„Keine Begrüßung, keine Verabschiedung, kein einziger Song zum Mitsingen“. Wer im Jahr 2025 ein Konzert von Bob Dylan so kommentiert, der hätte besser geschwiegen. Als hätte Bob Dylan in den letzten dreiundzwanzig Jahren, seit ich regelmäßig jedes seiner Konzerte besucht habe, jemals das Publikum begrüßt oder gar jemals einen „Oldie“ zum Mitsingen angeboten.
Wer mit einer solchen Erwartungshaltung in ein Dylan-Konzert geht, der wird natürlich enttäuscht. Der Grund für diese Enttäuschung liegt aber nicht in Bob Dylan, sondern in der falschen Erwartung aufgrund von Ignoranz.
Von einem Künstler, der zur Verleihung des Literaturnobelpreises, den er als erster Songschreiber aller Zeiten erhält, nicht selbst zur Verleihung erscheint, darf man nicht erwarten, dass er sich verhält wie ein Popsänger oder wie Rock´n Roll Stars, die mit Vergnügen ihr Repertoire in bekannter Spielart immer und immer wieder zum Besten geben.
Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber diesen Maßstab an Bob Dylan anzulegen zeugt mindestens von Unwissenheit und Unverständnis. Die beharrliche Wiederholung der immer selben Feststellungen seit Jahr und Tag spricht allerdings eher für einen erklärten Unwillen zu verstehen.
Und natürlich wiederholt sich seit Jahr und Tag die Beschwerde, dass man in Dylan´s Konzerten nicht filmen oder fotografieren darf. Das war schon 2002 in Oberhausen so. Und seit drei Jahren werden beim Eintritt nun die Handys in einem Beutel verplombt. Ich finde das großartig.
Die Botschaft dieses Reglements heißt: Genießt den Abend, genießt die Musik, nehmt sie in Euch auf und die Eindrücke dann mit Euch nach Hause. Was ist das für eine Wohltat, nicht lauter leuchtende Handy-Displays vor sich und um sich herum zu sehen, sondern einfach nur das Dunkel des Saals. Was für eine wunderbar intensive Atmosphäre entsteht durch dieses Handy-Verbot. Das lese ich nirgends.
Stattdessen so ein durchgängiger kritischer Unterton wie ein Künstler es wagen kann, sich nicht – für alle im Saal sichtbar – auf der Bühne in Szene zu setzen und zu produzieren, sondern einfach nur Gitarre, Klavier und Mundharmonika zu spielen und zu singen – begleitet von vier tollen Musikern. Und das tat Dylan am Montag – wieder einmal – auf seine ihm eigene Art.
Ich hatte einen tollen Platz in Reihe 4 des Innenraums. Trotzdem sah auch ich von Dylan nur seinen Haarschopf und hin und wieder seinen Oberkörper, wenn er am Ende eines Songs kurz aufstand, um sich zu zeigen. Mitten im Konzert, das ich von der ersten bis zur letzten Minute genossen habe, wurde mir vielleicht gerade aufgrund seiner „Unsichtbarkeit“ zutiefst bewusst, dass das da oben am Flügel wirklich Bob Dylan ist und dass ich zu den glücklichen Menschen gehöre, die dieses Konzert des 84jährigen Dylan im Jahr 2025 miterleben können. Das war ein Glücksmoment. Ich sage: Danke, Bob Dylan. Es war ein toller Abend. Und wenn es der letzte gemeinsame gewesen sein sollte, dann war er für mich ein Höhepunkt.
Materielle Form und Gestalt nimmt sie in einem Außenraum an. Dort kommt sie auf die Welt.
Dieser Raum kann ein Atelier sein. Für OUBEY war es in den frühen Jahren seines Schaffens aber immer die Wohnung, in der er gerade lebte. Als wir in unsere erste gemeinsame, wunderschöne Altbauwohnung zogen, wurde dort der größte und hellste Raum zu seinem ersten eigenen Atelier.
Schon zuvor waren in seiner winzigen Wohnung in der Brunnenstraße auf beengtem Raum großartige Bilder wie „Die Reise der Monaden“, „Grünes Bild“ oder „Morphogenese“ entstanden. Dort hatte er sie mir zum ersten Mal gezeigt. Ich war beeindruckt.
Zu einer Explosion seiner Schaffenskraft, kam es in seinem ersten eigenen Atelier in unserer Wohnung in der Roonstraße. Es war als hätten in seinem Innenraum bereits unzählige Bilder nur darauf gewartet, endlich das Licht dieser Welt zu erblicken: „Einsteins Tränen“, „Nullfeld“, „Samurai“, das Triptychon „27 Cube Memory System“ und viele Bilder mehr sind hier zwischen 1984 und 1987 entstanden.
Der Umzug in sein erstes eigenes Atelier außerhalb der Wohnung beflügelte seine Kreativität ein weiteres Mal. Dort hatten zuvor Markus Lüpertz und Uwe Lindau gearbeitet. Die Vermieterin, eine ältere verwitwete, sehr resolute Dame, erzählte gerne mal die eine oder andere Geschichte, die sie mit OUBEYs „Vorgängern“ erlebt hatte. Lüpertz habe ihr mal eins seiner Bilder schenken wollen. Das sei aber keine Kunst gewesen, sondern habe ausgesehen wie die Anzüge in der Schaufensterdekoration des größten Herrenbekleidungsgeschäfts in Karlsruhe. Deshalb habe sie das Bild nicht gewollt.

In diesem Atelier in der Sofienstraße begann OUBEY mit der Arbeit am Amiga 500 Computer. Deshalb erscheint eine Originalaufnahme von diesem Atelier mit Blick auf das „digitale Studio“ im Spark des OUBEY MINDSPACE, in dem es um die Arbeit am Computer und die Kunst des PhotonPainting geht. Dazu gibt es dort ein Zitat von OUBEY über das Verhältnis von Kunst und Computer, das in seiner Grundsätzlichkeit weit über die damalige Zeit hinausweist und im Jahr 2025 noch genauso wichtig und richtig ist wie damals.
Mit den PhotonPaintings, die er hier am Amiga 500 schuf, bestritt er 1992 seine erste und einzige, sehr erfolgreiche Ausstellung mit dem Titel „MINDKISS – The PHOTONPAINTING“. Nach ihr habe ich 2005 das MINDKISS Projekt benannt. Wer sich beim Anblick des Ausstellungskatalogs fragt, weshalb hier ein Wendelin Koehler als ausstellender Künstler genannt wird, erfährt die Hintergrundgeschichte dazu in dem oben erwähnten Spark des OUBEY MINDSPACE.

In diesem Atelier malte OUBEY erstmals auch mit Öl auf Leinwand. Um die Bilder zu realisieren, die in seinem Kopf bereits existierten, wie er sagte, erwies sich diese Technik jedoch als ungeeignet. Auch die Arbeit am Computer kam an die Grenzen der Materialisierung. Der Aufwand, die Bilddateien so zu vergrößern, dass angemessene Formate machbar sind, war enorm hoch und nicht bezahlbar.
OUBEY träumte davon, sie eines Tages mit einem Plotter auf riesengroße Leinwände zu drucken oder sie mit Hilfe von Lasertechnik auf große weiße Wände oder fließendes Wasser zu projizieren – frühe Ideen für eine immersive 360° Präsentation seiner Kunst. Nur ein Beispiel dafür wie weit er in seiner innovativen Vorstellungskraft seiner Zeit voraus war. Die damalige Zeit war für eine Realisierung dieses Traums für einen Künstler mit begrenzten finanziellen Mitteln jedoch noch nicht reif. Wenn wir nun heute sein großes Spätwerk GENESIS öffentlich als immersive 360° Raumprojektion präsentieren, bewegen wir uns damit in den Spuren seiner Gedanken.
Dann wurde ihm das Atelier gekündigt. Das war ein heftiger Schlag. Er wusste, wie schwer es sein würde, irgendeinen anderen geeigneten oder doch wenigstens brauchbaren Raum zu finden. Wie schon 1987 suchte ich für ihn unermüdlich nach einem neuen Atelier. Und wie damals hatte ich auch dieses Mal nach monatelanger Suche das Glück, einen guten Raum zu finden – größer, heller, näher an der Wohnung als das vorherige Atelier – und bezahlbar. Als ich ihm von diesem Raum erzählte, hatte OUBEY größte Zweifel, doch als er ihn dann zum ersten Mal betrat, war in diesem Moment sofort klar, dass das „sein Raum“ war. Was für ein Glücksfall!

Hier können Sie OUBEYs Atelier in einem virtuellen 360° Besuch erkunden.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er dieses neue Atelier so eingerichtet hatte, dass er sich dort wohlfühlte. Das war für ihn eine unbedingte Voraussetzung fürs Malen. Es gab eine Couch, einen großen Fernseher mit Satellitenanschluss, eine kleine offene Küche, ein Bad, ein großes Bett und einen Zitronenbaum, den ich ihm zum Einzug geschenkt hatte.
Im Jahr 2003 begann dann die nächste Schaffensexplosion. Großformatige Bilder, Öl auf beschichteter Hartfaserplatte: GENESIS und StarPixelClusters. So konstant und kontinuierlich produktiv in seinem Schaffen hatte ich OUBEY vorher nicht erlebt. Er war ganz und gar bei sich. Und er war – zum ersten Mal nach zwölfjährigem Rückzug – bereit für eine nächste Ausstellung.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich nach seinem Unfalltod das Atelier im August 2004 mit größtem Respekt zum ersten Mal allein betrat; wissend, dass ich ihn nie ohne OUBEYs Beisein betreten hätte solange er lebte. Denn das war sein Raum, sein ureigenster Freiraum. Doch der Zitronenbaum brauchte Wasser. Alle drei bis vier Tage.
