Sie stellte sich mir auf eine bis dahin nicht gekannte existenzielle Weise, als OUBEY im Jahr 2004 auf tragische Weise sein Leben verlor.
Damals rieten mir viele Menschen, OUBEYs Bilder zu verkaufen, mit der Vergangenheit abzuschließen und mich auf meine eigene Zukunft zu besinnen.
Das habe ich nicht getan. Was ich stattdessen tat, war etwas ganz anderes …
Als mir bewusst wurde, dass OUBEYs Kunst ihre Zukunft überhaupt erst noch vor sich hat – über seinen Tod hinaus – durchströmte mich ungeahnte Energie. Die Gewissheit, dass mein Können, mein Wissen und mein Tun noch gebraucht und geschätzt werden, setzte in mir die Kraft frei, aus der heraus das MINDKISS-Projekt entstand. So fand ich in der schwierigsten Zeit meines Lebens den entschlossenen Mut, nach vorne zu blicken, ohne die Vergangenheit zu verdrängen.
Manch einer mag damals mitleidig gedacht haben, dass ich mich durch den riesigen Berg von Arbeit nur ablenke, um meine Trauer oder gar die Realität zu verdrängen. Genau das habe ich nicht getan und das war gut so. Damals habe ich das Beste getan, was ich tun konnte – für OUBEY, für seine Kunst und auch für mich selbst. Und so ist das heute noch.
Nachdem ich OUBEYs Werke katalogisiert hatte, begann 2006 die Arbeit am MINDKISS Buch, ein Jahr später die Arbeit am OUBEY Experience Film. Die Begeisterung anderer Menschen, mit denen ich zusammenarbeitete, für OUBEYs Kunst und auch für meine Arbeit beflügelte und ermutigte mich, weit über Bücher und Filme hinauszudenken. Ich war bereit für eine Reise in neue Welten. Von da an steckte ich meine Energie in die Reise mit den Bildern um die Welt und machte dabei Erfahrungen wie nie zuvor in meinem Leben.
Ich begegnete großartigen Wissenschaftlern, Forschern und auch Künstlern auf eine sehr persönliche Weise. Ich erlebte die Faszination, die OUBEYs Bilder auf Maori in Neuseeland, auf Menschen in Uganda und sogar auf die Manager einer internationalen Konferenz in Wien ausübten. Die Gedanken all dieser Menschen zu OUBEYs Bildern kennenzulernen, war für mich eine wunderbare Entdeckungsreise mit vielen Glücksmomenten. Ein einzigartiges, wertvolles Geschenk, für das ich dankbar bin.
So wurde für mich der Weg tatsächlich zum Ziel. Und auf diesem Weg ist neuer Sinn entstanden – nicht nur für mich, sondern auch für viele andere. Ein Sinn, der auch OUBEY weiterleben lässt.
Ich bin weiterhin unterwegs. Nach einer wohltuenden zweijährigen Pause habe ich viele neue Ideen für die Zukunft. Manche sind gerade am Werden. Eine erste habe ich in diesen Tagen aber auch schon umgesetzt: Die Entstehungsgeschichte von MINDKISS einmal in einem E-Book aufzuschreiben. Warum? Nach wie vor werde ich so oft gefragt, wie dieses Projekt eigentlich entstanden ist. Wenn auch Sie das wissen möchten, dann laden Sie sich einfach mein E-Book „MINDKISS. Auf OUBEYs Spuren“ kostenlos herunter und lesen, wie MINDKISS entstand und wie dieses Projekt zu dem wurde, was es heute ist.
Windstille war ebenso unerwünscht wie Sturm. Sie wussten, dass es auf die richtige Dosierung ankommt. Das wissen heute auch die Segel- und Drachenflieger, die es genießen, lautlos im Auf- und Abtrieb der Winde ihren Kurs zu finden.
Die Erfindung von Motoren unterschiedlichster Art hat in den letzten 130 Jahren Schiffe, Fahr- und Flugzeuge hervorgebracht, die sich durch Eigenantrieb fortbewegen, unabhängig von der Kraft des Windes, beherrschbar und steuerbar durch den Mensch – soweit er die Grundgesetze der Physik akzeptiert.
