Thoughts & Insights
Kurze Geschichten zu den Sparks im OUBEY MINDSPACE – Episode 11: Akira Kurosawa
„Kurosawa war ein Poet. Seine Filme sind tiefgründige Betrachtungen über das Leben und die Natur des Menschen.“ – Francis Ford Coppola
Ein Meisterwerk
Jemand erzählte mir in jungen Jahren von einem japanischen Film, der die Endzeit des Rittertums eindrücklicher und spannender erlebbar mache als alles andere, was er darüber je gelesen oder gesehen hatte. Der Film hieß „Die Sieben Samurai“, der Regisseur Akira Kurosawa.
Als ich den Film dann zum ersten Mal sah, war ich beeindruckt von der Geschichte und von der Art und Weise wie sie filmisch erzählt wurde: spannend, dynamisch, dramatisch – und zugleich voller Menschlichkeit. Der Film zeigt die Kluft zwischen den Ständen, die inneren Widersprüche der handelnden Personen, ihre Schwächen und ihren Mut im Kampf ums Überleben.

Damals hatte ich mich schon ein wenig mit deutscher Filmkunst in der Stummfilmzeit und auch mit Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders und ihren Filmen beschäftigt, die für mich so etwas wie die Auferstehung der Filmkunst in Deutschland nach 1933 repräsentierten. Akira Kurosawa war mir bis dahin jedoch kein Begriff gewesen.
Bald darauf lernte ich OUBEY kennen. Schon in einem unserer ersten langen Tag- und Nachtgespräche kamen wir auf Filmkunst zu sprechen. Er schwärmte von Stanley Kubrick´s „2001 – A Space Odyssey“ und „Barry Lyndon“, von Ridley Scott´s „Alien“ und „Blade Runner“ und von Steven Spielberg´s „E.T.“ und „Begegnung der Dritten Art“. Keinen dieser Filme hatte ich bis dahin gesehen.
Ich erzählte meinerseits von Fritz Lang´s „Metropolis“, Fassbinders dreizehnteiligem „Berlin Alexanderplatz“, Wenders´ „Im Lauf der Zeit“ und auch von Kurosawa´s „Sieben Samurai“ – Filme, die er wiederum bis dahin nicht kannte.
Von da an verbrachten wir einen beachtlichen Teil unserer Lebenszeit gemeinsam beim Anschauen von Filmen – möglichst im Kino, ansonsten per Video oder später DVD zuhause.
Als wir zum ersten Mal gemeinsam „Die Sieben Samurai“ sahen, sprachen wir zunächst über die historische und menschliche Dimension der Geschichte. Dann erklärte mir OUBEY, wie meisterhaft Kurosawa Regie, Kamera, Schauspiel, Schnitt, Sound Musik und visuellen Rhythmus zu einem einzigen organischen Ganzen von herausragender Qualität verband.
Ich selbst erlebte vor allem die unmittelbare Wirkung des Films. OUBEY verstand darüber hinaus, wie diese Wirkung dank Kurosawas meisterlicher Regie zustande kam. Wer Kurosawa´s Handwerkskunst des Filmens gerne näher kennenlernen möchte, kann sich das Video „The Directing Genius of Akira Kurosawa Explained“ anschauen, in dem anhand von konkreten Beispielen das gezeigt wird, was OUBEY mir damals erklärte.
OUBEYs außergewöhnliche Fähigkeit, mit nahezu chirurgischer Präzision aus dem Stand heraus Analysen selbst zu komplexesten Angelegenheiten entwickeln zu können, hat mich immer und immer wieder verblüfft und beeindruckt.

Eins von OUBEYs Bildern trägt den Titel „Samurai“. Der Titel erinnert nicht nur an die Kultur der adeligen japanischen Kampfkünstler, sondern ist vor allem eine Referenz für Akira Kurosawa. Eine fiktive Szene aus „Die Sieben Samurai“ erscheint deshalb auch im Mind Spark über Filmkunst des OUBEY MINDSPACE – zu finden im „Matrix Raum„.
Bis heute gilt Kurosawa vielen Regisseuren als überragender Meister. Von George Lucas über Francis Ford Coppola bis zu Martin Scorsese und Steven Spielberg reicht die Reihe der Filmschaffenden, die ihn als „Maestro“ verehren: Where to start with Kurosawa.
Als Kurosawa in späteren Jahren Schwierigkeiten hatte, Produzenten für seine Filme zu finden, halfen ihm Lucas, Coppola und Spielberg mit ihren Kontakten zu den Studios in Hollywood und investierten auch selbst als Produzenten in seine Filmprojekte.
Ein solcher Zusammenhalt bestärkte OUBEY in seiner Überzeugung, dass es eine geistige Verbundenheit zwischen Menschen durch die Kunst gibt. Dass aus gemeinsamer Leidenschaft Freundschaft entstehen kann. Und manchmal sogar eine Gemeinschaft von Könnern, die die Freiheit der Kunst gegen die Zwänge des profitorientierten kommerziellen Denkens verteifigt.
Ein Meister
Im Frühling 1990 waren OUBEY und ich zum ersten Mal nach dem Mauerfall gemeinsam in Berlin und der damaligen DDR unterwegs. Es war eine Zeit, in der hier Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf unbeschreibliche Weise parallel existierten.
Damals kaufte OUBEY in Ostberlin eine gerade erschienene „Lizenzausgabe für die Deutsche Demokratische Republik“ des Buchs: „Akira Kurosawa – So etwas wie eine Autobiographie“. Heute ist diese Ausgabe des Buches eine Rarität.

