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Kurze Geschichten zu den Sparks im OUBEY MINDSPACE – Episode 2: Der Pferdekopfnebel

Etwa 1.500 Lichtjahre entfernt von der Erde befindet sich im Sternbild Orion ein dunkles Nebelfeld. Ein Dunkelfeld, das mit der atemberaubenden Schönheit der „Drei Säulen der Schöpfung“ im Adlernebel nicht mithalten kann. Seine Silhouette fasziniert dennoch nicht minder. Nach ihr ist er benannt: "Pferdekopfnebel".

In diesen kosmischen Nebelformationen, von denen es unzählige in unserem Universum gibt, sammelt sich der explodierte „Staub“ gestorbener Sterne und wird zum Entstehungsgebiet neuer Sterne. Kosmisches Recycling nennen es die einen, Kinderstube der Sterne die anderen.

Während wir den 7000 Lichtjahre entfernten Adlernebel nur durch das Auge von Weltraumteleskopen sehen können, lässt sich der Pferdekopfnebel aufgrund seiner relativen Nähe zur Erde von hier aus mit einem ausreichend starken Teleskop entdecken und bestaunen.

Im Jahr 1987 widmete OUBEY dem Pferdekopfnebel ein Bild, das beim Betrachten aus nächster Nähe immer wieder aufs Neue ins Staunen versetzt. Denn erst dann erkennt man im grafitgrauen Krakelee der Staubwolken die hauchdünnen Äderchen, die das matt schimmernde Gold des kosmischen Hintergrunds erkennen lassen. Über allem und durch alles hindurch schweben leuchtend rote Wolkengebilde, die den Kern des Bildes umgeben.

Das Bild entstand ohne einen einzigen Pinselstrich oder irgendeine andere manuelle Einwirkung des Künstlers. Im Entstehungsprozess lag – wie immer – die beschichtete Hartfaserplatte waagerecht auf dem Boden. So wurde nicht nur die Handschrift des Künstlers ausgeschaltet, sondern auch die äußere Einwirkung der Erdgravitation aufs Minimum reduziert. „Mir ist es wichtig, dass meine Bilder befreit sind von der Handschrift des Künstlers“ sagte OUBEY selbst. Aus diesem Grund hat er auch keins der Bilder aus dieser Schaffensperiode jemals signiert. All seine „malerischen“ Werke der 80er Jahre entstanden konsequent nach diesem Grundsatz. Im „Pferdekopfnebel“ gelang ihm dabei eine Präzision und Detailtiefe wie wohl in keinem anderen Bild.

Es ging OUBEY nicht um ein Abbild. Dafür gibt es fotografische Aufnahmen von Weltraumteleskopen. Es ging vielmehr darum, für sein inneres Bild, seine Vision vom Pferdekopfnebel einen künstlerischen Ausdruck zu finden und damit diesen wunderbaren kosmischen Ort auf seine Art zu würdigen. Schließlich entstehen im Weltall aus dem Staub gestorbener Sterne nicht nur permanent neue Sterne. Auch jegliches Leben auf dieser Erde, unsere eigene Spezies eingeschlossen, verdankt seine Existenz diesem ganz besonderen Stoff.

 

„Das ist wahrhaftig kosmische Kunst“ meinte jemand beim Anblick dieses Bildes. Sie ist zwar Ausdruck von OUBEYs inniger Verbundenheit mit dem Kosmos, die er schon in sehr jungen Jahren entwickelte. Sein Werk als „Kosmische Kunst“ zu bezeichnen wäre ihm jedoch nicht einmal im Traum eingefallen. Kunst ist Kunst. Kosmos ist Kosmos.

So findet sich in einem Spark des OUBEY MINDSPACE folgerichtig Beides wieder: Der Kosmos in Gestalt des Pferdekopfnebels und die Kunst in Gestalt von OUBEYs gleichnamigem Bild.

Als ich in den ersten Jahren des MINDKISS Projekts immer wieder mal mit Menschen sprach, die den Kunstbetrieb viel besser kennen als ich, machte ich die Erfahrung, dass es eine weit verbreitete Meinung gibt, Kunst müsse sich einordnen lassen können. Manche meinten, durchaus wohlwollend, es brauche einen Namen, der den Ansatz oder die Ausrichtung von OUBEYs Werk kurz „auf einen Nenner“ bringt.

Aus einer Vermarktungsperspektive heraus betrachtet, mag das plausibel erscheinen. Die unglaubliche Vielfalt von OUBEYs Werk macht eine solche Kategorisierung jedoch unmöglich. Für das MINDKISS Projekt ist das kein Problem. Im Gegenteil. Es repräsentiert in seiner Vorgehensweise ja selbst eine Vielfalt, für die es kein Etikett gibt.

Einer, der das in seiner Begegnung mit einem Original von OUBEYs Bildern sofort erkannte und ebenso analytisch wie emotional zum Ausdruck brachte, war Prof. Peter Kruse. Wie er sich das ihm bis dahin vollkommen unbekannte Bild erschlossen hat, zeigt das Video von dieser Begegnung auf eindrucksvolle Weise.

Erst viele Jahre nach der Entstehung des „Pferdekopfnebels“ kam OUBEY im Jahr 2004 mit seinen StarPixels auf das Thema der Sterne zurück. Tausend Sterne werde er malen, kündigte er im März 2004 an. In diesem Jahr hätte ich ihm zu Weihnachten endlich ein Teleskop geschenkt. Eins, mit dem man vom Schwarzwald aus den Pferdekopfnebel mit eigenen Augen sehen kann.

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