So wurde OUBEYs Atelier dann irgendwann zu unserem Raum.
_______________________________________________________________________________________________________________
Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume, die ihrerseits verschiedeneImpuöse und jeweils fünf sogenannte MindSparks enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
An dieser Stelle gilt mein Dank dem großartigen Team von Kubikfoto³ für die wunderbare Zusammenarbeit und ihre herausragende Leistung bei der audiovisuellen Gestaltung und Produktion des OUBEY MINDSPACE. Gemeinsam freuen wir uns darüber, dass der OUBEY MINDSPACE mit drei renommierten Preisen ausgezeichnet wurde, darunter vor kurzem mit dem Red Dot Design Award 2025.
Mit einem szenischen Konzertabend und Weltmusik hat sich das 30. Speyerer Festival Kulturbeutel am Wochenende bis zum 25. September 2026 verabschiedet. Der 31. Kulturbeutel öffnet dann den Vorhang im Alten Stadtsaal bis 4. Oktober. Vorbereitungen laufen bereits.
Zwischen den Nachmittags- und Abendvorstellungen hat Dagmar Woyde-Koehler den Kulturbeutel-Besuchern ihr Projekt „Mindkiss“ präsentiert. Mit der außergewöhnlichen interaktiven Ausstellung holt sie den 2004 tödlich verunglückten Karlsruher Künstler Rudi Wendelin-Koehler alias Oubey zurück ins Leben. Die virtuelle Entdeckungsreise zu unterschiedlichen Gedankenräumen des Künstlers wirkt besonders dann emotional, wenn Oubeys Original-Stimme zu hören ist. Wenn sie von KI nachempfunden ist, hat sie auch für die Witwe einen eigenartigen Klang, zumal sie täuschend echt sei, wie sie sagt.

Ein Gedankenraum von Oubey.
Woyde-Köhler hat 21 Jahre mit Oubey gelebt und sich vorgenommen, das Vermächtnis nach außen zu tragen. Die Ausstellung gibt einen Ausblick in eine ungewisse Zukunft und Einblicke in Vergangenheiten, wie Obey sie sah. Sie erzählt von Kosmos und der Schönheit der Unterwasser-Welten und von den 1000 Sternen, die der Künstler erschaffen wollte. Fast alle leuchten dem Betrachter zwischen zwei Kulturbeutel Vorstellungen hell entgegen.
Ellen Korelus-Bruder in DIE RHEINPFALZ, 13. Oktober 2025 (Ausschnitt)
Kein zeitlich befristeter Aufenthalt in einer ISS-Forschungsstation, sondern eine Übersiedlung auf Dauer. Vielleicht müsste die Frage richtiger lauten: Wann werden erstmals Menschen in den Weltraum übersiedeln?
OUBEY sprach bereits 1983 davon, dass die rasante Zunahme der menschlichen Weltbevölkerung auf der Erde zu Lasten aller anderen Lebewesen auf diesem Planeten geht. Und dass die Menschheit die Erde verlassen und in den Weltraum übersiedeln sollte – langfristig gesehen.
Die Vorstellung, dass wir Menschen uns dem Weltraum annähern, in dem unsere Erde schwebt und sich einmal im Jahr um die Sonne dreht, ihn zu bereisen oder sogar dort für eine gewisse Zeit zu leben, gibt es schon sehr lange. Fantastische Entwürfe der Science Fiction, aber auch wissenschaftliche Studien haben uns immer wieder dazu angeregt, diese Vorstellung nicht als Spinnerei abzutun, sondern an ihre Realisierbarkeit zu glauben.
Wie es gehen kann, die Gravitation zu überwinden, die Erdatmosphäre zu verlassen und in den Weltraum unseres Sonnensystems vorzudringen, hat uns die bemannte Raumfahrt gezeigt. Wie es konkret aussehen könnte, Menschen in einer Raumkolonie anzusiedeln, wurde immer wieder in wissenschaftlichen Projekten untersucht. Basierend auf den Erkenntnissen einer MIT-Studie wurde an der Universität Karlsruhe unter der Leitung von Prof. Fritz Haller 1979 ein Projekt ins Leben gerufen, das sich mit der „Umweltgestaltung Prototypischer Raumkolonien“ beschäftigte.



Es ging um die Gestaltung einer „Space Colony“ für 1000 Bewohner, denen sie einst als dauerhafter Wohn-, Arbeits- und Lebensraum dient. Keine stationäre Basis auf einem anderen Planeten wie z.B. dem Mars, sondern ein „Orbital“, ein frei im All schwebendes riesengroßes Raumschiff, in dem 1000 Menschen ein künstlich geschaffenes Zuhause finden. Dies bedeutet nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Herausforderung in der Gestaltung des sozialen Raums, der Gestaltung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Zusammenlebens auf dieser Insel im All.
Solche Entwürfe bewegen sich, wenn sie substanziell sind, deshalb immer auch im Grenzbereich sozialer Utopien, deren Verwirklichung im Laufe der nächsten fünfzig bis hundert Jahre weitaus wahrscheinlicher sein dürfte als manch einer das heute noch glauben möchte.
Genau zu dieser Zeit begann OUBEY sein Architekturstudium an der Uni Karlsruhe. Die Begegnung mit Fritz Haller und den visionären Projekten, mit denen er sich und auch seine Studierenden beschäftigte, war für OUBEY ein Glücksfall mit weitreichender Konsequenz. Er war von Hallers Projektaufträgen, vor allem aber auch vom freigeistigen Charakter seiner Persönlichkeit inspiriert und begeistert. Als Haller seinen StudentInnen die Aufgabe stellte, einen neuartigen Klappstuhl zu entwerfen, beschäftigte OUBEY sich nicht mit der Gestaltung des Stuhls, sondern mit der Mathematik des Gelenks. Dabei heraus kam das, was er den Rotationsvektor nannte. Haller kritisierte ihn nicht dafür, sondern meinte das sei hochinteressant, OUBEY solle daran weiterarbeiten. Der entschied sich dann aber für die Freiheit der Kunst. Die ermutigende Begegnung mit Haller und seinen visionären Projekten hat OUBEY jedoch nie wieder losgelassen.
Die Besiedlung des Weltraums stellt nicht nur in technischer, architektonischer und sozialpsychologischer Sicht eine historische Herausforderung dar. Sie wird ein Prüfstein sein für die Intelligenz der menschlichen Spezies und ihre Fähigkeit, aus den Erfahrungen der eigenen Geschichte tatsächlich zu lernen. Ob wir dazu in der Lage sind oder ob wir stattdessen die überkommenen, destruktiven Denk- und Handlungsmuster ins All exportieren werden, wird sich zeigen. Zweifel daran scheinen angebracht.
Möglicherweise könnte sich hier aber die Zusammenarbeit zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz als einmalige historische Chance erweisen und als Game Changer in dieser Pionierleistung zum entscheidender Erfolgsfaktor werden. Zu gerne wüsste ich, wie OUBEY das heute einschätzen würde.
Im Spark des MINDSPACE zum Thema „Raumkolonien“ erfahren wir immerhin, weshalb er davon überzeugt war, dass der Mensch in den Weltraum übersiedeln sollte – und das erzählt er dort in seiner originalen, im Jahr 1992 aufgezeichneten Stimme.
________________________________________________________________________________
Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
An dieser Stelle gilt mein Dank dem großartigen Team von Kubikfoto³ für die wunderbare Zusammenarbeit und ihre herausragende Leistung bei der audiovisuellen Gestaltung und Produktion des OUBEY MINDSPACE. Gemeinsam freuen wir uns darüber, dass der OUBEY MINDSPACE mit drei renommierten Preisen ausgezeichnet wurde, darunter vor kurzem mit dem Red Dot Design Award 2025.
Der Name des Künstlers ist OUBEY. Und die Frage nach den Quellen seiner Inspiration beantwortet ein virtueller Erlebnisraum: der OUBEY MINDSPACE. Auf interaktive, spielerische Weise kann man hier entdecken, was diesen Künstler begeisterte und inspirierte – von Astrophysik, Raumfahrt und ScienceFiction über Philosophie, Evolutionsgeschichte und Lyrik bis hin zur Musik, zur Filmkunst und der Welt der Comics. Durch immersive Erzählungen, visuelle Inhalte und persönliche Einblicke können die BesucherInnen OUBEYs Gedankenwelt kennenlernen und die interdisziplinären Verknüpfungen nachvollziehen, die in seiner Kunst zum Ausdruck kommen.
Die Erlebnisreise spielt sich auf zwei Monitoren ab – einem großen Bildschirm, auf dem die Gedanken in farbprächtigen Bildern, begleitet von Klangbildern, Musikstücken und Sounds lebendig werden. Und einem Touchscreen davor, auf dem jeder frei wählen kann, welchen der sechs atmosphärisch vollkommen unterschiedlich gestalteten Räume er oder sie zuerst besuchen möchte. In einem der Räume angekommen, eröffnen sich weitere Welten, die man durch Anklicken eines Punkts eröffnen kann. Dazu gibt es Artefakte aus dem Alltagsleben des Künstlers und es werden auch einige Hintergrundgeschichten erzählt.