Und dennoch hat der Wind nichts von seiner Macht und Bedeutung verloren. Er sorgt für Fortpflanzung in der Flora, indem er die Pollen fliegen lässt. Er erfrischt uns als kühle Brise am Meer. Er fliegt durch unsere Haare und streichelt unsere Haut an warmen Sommertagen. Er weht durch die Bäume und entlockt ihrem Blattwerk ein wunderbares Rauschen. Er treibt uns Tränen in die Augen, wenn er uns im Winter eiskalt ins Gesicht bläst. Er rüttelt uns durch, wenn wir mit dem Flugzeug in Turbulenzen geraten. Er peitscht die Wellen zur Sturmflut hoch, treibt die Wolken am Himmel und die Flammen brennender Wälder vor sich her. Und wenn er als Hurricane über Landschaften hinweg und in Ortschaften und Städte hineinfegt, dann erleben wir seine zerstörerische Kraft.
Die Kraft des Windes ist Ausdruck dynamischen Komplexität. Komplexität ist eins der zentralen Themen, mit denen OUBEY sich sein ganzes Leben hindurch wissenschaftlich und künstlerisch beschäftigte. Das dynamische Zusammenspiel von Chaos und Ordnung – im Kosmos wie auf der Erde – interessierte und faszinierte ihn. Von den Galaxien gigantischen Ausmaßes in unserem Universum bis hin zur kristallinen Schönheit einer winzigen kurzlebigen Schneeflocke. In einem 3minütigen Kurzvideo können Sie erleben, wie Komplexität in OUBEYs künstlerischem Werk ihren Ausdruck findet.
Winde, Wirbel und Turbulenzen folgen in ihrer dynamischen Komplexität physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die wir zwar verstehen aber nicht beherrschen können. Sie sind Naturphänomene und als solche gehören sie für uns Menschen zu unserer elementaren Lebensumwelt. Und als solche sind sie uns auch Lehrmeister dessen, was wir im Zuge unseres Beherrschbarkeitswahns über die letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg immer mehr verdrängt haben: Respekt und Demut vor der Natur, deren Teil wir sind.
Als ich diese Nachricht las, freute ich mich, denn für mich ist klar: Kunst tut gut! Kunst hat eine wohltuende, ausgleichende Wirkung, kann Balsam für die Seele sein. Von Kunst berührt zu werden, ist etwas ganz Besonderes. Wenn man neueren Forschungen glauben darf, waren schon unsere Vorfahren in der Steinzeit fasziniert von der magischen Wirkung von Kunst – seien es die Töne und Klänge einer frühen Musik oder die Malereien an den Wänden von Höhlen.
Und auch mir geht es heute so, wenn ich bestimmte Musikstücke höre oder die Gelegenheit habe, bestimmte Gemälde im Original anzuschauen wie zum Beispiel van Gogh´s „Kirche von Auvers“ oder Manet´s „Olympia“ im Pariser Musée d’Orsay. Auch wenn ich es nicht erklären kann, haben diese Bilder beim Betrachten eine tiefgehende Wirkung auf mich und erzeugen in mir dabei ein regelrechtes Glücksgefühl.
Das kommt Ihnen seltsam oder übertrieben vor? Vielleicht weil Sie so etwas mit einem Gemälde bisher selbst noch nicht erlebt haben. Dann denken Sie aber doch mal an ein Musikstück, das Sie lieben. Eine Ballade stimmt uns traurig, eine Arie weckt Sehnsüchte, der richtige Rhythmus animiert zum Tanzen und Singen befreit die Seele. Musik bringt uns zum Weinen, zum Lachen, zum Ausflippen, zum Nachdenken. Auf YouTube finden Sie unzählige Videos von Babys, die noch nicht mal richtig laufen können, aber schon freudestrahlend in ihren Windeln zur Musik wippen. Kunst weckt etwas, das ganz tief in uns drin liegt.
Geradezu ekstatisch reagieren oft selbst ganz kleine Babys auch, wenn man ihnen Bilder von farbenfrohen Gemälden zeigt. Diese Erfahrung habe ich auch schon mit OUBEYs Bildern gemacht. Die Babys strampelten und quietschten vor Freude und Begeisterung beim Anblick mancher Bilder. Da war ein richtiger Enthusiasmus zu spüren! Das allein wäre für mich schon Beweis genug dafür, dass Kunst nicht nur Kopfsache ist, sondern ganz viel mit unseren Energien und Gefühlen als Spezies zu tun hat – und das schon seit es diese Spezies gibt.
