Thoughts & Insights
Kurze Geschichten zu den Sparks im OUBEY MINDSPACE – Episode 10: Der Geist in den Wassern
Sie leben in komplexen, stabilen Gemeinschaften. Über große Entfernungen hinweg kommunizieren sie miteinander, entwickeln regionale Dialekte, rufen sich beim Namen. Sie spielen miteinander, lernen voneinander, bauen tiefe emotionale Bindungen auf – und verfügen über individuelle Selbstwahrnehmung und -erkennung.
Seit den 1930er Jahren weist die Forschung immer wieder auf die außergewöhnliche Intelligenz und die grundsätzliche Friedfertigkeit von Walen und Delfinen hin. Erste Schutzmaßnahmen wurden beschlossen: Besonders bedrohte Arten wie der Buckelwal, dessen Bestand damals auf etwa 100 Tiere geschrumpft war, wurden unter internationalen Schutz gestellt, und erste Schutzzonen entstanden.
Und doch blieb der Walfang ein alltägliches Geschäft auf den Weltmeeren. Gleichzeitig entwickelte sich in den SeaWorld-Parks dieser Welt eine andere Form der Ausbeutung: In künstlichen Becken, ihrer Freiheit beraubt, vollführen dort Orcas und Delfine artistische Kunststücke für ein zahlendes Publikum.
1974 erschien das von Joan McIntyre herausgegebene Buch „Der Geist in den Wassern – Ein Buch zu Ehren des Bewusstseins der Wale und Delfine. Soweit ich weiß, war es das erste Werk, das die Erkenntnisse verschiedener Forscher zur Intelligenz und zum Sozialverhalten dieser Lebewesen in einem umfassenden Sammelband zusammenführte und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte.
„Aber wie steht es um jenen anderen Geist, den Geist in den Wassern? Wie steht es um diese riesigen, uns fremden Gehirne, die die Ozeane durchstreifen, die Lieder erklingen lassen, die träumen, die fernen Erinnerungen nachhängen, die einander in Anstand und Moral unterweisen? Wie sieht es in der geistigen Welt eines Geschöpfs aus, dessen Gehirn größer und möglicherweise komplexer ist als das unsere und das seinen Willen nicht in weltverändernde Tat umsetzen kann – und sei es nur deshalb, weil es keine Hände besitzt?“
Als OUBEY und ich dieses Buch 1984 zum ersten Mal lasen, waren wir tief beeindruckt und berührt von den geschilderten Begegnungen mit Walen und Delfinen. Esoterisches Pathos war uns beiden fremd. Für uns ging es hier um die Erkenntnis von unbestreitbaren Tatsachen und um ein erweitertes grundlegendes Verständnis von den Zusammenhängen in der Natur, deren Teil wir sind.
Die Vorstellung, dass auch andere Lebewesen, die diese Erde – oder vielmehr ihre Ozeane – bewohnen, über ein Bewusstsein verfügen könnten, war damals für die meisten Menschen kaum denkbar. Dass sie intelligent und lernfähig sind, ließ sich nicht mehr bestreiten. Immerhin wurden Delfine sogar von Geheimdiensten für militärische Zwecke eingesetzt – und werden es bis heute.

Aber ein Bewusstsein? Folgen sie nicht lediglich einem genetisch-biologischen Programm? Wie sollten sie Erkenntnisse gewinnen, die ein Bewusstsein begründen, wenn sie ausschließlich die Elemente Wasser und Luft kennen und nichts vom Leben an Land erfahren? Und woher käme ein freier Wille, der Entscheidungen trifft?
Über diese und ähnliche Fragen haben wir gesprochen. Es ging uns dabei nie darum, eine endgültige Antwort zu finden – schon gar nicht die eine, einzig richtige. Vielmehr öffneten diese Gespräche unser eigenes Denken für Möglichkeiten, die wir zuvor nicht in Betracht gezogen hatten. Unsere Selbstwahrnehmung als Spezies relativierte sich dabei immer wieder neu, ohne jemals ihren eigenen Wert zu verlieren.

Fossilienfunde haben gezeigt, dass die Vorfahren der Wale und Delfine vor 50 Millionen Jahren noch an Land lebten. Im Eozän führte ein gravierender Klimawandel zu steigenden Temperaturen und Meeresspiegeln. Im Laufe von 10 Millionen Jahren verlagerten diese bis dahin an Land lebenden Säugetiere ihren Lebensraum vollständig ins Meer – ein einzigartiger evolutionärer Prozess, der den Eindruck eines gewollten, äußerst klugen Handelns erweckt. Über diesen extrem langen Zeitraum der Transformation vom terrestrischen Säugetier zum einzigen ausschließlich im Wasser lebenden Säugetier auf diesem Planeten entstand eine spezifische Lebens- und Welterfahrung, die zumindest die Vorstellung zulässt, dass sich in diesem Prozess auch so etwas wie Bewusstsein entwickelt haben könnte – was auch immer wir darunter verstehen.
Heute finden sich im Internet zahlreiche wissenschaftliche Berichte und eindrucksvolle Videos zu diesem Thema, viele davon wurden erst in den letzten Jahren veröffentlicht. Vor fünfzig Jahren jedoch war McIntyres Buch eine völlig neue Quelle von Wissen – und Inspiration. Für OUBEY jedenfalls hatte es genau diese Wirkung. Deshalb haben wir ihm und den Walen und Delfinen im OUBEY MINDSPACE einen eigenen Spark gewidmet.
OUBEY wäre hocherfreut zu erfahren, dass Indien im Jahr 2013 Delfine offiziell als nicht-menschliche Personen anerkannt hat. Und noch mehr darüber, dass im Jahr 2024 die neuseeländischen Māori gemeinsam mit indigenen Völkern aus Tahiti und den Cookinseln eine Deklaration verabschiedeten, die Walen den Status juristischer Personen zuspricht.
Noch sind wir nicht soweit, die Resonanz eines Wals oder Delfins auf ein originales Werk von OUBEY kennenlernen zu können. Doch im Jahr 2011 konnte ich immerhin den Natur- und Walfilmer Daniel Opitz, Gründer der Ocean Mind Foundation, mit einem von OUBEYs Bildern besuchen und seine Resonanz vor laufender Kamera festhalten. Hier können Sie das Video von dieser außergewöhnlichen Begegnung sehen.
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Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte über OUBEY und das, was ihn interessiert und inspiriert hat. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
An dieser Stelle gilt mein Dank dem Team von Kubikfoto³ für die großartige Gestaltung des OUBEY MINDSPACE, die inzwischen bereits mit drei renommierten internationalen Design-Preisen ausgezeichnet wurde – darunter zuletzt auch der Red Dot Award 2025.
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