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Kurze Geschichten zu den Sparks im OUBEY MINDSPACE – Episode 13: Wie Tränen im Regen

Was macht den Mensch zum Menschen? Was unterscheidet ihn von Künstlicher Intelligenz? Mit dieser Frage haben sich kluge Science-Fiction-Autorinnen und -Autoren schon vor vielen Jahrzehnten beschäftigt.

In einigen der großen Werke des Genres finden sich seit den 1950er Jahren immer wieder erstaunlich ähnliche Antworten. Etwa bei Isaac Asimov in I, Robot, bei Arthur C. Clarke in 2001: A Space Odyssey oder bei Philip K. Dick in Do Androids Dream of Electric Sheep? 

Sinngemäß lautet die Antwort: Es ist nicht die Intelligenz, die den Menschen von einer künstlich erzeugten Existenz unterscheidet. Es ist seine Fähigkeit zur Empathie.

Im Herbst 1983, als OUBEY und ich uns noch nicht lange kannten, sahen wir gemeinsam in einem Karlsruher Kino Ridley Scotts Blade Runner, der auf eben diesem Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? von Philip K. Dick basiert. Den Roman kannte ich damals nicht.

Mein eigener Kontakt zur Science-Fiction-Literatur beschränkte sich bis dahin auf H.P. Lovecrafts Die Berge des Wahnsinns. Ich hatte das Buch einige Jahre zuvor auf dem Plateau eines Berges in den französischen Alpen gelesen – ein ziemlich passender Ort für diese Lektüre.

OUBEY dagegen war in der Welt der Science Fiction zu Hause. Seit seinem zwölften Lebensjahr las er regelmäßig die wöchentlich erscheinenden Romanhefte der Perry Rhodan-Serie. Als ich ihn kennenlernte, war seine Sammlung von Science-Fiction-Romanen bereits beeindruckend.

Ein Teil dieser Bibliothek wechselte im Sommer 1985 auf ungewöhnliche Weise den Besitzer.

Damals lernte OUBEY den Tschechen Ondřej Herec kennen, einen leidenschaftlichen Science-Fiction-Fan. Herec war im tschechoslowakischen Kulturministerium für den internationalen Kulturaustausch im Amateur- und Kleintheaterbereich zuständig. Als kommunistischer Parteifunktionär begleitete er damals die Theatergruppe GAG aus Bratislava, die beim internationalen Festival des Sandkorn-Theaters in Karlsruhe auftrat. Irgendwie kreuzten sich dort die Wege der beiden.

Als Ondřej uns später in unserer Wohnung besuchte und OUBEYs gewaltige Science-Fiction-Bibliothek entdeckte, zögerte OUBEY keinen Augenblick. Er schenkte ihm die Romane, die Ondřej so gerne lesen wollte, an die er in der damaligen ČSSR jedoch kaum herankommen konnte. Als Ondřej unsere Wohnung wieder verließ, war seine Tasche bis zum Rand mit Science-Fiction-Romanen gefüllt.

Eine kleine Geste – und zugleich eine, die viel über OUBEY erzählt. Ondřej Herec wurde übrigens nach dem Ende der sowjetischen Vorherrschaft über die osteuropäischen Staaten als bedeutender Soziologe und Begründer der literarischen Science-Fiction-Theorie in der Slowakei berühmt.

Politisch hätte kaum etwas weiter auseinanderliegen können. OUBEY lehnte totalitäre Systeme wie sie damals noch in den osteuropäischen Staaten herrschten, grundsätzlich ab. Doch in diesem Moment sah er offenbar nicht den Parteifunktionär, sondern den Menschen, der seine Leidenschaft für Science Fiction mit ihm teilte und aufgrund der politischen Verhältnisse nicht die Freiheit hatte, die Bücher zu lesen, die er lesen wollte. Empathie vor Ideologie.

Als ich im November 2013 im Rahmen meiner Global Encounter Tour acht originale Bilder von OUBEY bei der internationalen Managerkonferenz des Peter Drucker Forums in Wien zeigte, kam der damals bereits schwer erkrankte Ondřej, begleitet von einer medizinischen Pflegekraft, nach Wien gereist, um diese Bilder sehen zu können. Er war beeindruckt von ihrer Ausdruckskraft und tief bewegt von seiner geistigen Wiederbegegnung mit OUBEY.

Fast dreißig Jahre zuvor hatte OUBEY seine Bibliothek für Ondřej geöffnet; nun erwiderte Ondřej auf seine Weise diese Geste der Empathie.