Kunst tut einfach gut. Kunst ist wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Seele. Kunst weckt Emotionen, die ohne Kunst in unserem Alltag verborgen bleiben würden. OUBEY würde an dieser Stelle vielleicht die „Pathetique“ von Tschaikowsky auflegen, ich dagegen sein Klavierkonzert Nr.1 in B-Moll. Aber da ich gerade an Brian Wilson´s Album „Imagination“ denke, werde ich mir das jetzt wieder einmal anhören. Gute Kunst wird nie langweilig. Man kann sie immer und immer wieder anschauen und anhören und sie tut immer und immer wieder gut. Eine wunderbare Wirkung, die ich jedem Menschen auf der Welt wünsche – notfalls auf Rezept.
Alles, was im Kosmos und damit auch auf dieser Erde existiert, durchläuft einen Stoffwechsel. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber sie ist hilfreich. Und sie ist als Erkenntnis bei weitem noch nicht so verbreitet wie es ihrer Bedeutung entspricht. Als ich gemeinsam mit OUBEY im Jahr 2003 die Metabolismus Ausstellung im ZKM Karlsruhe (https://zkm.de/de/event/2003/05/bankett) besuchte, kam dieses Thema zum ersten Mal in meinen Sinn. Seither beschäftigt es mich immer wieder und immer wieder neu.
Alles was wir Menschen in uns aufnehmen, wird durch den Stoffwechsel unseres Körpers zerlegt und verarbeitet. Das was wir nicht verwerten können, scheiden wir am Ende aus. So geschieht es mit allem, was lebt und existiert. Menschen ernähren sich von Pflanzen und Tieren. Pflanzen und Tiere ernähren sich ihrerseits von Pflanzen, Tieren und Nährstoffen, die ihrerseits Ergebnis eines Stoffwechsels sind. Vom Staub gestorbener Sterne über die Photosynthese und den Verdunstungskreislauf bis hin zur Verdauung. Das ist der Kreislauf physischer Existenz.
Dieser Kreislauf bringt Leben und Sterben hervor und verbindet beides organisch miteinander auf eine Weise, die uns im Alltag meist nicht bewusst ist. Aufgrund unserer Evolutionsgeschichte ist das aber vermutlich allen Lebewesen unbewusst klar. Und das Unbewusste ist eine starke Kraft.
Aus Sicht des Stoffwechsels gibt es keinen Anfang und kein Ende, sondern nur einen kontinuierlichen Prozess des Werdens und Vergehens, des Lebens und Sterbens. Der Tod ist eine notwendige Bedingung für den Stoffwechsel, der seinerseits das Leben ermöglicht. Die Anerkennung der Koexistenz von Leben und Tod ist ein Schlüssel zum Verständnis der gesamten Zusammenhänge unseres Seins – wenn man sie unter rein körperlich-materiellen Gesichtspunkten betrachtet. Die körperliche Erscheinungsform einer Existenz – sei es das Blatt oder die Blüte einer Pflanze, ein Fisch, ein Vogel, ein Säugetier oder ein Mensch – ist vergänglich. Ihr Geist jedoch ist es nicht.
Denn der Geist ist frei von der Zeit. „Der Geist kann durch die Zeit nicht zerstört werden“ sagt Erwin Schrödinger. Und gemäß dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik geht Energie im Raum nicht verloren. Geist ist Energie. Wenn Energie im Raum nicht verloren geht, existiert sie dann außerhalb jeglichen Stoffwechsels? Gibt es einen geistigen Metabolismus im Universum? Das ist eine interessante Frage. Die Antwort werden wir, wenn überhaupt, erst dann erfahren, wenn unser unvergänglicher Geist sich von unserem vergänglichen Körper getrennt hat.
Ludmilla Larusso, inzwischen über 50, wirkte jung, als sie da auf der Bühne stand und sang. Wie kann das sein? Es war Ihre Ausstrahlung, ihre Stimme, vor allem aber auch ihre spürbare Freude und Begeisterung an dem, was sie tut. Dagegen sieht manch einer, obwohl er um einige Jahrzehnte jünger ist als sie, regelrecht „alt“ aus. Wie kann das sein?
