Thoughts & Insights
Kurze Geschichten zu den Sparks im OUBEY MINDSPACE – Episode 12: Windansea Beach
Es gibt Orte, die eine besondere Anziehungskraft auf Menschen haben. Der Windansea Beach in La Jolla bei San Diego ist ein solcher Ort.
Im Sommer ist dieser nicht sehr lange Strandabschnitt an der Pazifikküste Nordamerikas ein Tummelplatz für alle, die Erfrischung in den Wellen suchen und ein Paradies für Surfer, die es lieben, hier ihren Mut und ihr Können unter Beweis zu stellen. Erst bei Sonnenuntergang, wenn die meisten von ihnen sich bereits auf dem Heimweg befinden, ist ein Hauch von der ursprünglichen Magie dieses Ortes zu spüren.
So war das auch, als OUBEY und ich im Hochsommer des Jahres 1992 in La Jolla ankamen. Eine Propellermaschine hatte uns, zusammen mit einer Handvoll anderer Passagiere, abenteuerlich von Los Angeles nach San Diego gebracht, wo ich bis zum Ende des Jahres in der Personalabteilung der County Administration meine erste berufliche Auslandserfahrung sammeln sollte.
In den ersten sechs Wochen dieser Zeit lebten wir im Haus eines pensionierten Navy-Piloten im nahegelegenen La Jolla. Das Haus war klein, aber hatte den Vorteil, dass es gerade mal fünf Fußminuten vom Windansea Beach entfernt lag. Es war die erste von insgesamt drei Stationen unseres Home Exchange Projekts.
Das Projekt funktionierte so: wir lebten kostenfrei in den voll eingerichteten Häusern von Menschen in und um San Diego herum und konnten auch deren Fahrzeug nutzen, während sie für diese Zeit in Europa und Deutschland auf Reisen waren und währenddessen vorübergehend in unserer Wohnung lebten.
OUBEY hatte in einer Zeitschrift den positiven Erfahrungsbericht einer Journalistin über ihren eigenen Home Exchange mit einer amerikanischen Familie gelesen und war sofort begeistert. Ich war ziemlich skeptisch, ließ mich von ihm dann aber doch überzeugen. Das war gut so.
Als wir in La Jolla wohnten, verbrachte OUBEY viel Zeit am Windansea Beach, während ich in der County Administration zum ersten Mal in meinem Leben erlebte, wie positiv sich eine Quotenregelung am Arbeitsplatz auswirken kann, wenn sie konsequent praktiziert wird.
Das zeigte sich unter anderem darin, dass die ersten drei Führungsebenen der Organisation jeweils von einer Frau besetzt waren, denn wenn eine Frau besser oder gleich gut qualifiziert war wie ein männlicher Bewerber, wurde die Stelle mit der Frau besetzt – so jedenfalls für eine Übergangszeit bis sich die Normalität einer Gleichberechtigung eingespielt haben würde. Die Geschlechterfrage stand an erster Stelle, wurde aber gefolgt von der Frage körperlicher Beeinträchtigung und der Zugehörigkeit zu einer üblicherweise benachteiligten nicht-weißen Bevölkerungsgruppe.
Vor unserer Abreise im Dezember fuhren wir noch einmal gemeinsam zum Windansea Beach. Der Strand war menschenleer und die Wellen machten dem Namen des Strands alle Ehre. Ich hatte, wie immer, die Videokamera dabei. OUBEY kletterte auf einen der großen, sehr glitschigen Sandsteinfelsen, um so nah wie möglich an die sich überschlagenden Wellen heranzukommen. In diesem Moment hatte dieser Ort für ihn eine magische Anziehungskraft. Hier lagen die Turbulenzen, für die sich seine forschende Neugier schon immer begeisterte, unmittelbar vor ihm.
Wellen, Wolken und Galaxien faszinierten ihn. Deren strukturelle Prinzipien hatte er in seiner Kunst der 80er Jahre verarbeitet – soweit das denn auf beschichteten Hartfaserplatten nur irgendwie möglich war. Dass ich im Jahr 2013 mit Karl Siegmund einen herausragenden Wissenschaftler, der sich der Mathematik dynamischer Komplexität verschrieben hat, für einen Encounter mit einem von OUBEYs Bildern gewinnen konnte, hat mich deshalb sehr gefreut.
Wenn er noch einmal in die USA zurückkehren würde, dann nur nach New York, hatte OUBEY ein paar Tage zuvor zu mir gesagt. San Diego sei für einen Menschen und Künstler wie ihn nicht der richtige Ort. Mit seinem letzten Blick auf die Wellen des Pazifischen Ozeans nahm er Abschied.
Diesen Moment wollte ich im OUBEY MINDSPACE einen eigenen Spark widmen. Sie finden ihn hier.
Kein Mensch kann je wirklich wissen, was im Kopf eines anderen Menschen vor sich geht. Auch ich wusste es in diesem Moment nicht, aber ich spürte die unsichtbare Energie seiner Gedanken und Gefühle und kann sie sogar heute noch spüren, wenn ich mich an diesen Moment erinnere. Er stand da und schaute ins Meer, war ganz bei sich und den Kräften des Ozeans. Ich stand da mit der Kamera in der Hand und war ganz nah bei ihm. Wir waren getrennt voneinander und doch verbunden.
Als ich ihm nach unserer Rückkehr die Aufnahmen zeigte, war er beeindruckt und tief berührt.
_________________________________________________________________________________
Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte über OUBEY und das, was ihn interessiert und inspiriert hat. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.
An dieser Stelle gilt mein Dank dem Team von Kubikfoto³ für die großartige Gestaltung des OUBEY MINDSPACE, die inzwischen bereits mit drei renommierten internationalen Design-Preisen ausgezeichnet wurde – darunter zuletzt auch der Red Dot Award 2025.
;
;
Share