Die Artefakte findet man, indem man kleine versteckte Polaroidfotos anklickt. Wenn man alle zwölf gefunden hat, öffnet sich der Link zu einer OUBEY MINDSPACE Playlist auf Spotify. Sie enthält alle Musikstücke aus dem MINDSPACE in voller Länge und dazu noch viele an der Musiktitel von Musikern und Komponisten und Sängern, die für OUBEY eine besondere Bedeutung hatten.
Für mich ist es das erste Mal, dass ich den OUBEY MINDSPACE in dieser Weise öffentlich präsentiere. Bisher steht er seit seiner Premiere im ZKM Karlsruhe seit März Menschen in aller Welt kostenfrei im Internet zur Verfügung. Und mehr als eine Million Menschen haben ihn via Internet seither bereits besucht. Nun kann ich selbst aber zum ersten Mal die unmittelbare Resonanz anderer Menschen auf diese innovative Präsentationsform miterleben. Das ist für mich ein ebenso intensives Erlebnis wie der Besuch des OUBEY MINDSPACE für die Gäste.
„Für uns war es ein Abenteuer, OUBEYs Welt digital neu zu erfinden“ sagte Ole Leifels von Kubikfoto³, dem Team, das den OUBEY MINDSPACE in zweijähriger Zusammenarbeit gemeinsam mit mir konzipiert und dann auch produziert hat. Hierfür wurden sie übrigens kürzlich erst mit dem begehrten Red Dot Design Award ausgezeichnet. Und er fügte hinzu: „Der MINDSPACE zeigt, dass Technologie nicht kühl sein muss. Sie kann durchaus berühren, neugierig machen und Brücken schlagen zwischen Kunst, Wissenschaft und Publikum“. Dass das so ist, haben bisher alle Gäste des Kulturbeutels bestätigt, die den OUBEY MINDSPACE besucht haben.
Das Kulturbeutel Festival im Alten Stadtsaal von Speyer bietet seinen Gästen in diesem Jahr den OUBEY MINDSPACE als Überraschung außerhalb des offiziellen Programms. Am Eingang zum Theater verbirgt sich hinter einem schwarzen Vorhang dieser Erlebnisraum der besonderen Art. Jeder kann ihn jeden Tag zwischen 17 und 19:30 Uhr besuchen, der Eintritt ist frei.
Am Sonntag, den 12. Oktober um 19:30 Uhr endet das Gastspiel des OUBEY MINDSPACE in Speyer.
WOCHENBLATT SPEYER, 6. Oktober 2025
Es stand angelehnt an die Wand seiner winzigen Wohnung und übte vom ersten Moment an eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus.
OUBEY nannte mir den Titel „Die Reise der Monaden“ und erklärte mir, Monaden seien kleinste, beseelte, eigenbewegte, unteilbare Teilchen im Universum, Geist und Materie zugleich. Obwohl physisch getrennt, seien sie alle für immer kommunikativ miteinander verbunden. Er war fasziniert von diesem metaphysischen Verständnis des Universums und der schöpferischen Genialität des Geistes, der es hervorgebracht hatte.

Dann sprach er über Newton und kritisierte die Begrenztheit von dessen mechanischer Weltauffassung, die impliziere, dass alles reversibel sein. Zum Glück habe Einstein das durch seine Einordnung der Newton´schen Mechanik zurechtgerückt. Natürliche Prozesse seien irreversibel. Dies zu erkennen mache einen entscheidenden Unterschied im Verständnis der Welt und ihrer dynamischen Komplexität. Das sähe auch Nobelpreisträger Ilya Prigogine so, dessen bahnbrechendes Buch „Dialog mit der Natur“ er gerade gelesen hatte.
Leibniz, Newton, Einstein, Prigogine – ein rasanter, eindrucksvoller Vortrag, frei aus dem Stand heraus gehalten an einem sonnigen Nachmittag! Wenn OUBEY den geistigen Kontext seines Denkens und Schaffens mit mir, oft auch mit anderen teilte, waren das Sternstunden – meist im wahrsten Sinn des Wortes.
Es war nicht Leibniz, sondern sein wetteifernder Zeitgenosse Isaac Newton, der zu Lebzeiten Ruhm und Reichtum erlangte. Diese Tatsache bestärkte OUBEY in seiner kritischen Einschätzung der öffentlichen Wahrnehmung, wenn es um die Frage der Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist und die jeweiligen Machtverhältnisse geht.
Im Unterschied zu Newton verstand Leibniz sich nicht sonderlich gut darauf, bei den hochwohlgeborenen Geldgebern seiner Zeit einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen, der ihm Ruhm und Reichtum eingebracht hätte. Tag und Nacht mit seinen Ideen, Studien, Experimenten und Schriften beschäftigt, war er kein Mann der Öffentlichkeit. Er gewann dennoch Anerkennung und Bewunderung zu seiner Zeit, wurde aber doch nur von wenigen als das erkannt und verstanden, was er tatsächlich war: ein Universalgenie.
Aus all diesen und einigen Gründen mehr war für mich klar, dass es im OUBEY MINDSPACE für Leibniz und seine Monadologie einen Platz geben muss.
Interessanterweise kam nun in demselben Jahr, in dem der OUBEY MINDSPACE seine Premiere feierte, ein Film in die Kinos, der uns diesen Gottfried Wilhelm Leibniz als Denker und als Menschen näherbringt. „Leibniz – Chronik eines unvollendeten Bildes“ ist der Titel dieses Films von Edgar Reitz.
Der Film ist anspruchsvoll. Das ist gut so. Kammerspielartig gekonnt in Szene gesetzt, gewährt er im Blick auf die Entstehung eines Portraitgemäldes von Leibniz zugleich einen Einblick in dessen Verhältnis zu Kunst und Wahrheit.
Der beauftragte etablierte Hofmaler, den Zeitgeist des frühen 18. Jahrhunderts verkörpernd, möchte, dass Leibniz sich so inszenieren lässt wie er sich das vorstellt. Trotz aufrichtigem Bemühen, es dem Künstler recht zu machen, gelingt ihm das jedoch nicht. Der Versuch scheitert. „Ihr seid kein Freund der Kunst“ meint der Maler. „Aber der beste Freund der Wahrheit“ entgegnet das Modell.
An die Stelle des Hofmalers tritt eine als Mann getarnte, noch unbekannte junge Künstlerin. Ihr geht es um die Wahrheit im Bild. Sie sucht erst mal das richtige Licht im Raum, möchte das Wesen von Leibniz lebendig ins Bild zu bringen. Mit ihrer Aussage „Was ich nicht verstehe, das kann ich malen“, verschafft sie ihm, der alles zu verstehen versucht, einen Moment sprachlosen Staunens.
„Der Grund der Kunst ist die Kunst selbst“ lässt der Film Leibniz sagen. Ein Grundsatz, dem OUBEY in seinem künstlerischen Schaffen immer gefolgt ist.
Dem Film von Edgar Reitz hätte OUBEY größte Aufmerksamkeit geschenkt. Allein schon deshalb, weil er den Regisseur der elfteiligen Chronik „HEIMAT“, einem wahren Meisterwerk filmischer Erzählkunst, bewunderte. Vor allem aber auch, weil dieser herausragende Regisseur sein filmisches Spätwerk ausgerechnet dem genialen Geist gewidmet hat, dem OUBEY sich selbst so verbunden gefühlt hat.
________________________________________________________________________________
Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
In diesen kosmischen Nebelformationen, von denen es unzählige in unserem Universum gibt, sammelt sich der explodierte „Staub“ gestorbener Sterne und wird zum Entstehungsgebiet neuer Sterne. Kosmisches Recycling nennen es die einen, Kinderstube der Sterne die anderen.

Während wir den 7000 Lichtjahre entfernten Adlernebel nur durch das Auge von Weltraumteleskopen sehen können, lässt sich der Pferdekopfnebel aufgrund seiner relativen Nähe zur Erde von hier aus mit einem ausreichend starken Teleskop entdecken und bestaunen.
Im Jahr 1987 widmete OUBEY dem Pferdekopfnebel ein Bild, das beim Betrachten aus nächster Nähe immer wieder aufs Neue ins Staunen versetzt. Denn erst dann erkennt man im grafitgrauen Krakelee der Staubwolken die hauchdünnen Äderchen, die das matt schimmernde Gold des kosmischen Hintergrunds erkennen lassen. Über allem und durch alles hindurch schweben leuchtend rote Wolkengebilde, die den Kern des Bildes umgeben.
Das Bild entstand ohne einen einzigen Pinselstrich oder irgendeine andere manuelle Einwirkung des Künstlers. Im Entstehungsprozess lag – wie immer – die beschichtete Hartfaserplatte waagerecht auf dem Boden. So wurde nicht nur die Handschrift des Künstlers ausgeschaltet, sondern auch die äußere Einwirkung der Erdgravitation aufs Minimum reduziert. „Mir ist es wichtig, dass meine Bilder befreit sind von der Handschrift des Künstlers“ sagte OUBEY selbst. Aus diesem Grund hat er auch keins der Bilder aus dieser Schaffensperiode jemals signiert. All seine „malerischen“ Werke der 80er Jahre entstanden konsequent nach diesem Grundsatz. Im „Pferdekopfnebel“ gelang ihm dabei eine Präzision und Detailtiefe wie wohl in keinem anderen Bild.
Es ging OUBEY nicht um ein Abbild. Dafür gibt es fotografische Aufnahmen von Weltraumteleskopen. Es ging vielmehr darum, für sein inneres Bild, seine Vision vom Pferdekopfnebel einen künstlerischen Ausdruck zu finden und damit diesen wunderbaren kosmischen Ort auf seine Art zu würdigen. Schließlich entstehen im Weltall aus dem Staub gestorbener Sterne nicht nur permanent neue Sterne. Auch jegliches Leben auf dieser Erde, unsere eigene Spezies eingeschlossen, verdankt seine Existenz diesem ganz besonderen Stoff.

