im Sommer 2004 riesig gefreut, konnte sie dann aber leider nicht mehr im Kino sehen.
Als feststand, dass ich an der diesjährigen „Asimov Memorial Debate“ im American Museum of Natural History in New York leider nicht würde teilnehmen können, kaufte und las ich quasi ersatzweise das von Asimov´s zweiter Frau herausgegebene autobiografische Buch „It´s Been a Good Life“.
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Es sind nicht nur wissenschaftliche, sondern vor allem auch philosophische Fragen von tiefgründiger elementarer Bedeutung, die das Fundament von Asimov´s Arbeit bilden. Seine „Drei Gesetze der Robotik“ bringen das sehr klar zum Ausdruck. Und erst recht „The Last Question“. Dass dies Asimov´s persönliche Lieblingserzählung war, habe ich erst durch seine Autobiografie erfahren. Sie war auch OUBEYs Lieblingserzählung. Und sie spricht für sich. Man muss sie kennen, um zu verstehen, was das bedeutet.
Die Wurzeln der engen Verbindung zwischen Science und Fiction in Asimov´s Werk reichen weit zurück in seine Kindheit. In seinen Lebensaufzeichnungen beschreibt er, wie er als kleiner Junge zur Zeit der Großen Depression Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts im elterlichen Süßwarenladen in New York erstmals mit SF-Magazinen in Berührung kam, die dort zum Verkauf auslagen. „It was science fiction that introduced me to the universe, in particular to the solar system and the planets. Even if I had already come across them in my reading of science books, it was science fiction that fixed them in my mind, dramatically and forever …”
Wenn er sich als Junge beim Lesen in die Welt der erzählten Geschichten vertiefte, und dies gilt weit über die SF-Romane hinaus, bereitete ihm das dabei entstehende Zusammenspiel von rationalem Denken und fantasievoller Vorstellungskraft ein einzigartiges, für ihn immer unvergessen bleibendes Glücksgefühl. Dieses Glücksgefühl des Lesens teilt er gewiss mit vielen anderen Menschen auf der ganzen Welt, gleich welchen Alters sie auch sein mögen. Wer als Kind aber bereits so tief in die Grenzwelten zwischen wissenschaftlich-technischer Exploration und fantasievoll erdachten Möglichkeiten der Zukunft eintaucht, in dessen Denken und Bewusstsein bilden sich einzigartige Verknüpfungen.
Als ich Asimov´s Autobiografie las, fühlte ich mich sehr oft unweigerlich an OUBEY erinnert. Von Kindesbeinen an spielte in seinem Leben Science Fiction eine ganz besondere Rolle. Sie war nicht nur der Zufluchtsort für einen weit über die Grenzen des damals Heutigen hinausdenkenden und fühlenden Menschen, sondern legte auch bei ihm das frühe Fundament für dieses „Interplay between Thought and Imagination“, das Asimov als so überaus beglückend beschreibt. Auch in OUBEYs Werk fand dieses Zusammenspiel einen einzigartigen und eindrucksvollen Ausdruck – allerdings auf nonverbale Weise.
„These pictures start speaking to you once you start looking at them“ sagte eine Maori in Aotearoa/Neuseeland, als sie OUBEYs Bilder vor kurzem zum ersten Mal sah. Seine Bilder, die weder abstrakt noch konkret sind, erzählen Geschichten vom Ursprung und Endpunkt unseres Seins in diesem Kosmos. Menschen auf allen Kontinenten dieses Planeten können diese Geschichten „lesen“ und verstehen und, wer weiß, eines Tages vielleicht auch die Wesen, die in anderen Galaxien unseres Universums zuhause sind. Aus heutiger Sicht eine Fiktion, die im nächsten Jahrhundert aber vielleicht schon Wirklichkeit geworden sein kann.
