Blog
Eine geballte Ladung Ignoranz
Meine Kritik an der Kritik zum Konzert von Bob Dylan am 3. November 2025 in Köln.
„Keine Begrüßung, keine Verabschiedung, kein einziger Song zum Mitsingen“. Wer im Jahr 2025 ein Konzert von Bob Dylan so kommentiert, der hätte besser geschwiegen. Als hätte Bob Dylan in den letzten dreiundzwanzig Jahren, seit ich regelmäßig jedes seiner Konzerte besucht habe, jemals das Publikum begrüßt oder gar jemals einen „Oldie“ zum Mitsingen angeboten.
Wer mit einer solchen Erwartungshaltung in ein Dylan-Konzert geht, der wird natürlich enttäuscht. Der Grund für diese Enttäuschung liegt aber nicht in Bob Dylan, sondern in der falschen Erwartung aufgrund von Ignoranz.
Von einem Künstler, der zur Verleihung des Literaturnobelpreises, den er als erster Songschreiber aller Zeiten erhält, nicht selbst zur Verleihung erscheint, darf man nicht erwarten, dass er sich verhält wie ein Popsänger oder wie Rock´n Roll Stars, die mit Vergnügen ihr Repertoire in bekannter Spielart immer und immer wieder zum Besten geben.
Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber diesen Maßstab an Bob Dylan anzulegen zeugt mindestens von Unwissenheit und Unverständnis. Die beharrliche Wiederholung der immer selben Feststellungen seit Jahr und Tag spricht allerdings eher für einen erklärten Unwillen zu verstehen.
Und natürlich wiederholt sich seit Jahr und Tag die Beschwerde, dass man in Dylan´s Konzerten nicht filmen oder fotografieren darf. Das war schon 2002 in Oberhausen so. Und seit drei Jahren werden beim Eintritt nun die Handys in einem Beutel verplombt. Ich finde das großartig.
Die Botschaft dieses Reglements heißt: Genießt den Abend, genießt die Musik, nehmt sie in Euch auf und die Eindrücke dann mit Euch nach Hause. Was ist das für eine Wohltat, nicht lauter leuchtende Handy-Displays vor sich und um sich herum zu sehen, sondern einfach nur das Dunkel des Saals. Was für eine wunderbar intensive Atmosphäre entsteht durch dieses Handy-Verbot. Das lese ich nirgends.
Stattdessen so ein durchgängiger kritischer Unterton wie ein Künstler es wagen kann, sich nicht – für alle im Saal sichtbar – auf der Bühne in Szene zu setzen und zu produzieren, sondern einfach nur Gitarre, Klavier und Mundharmonika zu spielen und zu singen – begleitet von vier tollen Musikern. Und das tat Dylan am Montag – wieder einmal – auf seine ihm eigene Art.
Ich hatte einen tollen Platz in Reihe 4 des Innenraums. Trotzdem sah auch ich von Dylan nur seinen Haarschopf und hin und wieder seinen Oberkörper, wenn er am Ende eines Songs kurz aufstand, um sich zu zeigen. Mitten im Konzert, das ich von der ersten bis zur letzten Minute genossen habe, wurde mir vielleicht gerade aufgrund seiner „Unsichtbarkeit“ zutiefst bewusst, dass das da oben am Flügel wirklich Bob Dylan ist und dass ich zu den glücklichen Menschen gehöre, die dieses Konzert des 84jährigen Dylan im Jahr 2025 miterleben können. Das war ein Glücksmoment. Ich sage: Danke, Bob Dylan. Es war ein toller Abend. Und wenn es der letzte gemeinsame gewesen sein sollte, dann war er für mich ein Höhepunkt.
Share