„Das ist wahrhaftig kosmische Kunst“ meinte jemand beim Anblick dieses Bildes. Sie ist zwar Ausdruck von OUBEYs inniger Verbundenheit mit dem Kosmos, die er schon in sehr jungen Jahren entwickelte. Sein Werk als „Kosmische Kunst“ zu bezeichnen wäre ihm jedoch nicht einmal im Traum eingefallen. Kunst ist Kunst. Kosmos ist Kosmos.
So findet sich in einem Spark des OUBEY MINDSPACE folgerichtig Beides wieder: Der Kosmos in Gestalt des Pferdekopfnebels und die Kunst in Gestalt von OUBEYs gleichnamigem Bild.
Als ich in den ersten Jahren des MINDKISS Projekts immer wieder mal mit Menschen sprach, die den Kunstbetrieb viel besser kennen als ich, machte ich die Erfahrung, dass es eine weit verbreitete Meinung gibt, Kunst müsse sich einordnen lassen können. Manche meinten, durchaus wohlwollend, es brauche einen Namen, der den Ansatz oder die Ausrichtung von OUBEYs Werk kurz „auf einen Nenner“ bringt.
Aus einer Vermarktungsperspektive heraus betrachtet, mag das plausibel erscheinen. Die unglaubliche Vielfalt von OUBEYs Werk macht eine solche Kategorisierung jedoch unmöglich. Für das MINDKISS Projekt ist das kein Problem. Im Gegenteil. Es repräsentiert in seiner Vorgehensweise ja selbst eine Vielfalt, für die es kein Etikett gibt.
Einer, der das in seiner Begegnung mit einem Original von OUBEYs Bildern sofort erkannte und ebenso analytisch wie emotional zum Ausdruck brachte, war Prof. Peter Kruse. Wie er sich das ihm bis dahin vollkommen unbekannte Bild erschlossen hat, zeigt das Video von dieser Begegnung auf eindrucksvolle Weise.
Erst viele Jahre nach der Entstehung des „Pferdekopfnebels“ kam OUBEY im Jahr 2004 mit seinen StarPixels auf das Thema der Sterne zurück. Tausend Sterne werde er malen, kündigte er im März 2004 an. In diesem Jahr hätte ich ihm zu Weihnachten endlich ein Teleskop geschenkt. Eins, mit dem man vom Schwarzwald aus den Pferdekopfnebel mit eigenen Augen sehen kann.
Beim Besuch in einem Kohlebergwerk, als ich vor einigen Jahren einmal 800 Meter unter Tage durch ein enges Flöz kroch, entdeckte ich im Schein meiner Grubenlampe den Abdruck eines Farns in einem Stück Kohle. Ich war wie gebannt, hob das Fundstück auf, nahm es in meine linke Hand und kroch einhändig weiter durch das Flöz. Bis heute bewahre ich den Findling in Ehren auf.

Als ich den in der Steinkohle fossilierten Farn in OUBEYs Hände legte, war er von dieser unerwarteten Begegnung mit den Urzeiten unserer Evolutionsgeschichte genauso berührt wie ich.
Zu unserer Freude hatten wir bereits lange Zeit zuvor übereinstimmend festgestellt, dass Farne unsere Lieblingspflanzen sind. Einfach nur faszinierend schön: Wie aus dem schneckenförmig eingerollten Trieb ein breit gefächerter, riesengroßer Fächer erwächst, an dessen Unterseite sich fein ordentlich aufgereiht viele kleine Samenkerne befinden, die für die Verbreitung der Pflanze sorgen. Ein Meisterwerk der Natur!
Anhand des Farns erklärte OUBEY mir die Fibonacci-Folge, die der italienische Mathematiker Leonardo Fibonacci im 13. Jahrhundert in der Struktur verschiedener Pflanzen und Tiere wiederfand. Bereits die alten Griechen hatten diese mathematische Reihe entdeckt und daraus die Regel des „Goldenen Schnitts“ abgeleitet – allerdings ohne sie auf die Pflanzenwelt anzuwenden.
Ist Mathematik die Sprache des Universums, die wir Menschen lediglich entdecken und zu verstehen versuchen? Oder ist sie eine Erfindung des menschlichen Gehirns? Eine der vielen spannenden Fragen, um die es in unseren Gesprächen immer wieder ging.
Was OUBEY aber zutiefst beeindruckte, war die Tatsache, dass diese Pflanze alle Erd- und Naturkatastrophen der letzten 400 Millionen Jahre überstanden hat und somit nicht nur im fossilen Zustand, sondern bis heute auch „leibhaftig” in der freien Natur als eindrucksvolles Zeugnis der Evolutionsgeschichte weiterlebt.
Für mich war deshalb klar, dass es im Weißen Raum des OUBEY MINDSPACE auf jeden Fall einen „Spark“ zur Evolutionsgeschichte geben muss, der dem Farn als 400 Millionen Jahre altem Erdbewohner den Moment der Aufmerksamkeit und des Respekts schenken würde, den es verdient.
Das Bild im Header dieses Beitrags zeigt das Farn, wie es im Mind Spark zur Evolution erscheint.
_________________________________________________________________________________________
Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
Als der außergewöhnliche Künstler und Mensch OUBEY in jungen Jahren vollkommen unvorhersehbar aus dem Leben gerissen wurde, blieb ein wertvoller Schatz im Verborgenen zurück: sein künstlerisches Werk. Diesen „hidden treasure“ seines Lebenswerks sichtbar zu machen und Resonanzen darauf zu sammeln, war der erste Anspruch des MINDKISS Projekts.
Mit wachsendem Interesse an OUBEYs Kunst wuchs auch die Neugier auf ihn als Mensch und als Persönlichkeit. Jahrelang antwortete ich auf Fragen nach ihm schlicht: „Schaut euch seine Bilder an. In ihnen findet ihr alles über ihn, was wirklich wichtig ist.“
Zugleich kam tief in mir selbst der Wunsch auf, anderen einen angemessenen Zugang zu OUBEYs faszinierender interdisziplinärer Wissens- und Gedankenwelt zu eröffnen. Angemessen sowohl im Blick auf die Neugier der Fragenden, wie auch auf OUBEY selbst, der ihre Fragen ja nicht mehr direkt beantworten kann.
Eine klassische Biografie kam für mich nicht infrage. Stattdessen wollte ich eine spielerische Möglichkeit schaffen, OUBEY in seinen vielen, sich scheinbar widersprechenden Facetten zu entdecken und kennenzulernen – und das so nah und authentisch wie möglich an seinem Wesen und seiner eigenen Lust am Forschen und Entdecken.
Jahrelang suchte ich nach einem passenden Konzept. Die Experimente mit Virtual Reality und KI-Technologie im MINDKISS Projekt zwischen 2019-2022 brachten mich schließlich auf eine Idee: einen interaktiven Erlebnisraum zu schaffen, in dem jeder auf unterhaltsame und ästhetische Weise in OUBEYs Gedankenwelt eintauchen kann.
Da OUBEY ja selbst ein technischer Pionier war und bereits in den 80er Jahren mit seinem PhotonPainting innovative Computerkunst am Amiga 500 erschaffen hatte, wusste ich, dass ihm dieser Ansatz gefallen würde – wenn er denn nur professionell umgesetzt wird und seinen eigenen hohen Ansprüchen gerecht wird an das, was er selbst als „Referenzklasse“ bezeichnete.
Glücklicherweise fand ich für die Verwirklichung dieser verwegenen Idee zum richtigen Zeitpunkt genau die richtigen Partner. Als Ole Leifels und das Team von Kubikfoto³ zusagten, begann das großartige Abenteuer gemeinsamer kreativer Arbeit. Es war ein intensiver Prozess kongenialer Gestaltung, erfüllt von Begeisterung und der puren Lust am Tun.
Das Ergebnis heißt OUBEY MINDSPACE und feierte am 25. März 2025 im ZKM Karlsruhe seine Premiere. Seitdem haben über das Social Web bereits zigtausend Menschen weltweit den OUBEY MINDSPACE besucht. Diese enorme Resonanz erfüllt mich mit Freude – nicht nur wegen der beeindruckenden Zahlen, sondern weil wir damit nun einen neuen, universellen Zugang zur Welt von OUBEY geschaffen haben. Eine Ausdrucksform, die ihm inhaltlich wie künstlerisch gerecht wird und jetzt schon Menschen allen Alters in aller Welt begeistert.
Genau das war immer schon der Anspruch von OUBEY MINDKISS. 15 Jahre lang kamen wir ihm Schritt für Schritt näher. Mit dem OUBEY MINDSPACE machen wir nun einen großen Sprung in öffentlicher Aufmerksamkeit und Interesse – und doch ist auch das nur ein Anfang. Noch liegt ein bedeutender Teil von OUBEYs Werk im Verborgenen und wartet darauf, in den kommenden Jahren das Licht der Welt zu erblicken und entdeckt zu werden.
Meine Hoffnung ist, dass diese steigende öffentliche Resonanz auch mediales Interesse und Partnerschaften mit passenden Institutionen nach sich zieht, um OUBEYs Kunst und den Geist, der in ihr steckt, noch weiter in die Welt zu tragen. Das wäre wunderbar, dem Werk angemessen – und sicherlich ganz in seinem Sinne.