Zu den renommierten Rednern der Asimov Memorial Debate im letzten Jahr gehörte übrigens Prof. Lawrence Krauss, weltbekannter Astrophysiker und Kosmologe von der Arizona State University. Er erforscht die Anfänge des Universums und versteht es hervorragend, darüber anschaulich und unterhaltsam zu berichten. Ein Jahr zuvor war er in seinem Büro an der Universität im Rahmen des „OUBEY Encounter Projekts“ einem von OUBEYs Bildern begegnet. Es war eine persönliche Begegnung von sehr origineller Qualität. Das Video hierüber steht online.
Dass Lawrence Krauss, wie OUBEY, Science Fiction mag, konnte ich damals auf den ersten Blick an den zahlreichen Figuren aus „Star Trek“ erkennen, die sich – teilweise in Lebensgröße – in seinem Büro befinden. Dass er OUBEYs Bild so sehr mochte, dass er sich vorstellen konnte, es bei sich zuhause aufzuhängen, erfuhr ich durch die Begegnung zwischen ihm und OUBEYs Bild. Dass er ein Jahr später bei der Asimov Memorial Debate 2013 auftreten würde, hat für mich schließlich eine geistige Verbindung offengelegt, von der ich sagen möchte, dass sie auch in OUBEYs Werk lebendig wurde und bis heute lebendig ist.
Schade nur, dass es aufgrund der Begrenzung menschlicher Lebenszeit unmöglich ist, dass sie sich in dieser Welt persönlich begegnen: Asimov, Krauss und OUBEY.
Hier kann man übrigens die komplette “Asimov Memorial Panel Debate 2013“ anschauen.
Textquelle: Janet Jeppson Asimov: It´s Been a Good Life. 2002.
Manche Videos und Posts im Social Web sind echte Shooting Stars, überschreiten die Millionengrenze innerhalb kürzester Zeit. Andere gewinnen ein großes Publikum, weil sie aus der Quelle renommierter Institutionen stammen wie z.B. dem American Museum of National History. Bei vielen, die zu keiner dieser beiden Gruppen gezählt werden können, tritt nach gewisser Zeit der Stillstand ein.
Der Auftritt von OUBEY im Internet passt in keine dieser drei Kategorien. Aus der Position eines vollkommen unbekannten „Nobody“ heraus hat sich seit dem Web Opening im ZKM Karlsruhe über die Monate und Jahre hinweg ein weltweit wachsendes Interesse gebildet, das mit der Zeit nun erkennbar zunehmend und schneller ansteigt.
Genau das ist es, was wir uns gewünscht haben und erreichen wollten: aus eigener Kraft, ohne jegliche Werbung, unabhängig von etablierten Institutionen wie auch von spekulativ-spektakulären Aktionen das Interesse einer wachsenden Zahl von Menschen für OUBEY, seine Kunst und dieses Projekt über die Kommunikationsplattformen des Internets zu gewinnen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die uns auf diesem Weg bisher begleiten und unterstützen – auf welche Weise auch immer. Die Resonanz all der vielen Unbekannten im Social Web ist uns hierbei ein besonderer Ansporn, diesen Weg genau so konsequent weiterzugehen wie bisher.
In der Evolutionsgeschichte des Menschen kam es vor ca. 1,8 Millionen Jahren zu einem einzigartigen Einschnitt, der rückblickend als revolutionär bezeichnet werden muss: Der Mensch stellte sich nicht nur für einen kurzen Moment oder vorübergehend auf seine zwei Hinterbeine, wie es Affen, Bären, Katzen und Pferde bis heute ebenfalls tun können. Er lernte und blieb dabei, fortan nur noch auf zwei Füßen zu stehen und aufrecht zu gehen.