Für mich hat Alter nicht allein mit der Summe an Lebensjahren zu tun. Die Frage nach dem Alter ist eher eine Frage der inneren Einstellung. Und ist diese Einstellung von Neugier und Unternehmungslust geprägt, von dem Gedanken, dass es nie zu spät ist, etwas Neues zu entdecken, dann entsteht eine Energie, die den Menschen jung macht – ob er nun 15 ist oder 50.
Und was ist mit den biologischen Hardfacts? – werden Sie vielleicht zurecht fragen. Klar, spielen auch die eine Rolle und manches kann man mit steigender Lebenszeit nicht mehr so gut wie das mit zwanzig oder dreißig noch der Fall war. Aber glücklicherweise sind wir Menschen ja Individuen und als solche fähig, der puren Biologie mit einer inneren Einstellung zu begegnen, die dazu führt, dass unsere Leben eben nicht mit 50 oder 70 Jahren vorbei sein muss.
Es gibt Menschen, die – obwohl noch jung an Jahren – ihr Leben bereits bis zur Rente im Kopf durchgeplant haben und alles, was nicht in diesen Plan passt, ignorieren. Das ist doch zielstrebig und ganz vernünftig, meinen Sie? Das sollte man doch nicht kritisieren?
Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich kritisiere das nicht. Jeder kann und soll so leben wie es ihn zufrieden macht und wie er es für richtig hält, solange er anderen Menschen dabei nicht schadet. Ich denke allerdings, dass man sich auf diese Weise selbst um einige schöne Möglichkeiten bringen kann, die das Leben lebendig und überraschend machen. Was bleibt, sind dann oft nur die Überraschungen, mit denen das Leben uns konfrontiert und auf die wir dann oft hilflos reagieren, weil sie den einst gefassten Plan über den Haufen werfen.
Neues zu versuchen und sich selbst zu überraschen ist für mich eine wichtige Konstante im Leben. Natürlich immer erst einmal prüfen, ob man sich etwas tatsächlich zutraut bzw. ob man etwas wirklich will. Aber wenn das der Fall ist, dann sollte man es einfach versuchen. Wenn es misslingt, dann hat man es wenigstens versucht. Ich möchte mich am Ende meines Lebens möglichst nicht fragen müssen, warum ich die schönen Möglichkeiten, die sich mir geboten haben, nicht genutzt habe. Deshalb habe ich mir immer die Freiheit geschenkt, Neues anzupacken, wenn sich eine passende Möglichkeit ergab, und habe es bis heute nie bereut.
Und ich mag Menschen, die das auch tun. Ein Künstler muss gewissermaßen mit jedem Bild „neu anfangen“. Manche malen zwar ganze Serien, aber dennoch ruft eine leere Leinwand immer wieder zu etwas Neuem auf. Das habe ich im Zusammenleben mit OUBEY über einundzwanzig Jahre aus nächster Nähe miterlebt. Wenn OUBEY nicht bereit und in der Lage gewesen wäre, immer wieder ganz neue Wege zu gehen als Künstler, wäre das Werk, das er hinterlassen hat, nicht so interessant und vielfältig wie es ist und würde heute gewiss nicht so viele Menschen auf der ganzen Welt faszinieren und begeistern. Bei ihm rief jede Antwort die nächste Frage hervor. In der Kindheit verhalten sich fast alle Menschen so. Wenn sie erwachsen werden, lässt das oft nach, weil sie glauben, alle Antworten zu kennen – zumindest die wichtigen. Das ist ein Irrtum. Denn niemand kennt jemals alle Antworten. Staunen und Entdecken ist ebenso wichtig wie Wissen.