_____________________________________________________________________________
Mit großem Dank an Kubikfoto³ für die kongeniale Zusammenarbeit. Der Header ist ein Screenshot aus dem OUBEY MINDSPACE: https://mindspace.oubey.com
Am 2. August 2004 berichtete die RHEINPFALZ über einen Verkehrsunfall auf der B9 zwischen Römerberg/Dudenhofen und Schwegenheim. Ein Lkw fuhr ungebremst in einen Kleinwagen, der mit eingeschaltetem Warnblinker auf dem Standstreifen stand. Dessen Fahrer war der junge Künstler Oubey, mit bürgerlichem Namen Rudi Wendelin-Köhler aus Karlsruhe. Ein Schock für alle, die ihm nahestanden, vor allem aber für seine Ehefrau Dagmar Woyde-Köhler, die teilweise in Dudenhofen lebt. Für sie war trotz der Fassungslosigkeit aber schnell klar: „Ich wollte seine Kunstwerke nicht verkaufen, dazu war ich finanziell zum Glück nicht gezwungen. Ich wollte seine Kunst mit bestem Wissen und Gewissen weiterhin den Menschen zugänglich machen.“
Die Kunstsammlung, die Dagmar Woyde-Köhler seitdem sorgfältig ausstellt und verwaltet, besteht hauptsächlich aus Bildern. Am liebsten arbeitete Oubey mit einem Pigmentfarbenmix auf Hartfaserplatten. Aber er verstand sich auch immer als Pionier, der ebenso mit neuen Kunstformen experimentierte, wie Dagmar Woyde-Köhler erzählt: „Schon 1987/88 hat er mit einem Zeichenprogramm auf einem Amiga experimentiert. Mein Mann wollte immer vielschichtige und vielfältige Kunst schaffen, aber dabei nie beliebig wirken.“
Damit hatte Oubey bereits früh auch kommerziellen Erfolg und verkaufte bei seiner ersten Ausstellung auf Anhieb sämtliche Kunstwerke. Die große Karriere auf dem traditionellen Kunstmarkt schien auf einmal möglich – und der Druck auf Oubey wuchs: „Ich habe bemerkt, dass ihn das sehr gefreut, aber auch beschäftigt hat. Er meinte zu mir, wenn ich so weitermache, dann verliere ich die Quelle meiner Kunst, also habe ich ihm geraten eine Pause von den Ausstellungen zu machen,“ sagt Woyde-Köhler. Der Künstler arbeitete stattdessen über Jahre in seinem Atelier. 2004 sollte endlich wieder eine Ausstellung, die erste seit zwölf Jahren, an den Start gehen. Dann aber passierte der Unfall.
Verwaltet die Kunst ihres verstorbenen Mannes und macht sie öffentlich zugänglich: Dagmar Woyde-Köhler. Foto: Andre Bakker/gratis
Philippinen und Neuseeland
Woyde-Köhler entschied sich bald dazu, das Projekt „Mindkiss“ ins Leben zu rufen und Oubeys Kunst weiterhin Menschen in Ausstellungen und im Internet zugänglich zu machen. „Ich sehe mich quasi als Sammlerin, vor allem von Reaktionen“, beschreibt Woyde-Köhler ihr Tun. „Denn aus den Reaktionen auf seine Kunst entsteht etwas ganz Neues.“
Und tatsächlich konnte Dagmar Woyde-Köhler durch die Kunst ihres Mannes und ihr Projekt, das nach der ersten Ausstellung ihres Ehemanns benannt ist, Menschen auf der ganzen Welt erreichen. 2023 gab es eine viermonatige Ausstellung in Manila auf den Philippinen, Woyde-Köhler traf den US-Astronomen Seth Shostak und arbeitete mit dem Grafikdesigner Stefan Sagmeister zusammen. Auch ein Besuch an einer Maori-Schule in Neuseeland kam zustande.
Überall blickten die Menschen mit Faszination auf Oubeys Kunst und fänden Inspirationen und Anregungen, beteuert seine Frau. „Aber das Schönste sind eigentlich die ganzen Begegnungen und interessanten Gespräche, die durch Oubey und seine Kunst gefördert werden. Er hätte sich auf jeden Fall gefreut zu sehen, was seine Kunst mit den Menschen macht, und wäre sicher gerne Teil dieser Gespräche“, erzählt Woyde-Köhler.
Interaktives Projekt geplant
Tiefe und Inspiration waren schon immer das Besondere an Oubeys Kunst. Woyde-Köhler beschreibt die Arbeiten ihres Mannes so: „Seine Kunst ist eine Ode an die Freude der Erkenntnis. Er war immer sehr interdisziplinär interessiert und verbindet in seinen Werken naturwissenschaftliches Interesse und philosophische Ansätze. Er war der festen Überzeugung, dass alles miteinander verbunden ist.“ Dieser Ansatz führte nun zu großem Erfolg und Bekanntheit auf der ganzen Welt. Auch wenn Dagmar Woyde-Köhler den Erfolg ihres Projekts nicht in Ruhm oder Zahlen bemisst: „Für mich bedeutet Erfolg, möglichst viele Menschen mit Oubeys Kunst zu erreichen. Besonders auch die außerhalb der Kunstszene, die sich sonst nicht damit beschäftigen.“
Um das zu garantieren, plant Dagmar Woyde-Köhler auch weiterhin Projekte und Ausstellungen. Gerade sind Exhibitionen in Helsinki, Barcelona und Mailand in Planung. Außerdem arbeitet sie mit ihren Partnern an einer interaktiven Webexperience namens „Mindspace“, die im März 2025 an den Start gehen soll. „Hier wollen wir den Menschen Oubey und seine Interessen ins Zentrum stellen“, erklärt Woyde-Köhler. Trotz all den vielen Projekten verwaltet sie das Vermächtnis ihres Mannes mit großer Verantwortung und will ihr Versprechen, seine Kunst weiterzutragen, weiterhin einlösen.
DIE RHEINPFALZ, Marco Biallas, 14. August 2024
Foto: Andre Bakker
Beispiele für die Gegenthese gab es schließlich zu allen Zeiten bis zum heutigen Tag mehr als genug.
OUBEY war bereits in jungen Jahren auf die Monadologie gestoßen und von der ihr zugrunde liegenden Metaphysik des Wilhelm Gottfried Leibniz fasziniert. Als Philosoph, Mathematiker, Physiker, Metaphysiker, Vordenker dessen was wir heute Computer nennen und einigem mehr gilt er vielen bis heute als letztes wirkliches Universalgenie.
Nicht dem gefeierten Newton, sondern dem lange Zeit verkannten Leibniz und dessen Monadologie widmete OUBEY deshalb eins seiner frühen Bilder und nannte es „Die Reise der Monaden“.
Dieses Bild begegnete und begeisterte in den vergangenen vier Monaten als Teil der „Art of Resonance Show“ im Mind Museum Manila so vielen Menschen wie nie zuvor. Das allein wäre Grund genug, die Monadologie von Leibniz noch einmal genauer zu studieren.
Dann las ich kürzlich einen Kommentar, der die These von der besten aller möglichen Welten zitierte, um sie ad absurdum zu führen angesichts der Abgründe, in die Menschen und Völker auch im 21. Jahrhundert stürzen als sei Geschichte nichts, woraus man etwas für die Zukunft lernen könnte, und mit dieser Begründung die Idee eines göttlichen Ursprungs dieser Welt gleich mit in Frage zu stellen.
Ich fühle mich keineswegs berufen, an dieser Stelle über die Existenz eines Gottes zu philosophieren. Doch so viel sei angemerkt, dass es auffällig ist, wie leicht uns die Unzulänglichkeit oder auch Nicht-Existenz eines Gottes in den Sinn kommt, wenn uns Schlimmes widerfährt – sei es individuell oder kollektiv, verursacht durch Naturgewalt oder durch die brutale Gewalt, die Menschen und ganze Völker anderen Menschen und anderen Völkern antun wie wir es auch in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts direkt oder indirekt erleben. Und dies ganz besonders dann, wenn selbst die barbarischsten Grausamkeiten ausgerechnet im Namen eines Gottes verübt werden.
Was OUBEY an der Leibniz´schen Monadologie faszinierte war weniger dessen damit verknüpfte Theodizee, sondern das ihr innewohnende Verständnis von der Freiheit, Einzigartigkeit und Unteilbarkeit einer jeden Monade, das heißt einer jeden Seele in diesem Universum. Kühn und selbst vielen heutigen Denkern immer noch weit voraus, gehörte für Leibniz nicht nur die eigene Spezies Mensch, sondern alles was im Universum existiert zu den beseelten Wesen.
Wobei der Mensch – so jedenfalls der bisherige Stand der Erkenntnis – als einzige Spezies auf diesem Planeten mit einem freien Willen ausgestattet ist, der über angeborenes Instinkt- und Gattungsverhalten hinausgeht und Entscheidungen ermöglicht wie sie kein anderes Wesen treffen kann. Und das, wenn es die Situation erfordert, auch entgegen eigener Instinkte und Triebe. Entscheidungen wie die, ob man einem anderen Menschen aus welchen Gründen auch immer zu schaden bereit ist, ob man einen oder gar viele Menschen zu töten bereit ist, oder ob man auf einen eigenen Vorteil zugunsten eines anderen Lebewesens zu verzichten in der Lage ist – nur einige wenige Beispiele für Entscheidungen des Willens.
