Gekonnt, mühelos und radikal bewegte er sich zwischen allen musikalischen Genres und widersetzte sich der normativen Kraft des Mainstreams so renitent wie kaum ein anderer Musiker und Komponist des 20. Jahrhunderts.

Beeinflusst von Strawinsky, Puccini, Webern und Varese, war und bleibt sein musikalisches Werk eine einzigartige Schnittmenge aus Avantgarde, Klassik, Rock, Jazz und Elektronik. Unabhängig davon ob man seine Musik mag, macht ihn allein das zu einer Rarität und zu einem Glücksfall. Kent Nagano dirigierte Zappas Orchesterstücke, Pierre Boulez besuchte 1980 in Paris ein Zappa-Konzert, was zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Beiden führte. In Europa fand Zappa´s kompositorische Arbeit eine Wertschätzung und Anerkennung wie nirgendwo sonst, schon gar nicht in den USA.

Denn er durchbrach nicht nur die etablierten Grenzen zwischen musikalischen Genres, sondern auch die Verhaltensregeln einer Gesellschaft, die die Fassade der Wahrheit vorzieht. Sein freier Geist hatte in den 60er und 70er Jahren das puritanisch geprägte Gesellschaftssystem der USA geradezu in Aufruhr versetzt. Das brachte ihm immer wieder Ärger von verschiedensten Seiten ein, hielt ihn aber nie davon ab, unbeirrt seinen eigenen Weg zu gehen.

Frank Zappa konnte ebenso bissig sein wie humorvoll. Er war witzig, tiefgründig, unverblümt, satirisch, politisch, mutig. Frei im Geist, kreativ in der kompositorischen Arbeit und streng im Umgang mit der Band während den Tourneen. Bewundert von den einen, gehasst von den anderen, was immer wieder zu Tumulten während seiner Konzerte führte, die er dann schon auch mal abbrach oder mit dem Rücken zum Publikum spielend absolvierte.

Legendärer Teil der Popgeschichte wurde die Aktion eines Konzertbesuchers 1971 im Rainbow Theatre in Montreux. Als er eine Leuchtpistole auf die Bühne warf, entzündete er damit einen Brand der nicht nur den Saal, sondern das ganze Theater in Schutt und Asche legte. Deep Purple widmeten dem Ereignis ihren Song „Smoke on the Water“.

OUBEYs Interesse an Zappa und seiner Musik erwachte Mitte der 70er Jahre, als er zum ersten Mal das Album „One Size Fits All“ hörte. Ein Konzert von Zappa und den Mothers of Invention Ende der Siebziger in Köln war das erste große Live Konzert seines Lebens. Dass Zappa in einer Limousine vorfuhr, fand OUBEY zwar verwunderlich, aber völlig okay. Dass er das Konzert aufgrund der Flaschenwerfer aus dem Publikum eher „unfriendly“ runterspielte, war dann aber ziemlich ernüchternd. Vorübergehend rückten andere Komponisten und Musiker in den Vordergrund.

Screenshot aus dem MIND SPARK „Musik – Frank Zappa“

Als 1993 „The Yellow Shark“ erschien, kehrte sein Interesse zurück und entwickelte sich zu einem gereiften Sinn für die komplexe Vielfalt und Originalität der Komposition und die grandiose Live Performance Zappa´s gemeinsam mit dem Ensemble Modern. Das war immer noch derselbe und doch ein anderer Zappa als der, den er als 18jähriger live erlebt hatte. Als er kurz darauf von Zappa´s frühem Tod erfuhr, begab er sich noch einmal auf eine Reise in dessen Diskografie und entdeckte ihn für sich noch einmal ganz neu.

Ich erinnere mich gut daran, wie eines nachmittags sehr laut ein faszinierendes Soundspektakel aus den großartigen B&W Lautsprechern mit Hochtönern und Subwoofer erklang. OUBEY hatte die Boxen und die Anlage nach sorgfältiger Recherche und unzähligen Tests ausgesucht und mit einem hochwertigen Kabel ans Stromnetz angeschlossen. Höchste Klangqualität war ihm wichtig.

Ich horchte auf. Was da lief, kannte ich nicht. Es war „The Yellow Shark“. OUBEY hatte das Album bis dahin nur im Atelier gehört. Ich fragte ihn, was das denn für eine tolle Musik sei. „Das ist Zappa?“ rief ich überrascht. Das ist fantastisch! Auch ich hatte in früheren Jahren, lange bevor ich OUBEY kannte, mit Camarillo Brillo und 200 Motels selbst schon mal vorübergehend eine Zappa-Phase. Von nun an mochten wir ihn beide gleichzeitig.

Am 4. November 2005 spielte das Ensemble Modern, das mit Zappa in seinen letzten Jahren sehr eng zusammengearbeitet und unter dessen Leitung „The Yellow Shark“ bereits live aufgeführt und aufgenommen hatte, den „Shark“ live im Konzerthaus Baden-Baden. Es war ein unvergesslich grandioses Konzert.

Als es nun fast zwanzig Jahre später um die Frage ging, welche Musiker und welche originalen Musiktitel im OUBEY MINDSPACE vorkommen sollen, war für mich klar, dass Frank Zappa auf jeden Fall dabei sein sollte, möglichst mit einem Track aus dem „Yellow Shark“. Dabei ging es mir sowohl um seine Musik als auch um seine Person und seine unbeirrbare Konsequenz auf dem Pfad der Kreativität.

Screenshot aus dem MIND SPARK „Musik – Frank Zappa“

Für die Musik brauchte ich eine Autorenlizenz. Die konnte ich nur von Zappa´s Familie bekommen, die sich seit seinem Tod um sein musikalisches Vermächtnis kümmert. Zu meiner großen Freude erhielt ich diese Lizenz problemlos und möchte mich hierfür an dieser Stelle bei der Familie Zappa sehr herzlich bedanken.

Der MindSpark, in dem wir nun einen Minutenausschnitt von „Uncle Meat“ aus dem „Yellow Shark“ hören können, ist für mich nicht nur ein musikalisches und – durch das bisher unveröffentlichte Gemälde aus OUBEYs Computer Art-Serie „Zosch und Zorro“ – auch visuelles Highlight in diesem Raum des OUBEY MINDSPACE.

„ZZZ“ – OUBEY Computer Art

Durch das integrierte Zitat von Frank Zappa spiegelt er zudem auch OUBEYs ureigenste Haltung zum Verhältnis von Kunst und Markt: „I think that any artistic descision that is based on whether or not you are going to make money, is not really an artistic decision. It´s a business decision.“

Jedem, der authentisch etwas über Frank Zappa erfahren möchte, empfehle ich die Dokumentation von Thorsten Schütte: Eat That Question – Frank Zappa In His Own Words

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Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte, die uns mehr erzählt darüber wer OUBEY war und wie er war. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.

An dieser Stelle gilt mein Dank dem Team von Kubikfoto³ für die großartige Gestaltung des OUBEY MINDSPACE, die inzwischen bereits mit drei renommierten internationalen Design-Preisen ausgezeichnet wurde – darunter zuletzt auch der Red Dot Award 2025.

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