So kommt es, dass eine Ludmilla Larusso bei „The Voice of Germany“ nicht nur das begeisterte Publikum in Erstaunen versetzte, sondern auch die aufmerksamen Coaches. Vielleicht hat es geholfen, dass sie bei dieser Show mit dem Rücken zur Bühne sitzen und nicht sehen, wie alt oder jung, groß oder klein, dick oder dünn, hübsch oder weniger hübsch ein Kandidat ist. Sie wissen nicht wie dieser Mensch aussieht, sie hören nur den Gesang. Und mit ihrem Gesang erreichte Ludmilla die Herzen. Ein schönes Beispiel für die Richtigkeit dessen, was Antoine de Saint-Exupéry einmal sagte: Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Alter ist nicht das Ergebnis einer Rechenaufgabe. Alter ist eine Frage der Lebendigkeit, Offenheit und Neugier – im Herzen und im Kopf. Es ist immer möglich, noch etwas dazu zu lernen, zu erleben, zu entdecken. Neugier ist ein Elixier, das Lust aufs Leben macht und deshalb jung hält.
Und doch wurde in diesen Tagen erstmals ein algorithmisch erzeugtes Gemälde verkauft – und das für 432.000 US Dollar. Ein Bild, das von einer Pariser Gruppe namens „Obvious Art“ aus Bildinformationen diverser großartiger Gemälde generiert wurde. Im Ergebnis ein nebulöses Etwas, klassisch präsentiert in einem Rahmen, der aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte. Der Verkaufspreis ist das Ergebnis einer individuellen Wertsteigerungsfantasie und hat nichts mit der Qualität des Werks zu tun. Es ging darum, überflüssiges Kapital in das erste von Künstlicher Intelligenz geschaffene Bild zu investieren. Mit Kunst hat das überhaupt nichts zu tun. So jedenfalls hätte es vermutlich Peter Kruse formuliert, wenn man der Argumentation seines Statements zum 5thAnniversary des MINDKISS Projekts folgt.
Dass Banksy´s Coup des sich beim Verkauf selbst zerstörenden Bilds „Girl with Balloon“ die Absurdität des kommerzialisierten Kunstbetriebs vor gerade mal zwei Wochen auf geniale Weise sichtbar gemacht hat, ist für den öffentlichen Erkenntnisprozess hoffentlich hilfreich. Denn der ohnehin absurde Verkaufspreis von 1,4 Millionen ist durch die Zerstörung des Bildes nicht kollabiert, sondern sogar auf über 2 Millionen gestiegen. Da hat der Käufer ja echt Glück gehabt. Und wir haben Glück, dass es einen wie Banksy gibt, der allen zeigt, dass der Kunstbetrieb genauso funktioniert wie der Aktienmarkt. Es geht nicht um Kunst, sondern um Spekulation und Gewinn.
Genau hier setzt Banksy´s entlarvender Geniestreich an: Bedeutet die Zerstörung des Bilds auch die Zerstörung seines Verkaufswerts? Das Beispiel zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist: es steigt in seinem Wert sogar noch erheblich an. Und so verwandelt sich das geschredderte Bild in eine Lupe, durch die die Absurditäten des kommerziellen Kunstbetriebs en detail und live betrachtet werden können.
Hierzu muss man wissen, dass Banksy als Streetart Künstler zwar großen Wert auf die Wirksamkeit seiner Graffitis und Aktionen legt, sich am Millionenspiel des Kunstmarkts jedoch nicht beteiligt. Seine Unabhängigkeit ist ihm wichtiger als Ruhm und Reichtum.
Wenn er ausnahmsweise doch mal verkauft, dann entwickelt sich um diesen Verkauf herum eine aufklärerische Wirkung. So auch, als er einmal anonym an einem Stand im Central Park New York den Passanten Originale für 60 Dollar zum Verkauf anbot. Wer dort dem unbekannten Künstler ein Bild abkaufte, tat es nicht, um einen „Banksy mit Aussicht auf rasante Wertsteigerung“ zu erwerben, sondern aus Interesse und Sympathie. Banksy filmte die Aktion und veröffentlichte den Film – zum Ärger aller Kunsthändler, denen dieses einmalige Schnäppchen entgangen war. Sie hätten die Werke ohne Frage liebend gerne für Unsummen weiterverkauft.
Banksy´s Inszenierung war perfekt. Sie macht auf einmalige Weise sichtbar wie der Markt funktioniert, wie er sich wendet und dreht, sich den Gegebenheiten anpasst und letztlich durchsetzt. Ob man das gut oder schlecht findet, steht auf einem anderen Blatt. Klar ist, dass es so ist. Das entlarvende Ziel ist erreicht. Alle Welt redet über die Aktion und wird sie wohl so schnell nicht vergessen.