Diese Welt ist nach Leibniz nicht deshalb die beste aller möglichen Welten, weil sie perfekt, das heißt vollkommen und in jeder Hinsicht fehlerfrei ist. Sondern weil sie den Menschen als einziges Gattungswesen auf dieser Welt mit einem freien Willen ausgestattet hat. Eine perfekte Welt und ein freier Wille ihrer Bewohner, sich für die eine oder andere Verhaltensweise zu entscheiden – das schließt sich aus. Auch über die Frage wie frei der menschliche Wille denn wirklich sei, wurde seit Zeiten gestritten.
Stellen wir uns einfach mal das Gegenteil vor: eine wirklich perfekte Welt. Wohl nicht erst seit Thomas Morus im Jahr 1516 sein philosophisches Traktat mit dem Titel „Utopia“ veröffentlichte, haben Menschen von einer perfekten Welt geträumt, einem Paradies auf Erden. Wie klug die Leibniz´sche Sicht auf Welt und Mensch war, erkennt man an den V ersuchen, derartige Utopien zu verwirklichen. Sowohl in Form kleiner, sektiererischer Gemeinschaften als auch in Form großer gesellschaftlicher Verwirklichungsversuche endeten alle mit einer größtmöglichen Unfreiheit des Einzelnen. Dass diese Systeme immer wieder von einzelnen verlassen oder im gesellschaftlichen Kollektiv überwunden werden, ist ein sehr beweisstarkes Zeugnis von der Kraft und Macht des freien Willens.
Für Leibniz gibt es keinen perfekten, idealen oder gar paradiesischen Urzustand dieser Welt und es gab ihn auch nie. Ganz im Unterschied zum Glauben daran, dass eine menschliche Sünde zum Grund für die Vertreibung aus solch einem einstigen Paradies wurde – quasi als Strafe – und dass seither jeder Mensch mit einer „Erbsünde“ geboren wird. Da gefällt mir die Idee eines Universums, das zugunsten der Freiheit menschliche Fehler und selbst Katastrophen und Verbrechen in Kauf nimmt, eindeutig besser. Beweisbar ist ohnehin weder das eine noch das andere.
Freiheit schafft Raum für Mögliches, fürs Überschreiten von Grenzen – im Denken wie im Tun, im Positiven wie im Negativen. Freiheit bedeutet aber immer auch Verantwortung. Jeder entscheidet jeden Tag, wie er seine Freiheit nutzt, um diese Welt einen besseren Ort werden zu lassen oder auch nicht, und trägt dafür die Verantwortung. Sei es im Kleinen, sei es im Großen.
In der „besten aller möglichen Welten“ ist die Freiheit eine Bedingung. Vermutlich war dies einer der Gründe, weshalb ein unbändiger Freigeist wie OUBEY dieser Idee von Leibniz ein Bild widmete. Und vielleicht lebt dieser Geist der Freiheit in diesem Bild so stark, dass es bis heute nahezu jeden Menschen, der es sieht, unmittelbar in seinen Bann zieht.
Wer mich und das MINDKISS Projekt kennt, der weiß: Mich interessieren nicht die besten Umschlagplätze für Kunst. Mich interessiert die Resonanz von Menschen in der Begegnung mit OUBEYs Kunst. Genau deshalb ist Manila mit seinem Mind Museum für mich interessant. Und die Erfahrung gibt mir Recht.
Hier können selbst die Security Guards der Anziehungskraft der ausgestellten Bilder und Installationen nicht widerstehen und nutzen ihre Pausen, um immer wieder in die präsentierten Bild- und Erlebniswelten der Show einzutauchen, die sie ja eigentlich nur zu beaufsichtigen und schützen haben. Was für eine wunderbare Resonanz! Es ist eine von vielen anderen wunderbaren Resonanzen, die auch weiterhin vom Museumsteam über die kommenden Monate hinweg gesammelt und ausgewertet werden. Wenn die Ausstellung schließt, werden wir einiges hiervon veröffentlichen.
Die Entscheidung für die Zusammenarbeit mit dem Mind Museum fiel mir leicht, nachdem ich dessen Direktorin im Oktober letzten Jahres zum ersten Mal persönlich getroffen hatte. Sie war sofort begeistert vom Ansatz und Spirit des MINDKISS Projekts. Und ich war überzeugt von der Ernsthaftigkeit Ihres Wunsches, die neu konzipierte „Art of Resonance Show“ des MINDKISS Projekts in den für temporäre Ausstellungen frei verfügbaren Räumen ihres Museums zu präsentieren.
Das Mind Museum ist das einzige Wissenschaftsmuseum auf den Philippinen und verdankt seine Existenz einer großen Stiftung, die zur Beschäftigung mit Kunst, aber insbesondere Kinder auch zur Beschäftigung mit Wissenschaft und Technologie anregen will. Ein Erlebnispark wie ich ihn bis dahin nur in San Francisco, in der Cité de la Science in Paris und im Deutschen Museum München kennengelernt habe.
Weshalb in aller Welt hätte ich also „nein“ sagen sollen, wenn ich eingeladen werde, genau dort die neu konzipierte Ausstellung des Projekts zu präsentieren, die den Brückenschlag nicht nur zwischen Wissenschaft, Technologie und Kunst herstellt, sondern auch zwischen analoger und digitaler Erlebniswelt von Kunst. An einem Ort, der sich dem Entdecken und Explorieren der Erkenntnisse widmet, die die Menschheit mittlerweile über das Universum, den Planeten Erde samt seiner Ozeane und dessen Bewohner, unsere eigene Spezies eingeschlossen, gewonnen haben.
Ein Ort, dem die Wertschätzung sogenannter Experten des etablierten Kunstbetriebs samt seiner Türsteher und Adressaten ebenso herzlich egal ist wie mir, der sich aber mit denselben Fragen und Themen beschäftigt, denen OUBEYs Kunst entsprungen ist. Ich hoffe, dass es einen solchen Ort nicht nur einmal auf dieser Welt in Manila gibt, sondern dass ich in den nächsten Jahren das Glück haben werde, die „Art of Resonance Show“ an ähnlich freie und spannende Orte in anderen Ländern und Kontinenten zu bringen. Die zu finden wird nicht einfach sein.
Im Fall der wunderbaren, kongenialen Zusammenarbeit in der Vorbereitung und Durchführung dieser Ausstellung hat dieses Glück einen Namen: den Namen der Direktorin Maria Isabel Garcia. Als ich bei einem Rundgang mit ihr durch die Show wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung zu ihr sagte wie froh ich über das Zustandekommen dieser Zusammenarbeit bin, meinte sie:
„I am more than glad. If our foundation has a heart´s desire, this is the foundation´s heart´s desire“.
Weil das für uns beidseitig so war, seit wir uns im Oktober 2022 an einem frühen Morgen um 7 Uhr in einem Hotel in Berlin zum ersten Mal trafen, wurde aus diesem Herzenswunsch eine gemeinsame Reise mit dem Ziel, eine neuartige, einzigartige Erlebniswelt zu schaffen, in der nun bis zum 8. Oktober 2023 der MINDKISS von OUBEYs Kunst für jeden spürbar wird, der die „Art of Resonance Show besucht.
Ganz nebenbei bemerkt, handelt es sich bei dieser Ausstellung um eine dreifache Premiere:
Wenn auch ich diese neue Ausstellung heute hier in gewisser Weise feiere, dann vergesse ich natürlich nicht die früheren acht Stationen der Global Encounter Tour auf vier Kontinenten. Eine jede von ihnen war einzigartig in ihrer jeweils eigenen Resonanz auf OUBEYs Kunst. Von den Wissenschaftlern in einem Symposium des Goethe Instituts San Francisco und den Teilnehmern einer internationalen Management Konferenz in Wien über die Studenten der inzwischen von der ungarischen Regierung unter Orban geschlossenen CEU in Budapest bis hin zu den Kindern, Lehrern und Eltern einer Maori Schule in Wellington/Neuseeland und den Künstlern aus Uganda und Kenia an der NIAAD in Kampala.
Danach reiften in einer Projektpause die Ideen für ein ganz neues, erlebnisorientiertes interdisziplinäres Ausstellungskonzept heran. In den Jahren 2019 bis 2022 wurden sie Schritt für Schritt gestaltet und verwirklicht und werden nun alle gemeinsam erstmals öffentlich im Mind Museum präsentiert. Doch ohne all die früheren Begegnungen und Stationen wäre diese heutige Ausstellung niemals möglich geworden.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle allen Menschen von Herzen danken, die es möglich gemacht haben, dass die bisherigen Stationen wie auch die fünfundzwanzig Encounters mit Wissenschaftlern und Einzelpersonen unterschiedlichster Professionen, zustande kamen. Der Fundus, aus dem das Projekt schöpfen kann, ist enorm gewachsen. Und die Entwicklung des „Expanding Universe of OUBEY MINDKISS“ geht weiter.
Wie war es möglich, dass Blütenpflanzen, deren erstes Erscheinen in der Evolutionsgeschichte aufgrund versteinerter Funde heute auf die Zeit vor 140 – 250 Millionen Jahren datiert werden kann, überhaupt entstehen und sich seither mit evolutionsgeschichtlicher Höchstgeschwindigkeit zu einer Vielfalt von mehr als 100.000 Arten entwickeln konnten?
Zunächst war alles grün
Bis dahin hatte es dreieinhalb Milliarden Jahre lang lediglich Algen gegeben, die unter Wasser lebten, aber keinerlei Pflanzen, die auf der Erde Wurzeln schlagen. Aus den Algen entwickelten sich Moose und vor ca. 400 Millionen Jahren dann die Farne als allererste Stengelpflanzen in der Geschichte dieses Planeten.