Vor einigen Jahren habe ich es beim Umzug wiederentdeckt und erst vor kurzem selbst gelesen. Ich kann mich nicht erinnern, je eine Autobiographie gelesen zu haben, die so uneitel, klar und schlicht geschrieben ist und zugleich so eindrucksvoll und nahegehend von dem erzählt, was der Autor erlebt hat. Kurosawa, der sich einst als Drehbuchautor sein erstes Geld verdiente und die Drehbücher all seiner Filme selbst schrieb, beherrscht die Kunst des Erzählens. Sein Buch lebt von derselben kompromisslosen Klarheit, die sich, gepaart mit tiefer Humanität, auch in seinen Filmen findet.
Er erzählt von seiner familiären und schulischen Kindheit und Jugend im autoritär geführten Japan der Jahre 1910 bis 1930 – als Sohn eines strengen Vaters und Nachkomme der Samurai. Dieser konservative Vater glaubte an die erzieherische Kraft des Films und hielt seine Söhne zum regelmäßigen Kinobesuch an. Vor allem deutsche, französische und amerikanische Filme prägten den jungen Kurosawa.
In einer ausgiebigen Fußnote zählt er beinahe hundert Filme auf, die er zwischen seinem neunten und neunzehnten Lebensjahr (1919 – 1929) gesehen hat und die ihn besonders beeindruckten – darunter Charlie Chaplin´s „The Kid (1921)“, Fritz Lang´s „Metropolis“ (1926), und Luis Bunuel´s „Ein Andalusischer Hund (1929)“. Heute sind diese Werke Klassiker. Damals waren sie Avantgarde.
Er sah diese Filme als ganz junger Mensch, als sie gerade erstmals in die Kinos kamen. Welche Wirkung das haben kann, kenne ich aus eigener Erfahrung, denn meine ersten Kinoerlebnisse im Alter von sieben und acht Jahren sind mir bis heute im Gedächtnis. Für Kurosawa verband sich die Frühgeschichte des Films mit seiner eigenen Geschichte als Regisseur.
Der letzte Satz seiner Autobiographie lautet: „Nichts sagt so viel über einen schöpferischen Menschen wie sein Werk.“
Dieser Aussage stimme ich uneingeschränkt zu. Deshalb habe ich über zwanzig Jahre lang vor allem OUBEYs künstlerisches Werk sprechen lassen. Und doch zeigt Kurosawa mit seiner Autobiographie, dass es eine unbedingt erzählenswerte Geschichte des schöpferischen Menschen gibt, die mit dessen Werk untrennbar verbunden ist.
Kurosawas Buch ist weit mehr als eine Erinnerungsschrift. Es ist ein eigenes Werk. Man erfährt darin viel über das Japan der 20er-40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Über Schule, Erziehung und Militär. Über das Filmemachen unter schwierigsten Umständen und die Bedeutung wahrhaft guter Freunde und Lehrer. Vor allem aber lernt man den Menschen und Regisseur Akira Kurosawa und auch viele seiner Filme auf eine neue, sehr persönliche Art kennen.
Gut, dass OUBEY damals dieses Buch kaufte. Gut, dass ich es Jahre später wiedergefunden und nun gelesen habe. Als ich mich dafür entschied, Kurosawa und die „„Sieben Samurai“ im Spark des OUBEY MINDSPACE über Filmkunst zu würdigen, kannte ich es noch nicht. Heute bin ich Akira Kurosawa nicht mehr nur für seine Filme dankbar, sondern auch dafür, dass er für uns diese Geschichte seines Lebens hinterlassen hat – meisterhaft erzählt von ihm selbst.
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Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte über OUBEY und das, was ihn interessiert und inspiriert hat. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
An dieser Stelle gilt mein Dank dem Team von Kubikfoto³ für die großartige Gestaltung des OUBEY MINDSPACE, die inzwischen bereits mit drei renommierten internationalen Design-Preisen ausgezeichnet wurde – darunter zuletzt auch der Red Dot Award 2025.
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