Wer vom Verkauf der Bilder Künstlicher Intelligenz profitieren wird, ist eine ganz neue Frage in diesem System. Denn hinter der Künstlichen Intelligenz steckt derzeit immer noch menschliche Intelligenz, die das Ganze programmiert und somit ursprünglich erzeugt hat.
Eine weitere geniale Aktion des Künstlers Banksy, mit der es ihm gelingt, die absurden Mechanismen des kommerziellen Kunstbetriebs für alle erkennbar offenzulegen. Hierzu muss man wissen, dass Banksy als Streetart Künstler zwar großen Wert auf die Wirksamkeit seiner Graffitis und Aktionen legt, sich am Millionenspiel des Kunstmarkts jedoch nicht beteiligt. Seine Unabhängigkeit ist ihm wichtiger als Ruhm und Reichtum.
Umso verwunderlicher, dass nun „Girl with Balloon“ im Auktionshaus Sotheby´s versteigert wurde und just in dem Moment, als das Bild für einen dieser astronomischen Preise in den Besitz des Meistbietenden überging, durch die Selbstzerstörung wertlos wurde. Genau hier setzt Banksy´s entlarvender Geniestreich an: Wird ein zerstörtes Bild in diesem System zwangsläufig wertlos? Das Beispiel zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist: es steigt in seinem Wert sogar noch erheblich an. Und so verwandelt sich das geschredderte Bild in eine Lupe, durch die die Absurditäten des kommerziellen Kunstbetriebs en detail und live betrachtet werden können.
Sobald man sich als Künstler in dieses Spekulationssystem des Kunstmarkts hinein begibt, kann man sich seinen Wirkungsmechanismen kaum noch entziehen und läuft Gefahr, nach und nach seine innere Freiheit gegen Geld einzutauschen. Aus diesem Grund verkaufe ich OUBEYs Bilder nicht. Sie sind in größtmöglicher geistiger Freiheit entstanden. Diese Freiheit möchte ich ihnen und auch mir in meinem Tun erhalten. Sie brauchen keine materielle Wertschätzung, um ihren Wert als Kunstwerke zu beweisen. Klar, dass mir Banksy´s Haltung und die intelligente Konsequenz seiner Aktionen sehr gut gefällt. Auch er arbeitet nicht für den Verkauf, sondern für Wirksamkeit und öffentliche Wahrnehmung..
Und wenn er ausnahmsweise doch einmal verkauft, dann entwickelt sich um den Verkauf eine aufklärerische Wirkung. So auch, als er einmal anonym an einem Stand im Central Park New York den Passanten Originale für 60 Dollar zum Verkauf anbot. Wer dort dem unbekannten Künstler ein Bild abkaufte, tat es nicht, um einen „Banksy mit Aussicht auf rasante Wertsteigerung“ zu erwerben, sondern aus Interesse und Sympathie. Banksy filmte die Aktion und veröffentlichte den Film – zum Ärger aller Kunsthändler, denen dieses einmalige Schnäppchen entgangen war. Sie hätten die Werke ohne Frage liebend gerne für Unsummen weiterverkauft.
Sein „Girl with Balloon“ hatte Banksy angeblich mit der Auflage verschenkt, dass es vom Beschenkten niemals verkauft werden darf. Ein Testballon, der zeigen sollte, wie stark die Gegenkräfte sind, um den Verlockungen des Kunstmarktes zu widerstehen. Gegenkräfte wie „Respekt vor dem Wunsch des Künstlers“, Wertschätzung für den Vertrauensbeweis dieses Geschenks“ oder auch einfach nur die „Liebe zur Kunst“.
Diese Kräfte waren offensichtlich nicht so stark wie die Anziehungskraft des Marktes, auf dem das Bild dann zur Auktionsware wurde.
So unterschiedlich der Charakter ihres Werkes ist – in ihrem Freigeist, ihrer Fähigkeit zur Autonomie und ihrer distanzierten Haltung zum Kunstmarkt sind OUBEY und Banksy sich sehr ähnlich. Beide haben sich den Wirkungsmächten des Kunstbetriebs entzogen. OUBEY tat es vor allem, um möglichst unbeeinflusst von äußeren Erwartungen die Bilder malen zu können, die in seinem Kopf entstanden. Banksy tut es, um mit seiner Arbeit diesen Kunstbetrieb zu entlarven und zu kritisieren und um seine Kunst dahin zu bringen, wo er ihren eigentlichen Platz sieht: unter die Menschen, die sich teure Kunst gar nicht leisten können.