Das Farn hat alle Zeitalter der Erdgeschichte überlebt und wird womöglich auch alles, was diesen Planeten in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten erwartet, überstehen – in filigraner Schönheit und organischen Robustheit. Ein wohl einzigartiges Beispiel an pflanzlicher Resilienz.
Als ich vor vielen Jahren einmal die Gelegenheit hatte, mit erfahrener Begleitung in die Tiefen eines Kohlebergwerks hinabzusteigen, entdeckte ich beim Kriechgang durch ein enges Flöz aus dem Augenwinkel heraus im Schein meiner Grubenlampe den Abdruck eines Farns in einem Stück Kohle. Nie zuvor und nie danach bin ich in meinem Leben den Spuren der Evolutionsgeschichte so nah gewesen wie in diesem Moment. Ich war berührt und hielt inne. Dann ergriff ich dieses Stück Kohle, das vor wieviel Jahrmillionen auch immer dieses Farnblatt in sich aufgenommen hatte, und setzte meinen Kriechgang von da an nur noch einhändig abgestützt fort. In der anderen Hand hielt ich das versteinerte Farn und halte es bis heute mit einer Mischung aus Zuneigung und Respekt in Ehren.
Dann wurde es bunt
Wie andere Vorgänger der heutigen Blütenpflanzen war und sind auch Farne sogenannte doppeltgeschlechtlicher Nacktsamer. In seiner bisexuellen DNA verbargen sich allerdings die Anlagen zum Hervorbringen eines Bedecktsamers, d.h. einer Blüte. Blütenpflanzen sind also aufgrund des genetischen Erbes der Nacktsamer entstanden. Sie verfügen mit ihrer Blüte, die in ihrem inneren Aufbau ein „architektonisches“ Meisterwerk der Natur darstellt, allerdings über ein Fortpflanzungsorgan, das sich nicht selbst befruchten kann, sondern auf die Zusammenarbeit mit anderen Lebewesen angewiesen ist – Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten.
Zum Zweck ihrer Fortpflanzung entwickelten Blütenpflanzen Eigenschaften, die auf alle Arten tierischer Bestäuber eine starke Anziehungskraft ausüben wie bunte Farben und ausströmende Düfte. Und dank der Fremdbestäubung kam es zu einer sich ausbreitenden Vermischung bzw. Kreuzung der Arten, da diverse Insekten die Samen von einer Blüte zu anderen Blüten transportierten und dort hinterließen. Heute machen Blütenpflanzen 90% der pflanzlichen Artenvielfalt aus.
Darwin wäre begeistert
Erst 150 Jahre nach Darwin haben Paläobotanikerinnen im 21. Jahrhundert dank modernster high tech das für Darwin seinerzeit noch unfassbare Rätsel aufgelöst. Er wäre sicher begeistert.
Weniger begeistert wäre er vermutlich, wenn er vom menschlichen Umgang mit dieser Vielfalt in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit wüsste. Der natürliche Wildwuchs an Blütenpflanzen wie es ihn einst auf Wiesen und an Wegrändern gab, wurde zunehmend zurückgedrängt durch eine auf den Anbau von Nutzpflanzen orientierten industrialisierten Landwirtschaft ebenso wie von der Versiegelung der Erdoberfläche durch den Ausbau asphaltierter Flächen und die Anlage von Gärten, in denen bunte Wiesenblumen als Unkraut eliminiert und durch gepflegten Rasen oder getrimmte Nadelhölzer in schwarzem Kies ersetzt wurden.
Jeder menschliche Eingriff in das kybernetische System der Natur hat Folgen. Verschwinden die Blumen, dann verschwinden in der Folge auch deren Bestäuber. Wir wissen das schon lange. Und haben damit begonnen Bienen zu züchten so wir Wälder züchten und industrialisierten Ackerbau betreiben. Doch kybernetische Systeme funktionieren nicht in linear monokausalen Wirkungsketten. Sie sind komplex. Mal sehen wie lange es dauern wird bis unsere Spezies das wirklich begriffen haben wird. Die Naturforscher jedenfalls haben es begriffen. Sie kämpfen für den Erhalt der pflanzlichen Artenvielfalt.
Nachdem er sich zu der Aktion bekennt, berichten die einschlägigen Feuilletons darüber, fragen nach deren Sinn und der Bedeutung der Bildmotive. Manche wundern sich darüber, dass er mit dieser Aktion ganz offensichtlich Partei für die Ukraine ergreift.
Mich wundert, dass man sich darüber so wundern kann.
Sympathie
Banksy war mir als intelligenter Spielverderber des kommerziellen Kunst- und Kulturbetriebs vom ersten Moment an sympathisch. Und seine Fähigkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit einer wirkungsvollen Aktion aufzutauchen und dabei meist auch noch komplexe Fragen und Themen visuell so zu bearbeiten, dass sie für jeden verständlich sind, beeindruckt mich immer wieder.
Er hat es geschafft, fernab des etablierten Kunstbetriebs mit seiner Straßenkunst die Menschen dort zu erreichen, wo sie leben und sich bewegen. Die enorme Geschwindigkeit, mit der sie sich dann viral in den sozialen Netzwerken verbreiten, zeigt ihre Wirkungskraft. So verbindet sich meine Sympathie mit ebenso großem Respekt.
Krieg
Die Filme und Fotos von den Gräueltaten der russischen Armee in Bucha und Irpin gingen im April um die Welt. Genau dort, in Irpin, und auch in den Ortschaften Borodjanka und Horenka hinterließ Banksy nun seine Spuren auf den zerstörten Mauern eines Kindergartens und den Wänden zerbombter Wohnhäuser. Wer diese künstlerischen Spuren sieht, sieht unweigerlich auch die Spuren der schrecklichen Verwüstung in diesen und unzähligen anderen Städten und Ortschaften der Ukraine. Banksy macht den Krieg schon allein dadurch zum Thema, dass er diese Bilder an die Orte bringt, wo sie sich im Lebensalltag der Menschen untrennbar mit den Spuren des brutalen Krieges verbinden, den Russland seit nunmehr neun Monaten gegen die Ukraine führt.
Resonanz
Was wohl die Menschen in Irpin, Borodjanka und Horenka zu diesen Spuren sagen, die Banksy Ihnen auf den Mauern ihrer zerstörten Häuser hinterlassen hat?
Die Resonanz auf Kunst oder eine künstlerische oder auch nichtkünstlerische Aktion ist mindestens ebenso interessant wie das Kunstwerk oder die Aktion selbst und letztlich das, was sie lebendig macht und am Leben hält. Der Spur dieses Gedankens folge ich selbst seit vielen Jahren. Auch das verbindet mich mit Banksy.
Die ersten Resonanzen im Internet zeigten nicht nur Banksy´s Bilder, sondern immer wieder auch Menschen, die sich vor den Bildern fotografieren ließen oder Selfies machten. Später stellte Banksy selbst ein Video mit Aufnahmen von seiner Aktion ins Netz. In amerikanischen und deutschen Fernsehberichten waren auch Kommentare von Menschen vor Ort zu hören, von denen einige sogar aus anderen Städten angereist waren, um die Wandbilder mit eigenen Augen zu sehen. Sie alle sprechen von Wertschätzung und Dankbarkeit dafür, dass einer wie Banksy den Mut hat, zu ihnen ins Kriegsgebiet der Ukraine zu kommen, um seine Solidarität und Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Manche äußern die Hoffnung, dass die Aktion eine neue Art der Aufmerksamkeit für den existenziellen Verteidigungskampf der Ukraine erzeugt. Andere sind einfach nur erstaunt über das, was sie sehen.
Kunst
Die Motive der Wandbilder sind befremdlich und berührend zugleich. Die Orte, an denen sie zu finden sind, wurden mit Bedacht ausgewählt. Manche bringen auf jeweils sehr eigene Weise die Vision eines unbeschwerten Lebens in die zerstörte Umgebung. Andere halten einen Moment existenziellen Schreckens im Alltag fest. Und eines scheint ausdrücklich Hoffnung machen zu wollen.
Da gibt es zum Beispiel eine Ballerina, die, mit Leichtigkeit auf der Spitze tanzend, ein Stoffband über dem Kopf schwingt als wäre sie auf einer Bühne; eine Frau, die im Morgenmantel mit Lockenwicklern im Haar, Gasmaske vorm Gesicht und Feuerlöscher in der Hand auf einem einsam an der Hauswand zurückgelassenen realen Stuhl „steht“; in den Resten eines zur Außenwand gewordenen gekachelten Badezimmers liegt ein Mann in seiner Badewanne und braust sich ab; auf einer realen Panzersperre an einer Straßenkreuzung wippen zwei Kinder; aus einem gepanzerten Fahrzeug ragt ein überdimensionaler Phallus empor; auf dem Einschlagloch eines Hauses vollführt eine Akrobatin einen Handstand; auf den Mauerresten eines zerstörten Kindergartens legt ein kleiner Junge im weißen Kampfanzug einen großen, starken Mann aufs Kreuz.
Besonders über dieses Bild des kleinen Jungen, der einen großen starken Mann aufs Kreuz legt, wird vor Ort und auch in den Medien spekuliert: Der Junge könnte die Ukraine symbolisieren, die Putin besiegt. So sieht es auch eine Ukrainerin in einem der Videos. Meine spontane Assoziation kam dieser Idee sehr nah. Sie weckte in mir die Erinnerung an die Geschichte von Davids Kampf gegen Goliath.