Blade Runner gehörte für OUBEY zu den besten Science-Fiction-Filmen überhaupt. Und Ridley Scott schätzte er bereits seit Alien als einen der herausragenden Regisseure seiner Zeit.

Eine der großen offenen Fragen des Films lautet: Ist der Androidenjäger Rick Deckard ein Mensch – oder selbst ein Replikant? Der Film gibt darauf bis zum Schluss keine eindeutige Antwort.

Und dann ist da Roy Batty. Der Replikant, der seinem eigenen Tod entgegensieht, sitzt im strömenden Regen auf dem Dach eines Hochhauses. In seinem berühmten Monolog erinnert er sich an Erlebnisse, Bilder und Momente, die ein Mensch niemals hätte erleben können, und die mit seinem Tod unwiederbringlich verschwinden werden.

„„Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Angriffsschiffe, die brannten draußen vor der Schulter des Orion. Ich sah C-Strahlen glitzern im Dunkeln nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen. Zeit zu sterben.“

Ausgerechnet der vermeintlich künstliche Mensch zeigt in diesem Augenblick etwas zutiefst Menschliches: die Fähigkeit, sich an das Vergangene zu erinnern, den eigenen Tod anzunehmen – und dem anderen sein Leben zu lassen. Er könnte Deckard töten, aber er tut es nicht.

Deckard schaut dem Sterben des Androiden zu und erkennt dabei dessen Menschlichkeit. Der vermeintliche Mensch erscheint weniger menschlich als der vermeintliche Nicht-Mensch. Vielleicht liegt genau in diesem Verschwimmen der Eindeutigkeit klarer Grenzlinien eine der stärksten Ideen von Blade Runner.

Verdichtet man die Antworten der großen Science-Fiction-Autoren auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Mensch und künstlichen Existenzen auf ein einziges Wort, wäre Empathie wohl ein Begriff erster Wahl.

Intelligenz allein reicht nicht aus, um Menschlichkeit zu erklären. Maschinen können rechnen, Muster erkennen, lernen und zunehmend komplexe Probleme bearbeiten. Was aber bedeutet es, die Situation eines anderen Wesens wirklich zu erfassen? Mitzufühlen? Rücksicht zu nehmen? Respekt zu empfinden – nicht nur gegenüber anderen Menschen, sondern gegenüber dem Leben selbst?

Möglicherweise kann Künstliche Intelligenz einmal „menschlich“ empfinden und handeln, so wie der Android Roy Batty im Blade Runner. Sicher ist auf jeden Fall, dass der Mensch durchaus sehr unmenschlich handeln kann. Das hat er in seiner langen Geschichte zur Genüge bewiesen. Vielleicht ist die Grenze zwischen dem, was wir Intelligenz nennen, und dem, was wir als Menschlichkeit erfahren, weniger eindeutig, als wir gerne glauben.

 

Das Zitat „Tears in Rain“ wie es im OUBEY MINDSPACE erscheint, ist einerseits als Referenz von OUBEY an Ridley Scott und sein filmische Meisterwerk Blade Runner zu verstehen. Es verweist zugleich auf die Bedeutung, die OUBEY selbst dem Gefühl beimaß. Er beschrieb sie selbst einmal mit folgenden Worten:

„Das Gefühl ist wie ein Gummiband, ein Sprungbrett, eine Schleuder. Je höher der Raum, in dem sich das Gefühl entwickeln kann, desto besser.“

Das Gespräch, in dessen Rahmen er diese Aussage 1992 machte, wurde seinerzeit aufgezeichnet. Deshalb können wir sie noch heute in OUBEYs originaler Stimme hören, in diesem Spark des OUBEY MINDSPACE. Hier der direkte Link zum „Metropolisraum“, in dem Sie diesen Spark finden.

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Im OUBEY MINDSPACE gibt es sechs Räume. Jeder von ihnen enthält fünf verschiedene Mind Sparks, die ihrerseits verschiedene Impulse enthalten. Hinter jedem Spark und jedem Impuls steckt eine Geschichte über OUBEY und das, was ihn interessiert und inspiriert hat. Diese Geschichten werden hier von mir erzählt.

An dieser Stelle gilt mein Dank dem Team von Kubikfoto³ für die großartige Gestaltung des OUBEY MINDSPACE, die inzwischen bereits mit drei renommierten internationalen Design-Preisen ausgezeichnet wurde – darunter zuletzt auch der Red Dot Award 2025.

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