Wer meint, dass die Steigerung des Verkaufswerts von „Girl with Balloon“ nach der Zerstörungsaktion bedeutet, dass Banksy mit dieser Aktion sein Ziel verfehlt, ja sogar das Gegenteil erreicht hat, der irrt.
Denn gerade diese Wertsteigerung zeigt wie stark die Macht der Spekulation ist, und dass es nicht die Kunst ist, die hier im Vordergrund steht. Sondern dass sich der Markt die Kunst nach Belieben einverleibt. Selbst wenn sie zerstört ist.
Banksy´s Inszenierung war perfekt. Sie macht auf einmalige Weise sichtbar wie der Markt funktioniert, wie er sich wendet und dreht, sich den Gegebenheiten anpasst und letztlich durchsetzt. Ob man das gut oder schlecht findet, steht auf einem anderen Blatt. Klar ist, dass es so ist. Das entlarvende Ziel ist erreicht. Alle Welt redet über die Aktion und wird sie wohl so schnell nicht vergessen.
Diesem Prinzip folgen die Baurichtlinien in Alpbach und genau dadurch unterscheidet sich der Ort von allen anderen Dörfern Österreichs. Das ist paradox: Denn durch die strikt angeordnete Gleichheit der Fassaden wird der Ort zu etwas Besonderem. Alpbach ist anders, weil alles dort gleich ist. Diese Einzigartigkeit hat den Ort berühmt gemacht hat und lockt jede Menge Besucher an.
Aber wo bleibt das Individuelle in dieser unwirklichen äußerlichen Schönheit? Die Individualität der Menschen, die in diesen Häusern leben, spielt sich ausschließlich hinter den Kulissen ab. Eine seltsame Welt, die mich irgendwie an die Künstlichkeit der Kulissen von Disneyland erinnerte.
Als ich dann über den kleinen Friedhof des Ortes spazierte, konnte ich kaum glauben was ich sah. Er gleicht einem Wald aus kunstvoll gefertigten schmiedeeisernen Grabmälern, von denen eins so aussieht wie das andere. Alle gleich hoch und gleich breit – nur die Namen und Fotos der Verstorbenen machen einen Unterschied. Gleichheit nach außen bis in den Tod.
Doch dann kam ich an ein Grabmal, das den anderen zwar ähnlich, aber doch nicht gleich war. Es war das Grabmal des österreichischen Nobelpreisträgers Erwin Schrödinger, einem der größten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, von dessen geistiger Leistung sowohl OUBEY als auch ich schon immer sehr beeindruckt und begeistert waren. An diesem Ort zu sehen, dass man doch immerhin der genialen Ausnahmeerscheinung eines Erwin Schrödinger Respekt zollt, indem man seiner Grabstätte ein Abweichen vom Immergleichen zugesteht, hat mich ein wenig beruhigt. Für einen wie ihn hatte man selbst in Alpbach eine Ausnahme gemacht. Schönheit war in diesem Augenblick für mich der Ausblick auf die Möglichkeit von Individualität.
Äußere Gleichförmigkeit kann als schön empfunden werden, sie kann aber auch unschöne oder sogar hässliche Gestalt annehmen. Verglichen mit den deprimierenden Fassaden vieler moderner Wohn- und Zweckbauten in Großstädten wirkt die äußerliche Gleichheit der Häuser von Alpbach geradezu wie eine beglückende Wohltat fürs Auge. Umgekehrt wird etwas nicht automatisch schön, nur weil es individuell ist oder von der Norm abweicht.
Was also ist Schönheit? Diese Frage haben sich klügere Menschen als ich schon zu allen Zeiten gestellt. Aspekte von Schönheit werden durch die Ästhetik, durch Naturwissenschaft und Geometrie und auch durch manche Erkenntnisse der Psychologie definiert. Was ein Mensch subjektiv als schön empfindet, folgt wohl immer auch ein Stück weit diesen Definitionen, ist dabei aber auch immer subjektiv. Was der eine schön findet, findet der andere möglicherweise alles andere als schön. Das ist gut so. Denn es ist Ausdruck menschlicher Individualität.