Eine biblische Geschichte
Wer kennt sie nicht, diese biblische Geschichte aus dem Alten Testament? Ein Hirtenjunge namens David besiegt einen Riesen namens Goliath. Das Alte Testament ist voller Geschichten, die fantastisch klingen – von den sieben Plagen, mit denen Gott die Ägypter straft, bis hin zum Roten Meer, das sich wundersam für die aus Ägypten fliehenden Israeliten teilt, um deren Verfolger dann anschließend unter sich zu begraben. Doch keine dieser Geschichten erschien mir, als ich sie in meiner Kindheit zum ersten Mal hörte, so realistisch wie die von David und Goliath.
Das lag nicht an der Erklärung für den Sieg des kleinen David gegen den übermächtigen Goliath, die Samuel uns liefert. Er schreibt, dass dies so geschehen musste, weil David von Gott auserwählt war, nächster König der Israeliten zu werden. Durch seine Heldentat gegen den feindlichen Philister vollzog sich das Wort Gottes und David wurde zu Israels legendärem König David. Eins der nobelsten Traditionshotels in Jerusalem trägt heute seinen Namen.
Weshalb David siegt
Was mich an dieser Geschichte dagegen so begeisterte, war die Vorstellung, dass David es aus eigener Kraft durch großen Mut, die intelligente Nutzung seiner Fähigkeiten und die Erkenntnis der größten Schwachstelle seines Gegners, der zwar riesengroß, schwer gepanzert und bewaffnet, damit aber auch schwer beweglich war, geschafft hat, diese monströse Kampfmaschine namens Goliath zu besiegen.
Denn als jüngster Sohn hütete David die Herde seiner Familie und verteidigte sie täglich gegen die räuberischen Angriffe wilder Tiere, die er durch den geschickten Einsatz seiner Steinschleuder in die Flucht schlug oder tötete.
Der Stein, den er gekonnt und mit großer Wucht gezielt gegen die Stirn seines scheinbar übermächtigen Gegners schleuderte, traf den dort so tief und hart, dass der kopfüber stürzte und mit seinem kolossalen Körper bewusstlos im Sand liegen blieb. Dass David ihm danach auch noch den Kopf abschlug und damit die ganze Heerschar der Philister in die Flucht schlug, die bis dahin siegesgewiss grölend den „Schwächling“ verhöhnt hatten, war mir nicht mehr in Erinnerung, als ich Banksy´s Spraybild anschaute. Das wurde mir erst wieder bewusst, als ich dieser biblischen Geschichte noch einmal etwas tiefer auf den Grund gegangen bin. Die Erzählungen des Alten Testaments sind nicht nur fantastisch, sondern gelegentlich durchaus auch von unverblümter Grausamkeit.
Sinnbild und Vorbild
Die Geschichte von David und Goliath jedenfalls steht seit Jahrtausenden als Sinn- und Vorbild dafür, dass schiere Größe nicht gleichbedeutend sein muss mit unbesiegbarer Kraft oder Macht. Dass ein einzelner Mensch, wenn er sich nicht von der scheinbaren Größe des Gegners einschüchtern lässt, sondern sich seiner eigenen Stärken besinnt und der Übermacht beherzt entgegentritt, das Blatt der Geschichte wenden kann. Insofern ist sie mehr als die Geschichte über einen göttlich Auserwählten. Sie ist eine ermutigende Geschichte, die bis ins 21. Jahrhundert hinein nichts an ihrer vorbildlichen Wirkungskraft verloren hat.
Da liegt der Vergleich zum mutigen Verteidigungskampf der Ukraine gegen die scheinbar unbesiegbare Übermacht der russischen Armee nahe. Und er wird von Banksy durch den Kontext, in den er das Bild stellt, auch durchaus nahegelegt – es befindet sich auf den Mauerresten eines zerstörten Kindergartens.
Keine biblische Geschichte
Doch es geht hier nicht um eine biblische Geschichte. Die Ukraine ist kein einzelner Mensch, sondern ein Land, eine Nation. Sie ist zwar klein im Vergleich zu dem riesigen Russland, das sie angreift mit dem einzigen Ziel, ihre Existenz auszulöschen. Aber sie kämpft nicht allein, sondern hat starke Partner an ihrer Seite, die sie in vielfältiger Weise unterstützen. Dennoch ist dieser Kampf schwer, dauert lange und fordert viele Opfer.
Eins aber hat die Ukraine für mich mit dem kleinen David aus dem Alten Testament gemeinsam: Sie hat als Gemeinschaft die beherzte Entschlossenheit, ihr Land und ihre Freiheit zu verteidigen und diesen Kampf zu gewinnen. Sie lässt sich nicht einschüchtern und sie gibt nicht auf.
Was bleibt
Banksy´s Bilder ändern nichts an der existenziellen Bedrohung, in der die Menschen in den von ihm besuchten Städten und der ganzen Ukraine seit nunmehr neun Monaten leben und gegen die sie sich mit großem Mut, ebenso großer Menschlichkeit und bewundernswerter Unbeugsamkeit verteidigen.
Doch nun sind sie da, diese Bilder. Unerwartet aufgetaucht wie aus dem Nichts, haben sie die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für ein paar Tage wieder verstärkt auf das gelenkt, was die Menschen in der Ukraine Tag für Tag erleben und erleiden, und woran sich ein Teil dieser Weltöffentlichkeit inzwischen bereits gewöhnt zu haben scheint.
Für die Menschen in der Ukraine, insbesondere in Irpin, Borodjanka und Horenka werden diese Bilder vermutlich auch nach dem Krieg eine bleibende Erinnerung daran sein, dass einer wie Banksy einmal zu denen gehörte, die an ihrer Seite standen – Standing with Ukraine.
Wenn es um Astrophysik ging, drehte sich lange Zeit alles um die Erde – bis Kopernikus und Galilei diese geozentrische Selbstverliebtheit radikal beendeten. Seither ist klar, dass sich nicht alles um die Erde dreht, sondern vielmehr die Erde, wie andere Planeten und Monde auch, in Umlaufbahnen um unseren Zentralstern, die Sonne, herumbewegen.
Das alles hat unser menschliches Bewusstsein inzwischen einigermaßen verarbeitet und daraus zugleich neue Möglichkeiten des Entdeckens und Erforschens erschlossen. Was Mond, Mars und Venus bevorsteht, lässt sich bereits erahnen. Und mit ihren immer exakteren Berechnungen und dank des Einsatzes immer hochwertigerer Weltraumsonden und –teleskope haben Astrophysik und Astronomie auf Grundlage der Mathematik ein immer genaueres Bild von dem errechnet, was sich außerhalb unseres Sonnensystems, ja sogar außerhalb unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, befindet – dunkle Materie und schwarze Löcher inbegriffen. Die Bilder und Erkenntnisse reichen mittlerweile weit zurück bis in die Geburtsstunde unseres Universums vor ca. 13,7 Milliarden Jahren.
Wir gehen heute davon aus, dass es andere habitable Planeten gibt, auf denen außerirdisches Leben möglich ist, ja dass es sogar außerirdische Intelligenz im All geben könnte – eine oder womöglich gar mehrere weitere Spezies, neben der Künstlichen Intelligenz, die wir gerade auf diesem Planeten erschaffen und deren Entwicklung viele Menschen zutiefst beunruhigt. Seit zigtausenden von Jahren waren wir immerhin auf diesem Planeten die einzigen unserer Art. Wie lange das so sein wird, scheint nur noch eine Frage der Zeit. Die menschliche Evolution hat diesen Weg genommen und nun müssen wir schauen, wie wir mit unserer Intelligenz, die eine andere, künstlich genannte Intelligenz erschaffen hat, klarkommen. Spannende Zeiten.
Auf eins konnten wir uns bisher allerdings noch verlassen: auf die Einzigartigkeit unseres Universums. Auch wenn wir wissen, dass dieses Universum kontinuierlich und mit wachsender Geschwindigkeit expandiert und sich dabei in eine zunehmende Entropie hineinbewegt, war es doch immerhin so etwas wie der feste Bezugspunkt für alles, was mit unserer Existenz auf dieser Erde zusammenhängt.
Doch die Möglichkeit, dass unser Universum nur eines unter vielen ist, rückt von Jahr zu Jahr mehr in den Blickpunkt der Wissenschaften, die an der Erforschung eben dieses Universums beteiligt sind. Insbesondere die Erforschung der Dunklen Materie, die Stringtheorie und die Quantenmechanik sind hierbei wegweisend. Manche halten diese Vorstellung für Unfug, weil sie (noch) keine wissenschaftliche Erklärung sehen.
Doch die bereits erwähnte Expansion unseres Universums nach dem sogenannten Urknall, auch Inflation genannt, endet nicht überall gleichzeitig. Da wo sie nicht endet, finden könnten weitere Urknalle stattfinden, aus denen neue Universen entstehen. Das wäre eine sogenannte „ewige Inflation“ und ein Multiversum wäre deren logische Schlussfolgerung. Ein expandierender Ozean sich multiplizierender Universen. Jedes dieser Universen könnte sich anders entwickeln und anders beschaffen sein als das unsere. Aber irgendeines könnte womöglich dem unseren gleich sein, denn Duplikate sind im Kosmos unvermeidlich, heißt es.
Die Vorstellung eines Multiversums ist vergleichbar mit der kopernikanischen Revolution. Sie bedeutet das Ende unserer bisherigen Vorstellung vom Kosmos. Damit eröffnet sie zugleich den Blick in Welten, von denen wir bisher bestenfalls träumen konnten. Und das, obwohl hier von den neuen Erkenntnissen der Quantenmechanik noch gar nicht die Rede war. Da kommt was auf uns zu.
____________________________________________________________________
Mehr über Steven Weinberg finden Sie hier: UTPhysicsHistorySite (utexas.edu)