Dieser Entwicklungsschritt war revolutionär und hatte langfristig betrachtet weltverändernde Konsequenzen. Die Vorderbeine wurden zu Armen, die Vorderfüße zu Händen. Sie wurden nicht mehr für die Fortbewegung gebraucht, sondern waren frei verfügbar, um nach und nach immer mehr praktische Probleme des Alltags auf gänzlich neuem Niveau zu lösen. Hände und Finger konnten nun zu feinmechanischen Werkzeugen werden und die Verwendung einfachster technischer Hilfsmittel führte zur Herstellung weiterer Werkzeuge. Deren Einsatz erleichterte nicht nur das Leben, sondern markierte auch den Beginn einer Entwicklung des Gehirns und einer kulturellen Linie der Evolutionsgeschichte, wie sie bis heute kein anderes Lebewesen kennt.
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Im Laufe der Jahrzehntausende gewann sie kontinuierlich an Geschwindigkeit. Von mehr als tausendjährigen Zyklen aus gestartet, sind wir heute bei einer kulturellen Entwicklungsgeschwindigkeit angekommen, die so rasant ist, dass unser Wahrnehmungsapparat und erst recht unser Bewusstsein kaum noch oder gar nicht mehr mitkommt.
Dass es ein körperlich-mechanischer Akt war, der zu dieser Unterscheidung im Entwicklungsverlauf der Evolution des Menschen führte, mag auf den ersten Blick verblüffen. Auf den zweiten Blick allerdings erscheint das sehr plausibel und wird von Paläoanthropologen wie Prof. Friedemann Schrenk vom Senckenberg Institut in Frankfurt auch mit Überzeugung vertreten. So beispielsweise in dem äußerst interessanten Gespräch, das er mit Alexander Kluge führte und das im Rahmen derAusstellung „70.000 Jahre wie ein Tag“ in der Deutsche Kinemathek zu sehen ist. Wer den Encounter von Prof. Schrenk mit einem von OUBEYs Bildern noch nicht kennt, findet ihn hier.
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In jedem Menschen wird dieser revolutionäre Evolutionsschritt bis heute übrigens als fester Bestandteil der genetischen Programms nacherlebt. Zwar kann sich kaum einer an die eigene Ekstase beim Erlebnis des ersten Aufrechtstehens und der ersten, zwar noch schwankenden, aber doch immerhin selbständigen Fortbewegung auf zwei Beinen erinnern. Aber den Eltern ein- bis eineinhalbjähriger Kleinkinder verschafft das Miterleben dieses einschneidenden Lebensereignisses einen Eindruck von der gravierenden Veränderung, die hiermit verbunden ist. Bisher ungekannte Energien werden frei. Ein erster elementarer Schritt in Unabhängigkeit und Freiheit.
Sobald ein Mensch diesen Moment seines genetischen Programms erreicht hat, ist nichts mehr, was sich in Reichweite befindet, vor seiner Neugier sicher. Das (Selbst)bewußtsein wächst ebenso rasant wie die Lernfähigkeit. Was am Ende individuell daraus erwächst, ist ebenso offen wie das letzte Ergebnis menschlicher Evolution, das keiner von uns kennt.
„Diese originelle Idee für einen so guten Zweck unterstützen wir gerne“ war die spontane Antwort von Dagmar Woyde-Koehler, als sie gefragt wurde, ob sie bereit wäre, ein artboard von OUBEY für diese Auktion zu stiften.
Seither ziert eine feinsinnige Zeichnung von OUBEY aus dem Jahr 1981 ein Skateboard, das am 27. März 2014 für beachtliche 1625 $ ersteigert wurde. Auch der chinesische Künstler Ai Weiwei beteiligte sich mit einem Board an dieser Aktion. Dass OUBEYs artboard ihm vom Ergebnis her dicht folgt und sogar mehr Gebote erhielt, macht uns angesichts der Prominenz seines Namens durchaus ein wenig stolz.
Am Ende ist es aber das Gesamtergebnis dieser Auktion, das zählt, und nicht der Erfolg eines einzelnen Boards. Wer weiß … vielleicht werden einige von OUBEYs Bildern eines Tages zu diesem Skatepark in Indien reisen und dort ganz neue Encounters erleben.