Auf dem Friedhof in Alpbach beugte sich das Prinzip der absoluten Gleichheit dem Respekt vor der genialen Individualität eines einzelnen Menschen und machte für ihn eine Ausnahme. Genau das hat mir in diesem Moment wieder einmal klar gemacht, dass der Respekt vor dem Individuum die Voraussetzung dafür ist, dass eine Schönheit entstehen kann, die auf Vielfalt basiert. Und dieser Respekt gebührt selbstverständlich jedem Menschen und nicht nur einem weltberühmten Nobelpreisträger.
Wenn Architekten, Städtebauplaner, Landschaftsgestalter und Designer aller Art sich diesen Grundsatz zu Eigen machen würden anstatt nackte Funktionalität und minimale Kosten bei maximaler Effizienz zu verfolgen, wäre die Lebensumgebung vieler Menschen heute mit Sicherheit zumindest weniger unschön als dies derzeit der Fall ist.
Der großartige Designkünstler Stefan Sagmeister, der übrigens auch das preisgekrönte MINDKISS Buch über OUBEYs Kunst gestaltet hat, eröffnet demnächst in Wien eine Ausstellung zum Thema „Beauty“. Die werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Vielleicht komme ich dort zu neuen Erkenntnissen, die ich an dann gerne im Social Web oder an dieser Stelle wieder mit Ihnen teile.
Es sind Erfindungen wie der 3D-Drucker oder GIF-Animationen, die es Ihnen, mir und unserer Nachwelt ermöglich, die alten Kulturstätten auf eine ganz neue Art und Weise zu entdecken. Die Buddha-Statuen wurden mit Hilfe der 3D-Drucktechnik in voller Größe rekonstruiert. Dank GIFs können wir die bekanntesten Bauwerke der Weltgeschichte Stein für Stein und Säule für Säule sehen. Obwohl in einigen Fällen kaum noch die Basis für eine Rekonstruktion vorhanden war, wurden die ursprünglichen Strukturen wieder zum Leben erweckt. Und tatsächlich präsentieren sich viele der Gebäude ganz anders als es überliefert wurde.
Augmented Reality (AR) kann uns tatsächlich die Möglichkeit bieten, die antiken Ruinen in ihrer ursprünglichen Pracht auf unserem Smartphone zu bewundern! Ich finde diese Entwicklung großartig. Wahrscheinlich ist vielen noch gar nicht bewusst, welch tolle neue Möglichkeiten 3D-Drucker, Virtual Reality (VR) und Co. bieten. Klar ist aber: Die neue Welt schafft nicht nur Neues, sie macht auch die alte erlebbar.
Im alten Gaswerk in Pforzheim gibt es beispielsweise noch bis Ende des Jahres die Ausstellung „ROM 312“. Das weltweit größte 360-Grad-Panorama zeigt Ihnen die prächtigsten Kapitale der Antike im Jahr 312 n. Chr.!
Forscher sind inzwischen mit 360-Grad-Kameras ausgestattet, die sie mit auf ihre Speditionen nehmen und uns damit einen noch nie dagewesenen Einblick verschaffen. Vielleicht ist Ihnen das Projekt „Uhrwerk Ozean“ bekannt: Die Ergebnisse der Expedition rund um die Wirbel im Ozean wurden in einem 360-Grad-Filmerlebnis zusammengefasst, das die komplexe aber hochspannende Materie auch Laien verständlich, unterhaltsam und anschaulich näherbringt. In diesem Fall ermöglicht uns die Technik der neuen Welt einen Ausflug in die unglaubliche Erlebniswelt Ozean.
Nun gibt es sicher Menschen, denen die Werke der Antike relativ egal sind und die auch ohne lebhaftes Naherlebnis im Ozean klarkommen. „Was hat das mit mir zu tun?“ oder „Wen interessiert das denn?“ fragen sie sich wahrscheinlich.
Natürlich ist die Vergangenheit nüchtern betrachtet vorbei – sie lässt sich nicht wiederholen. Doch ich bin überzeugt davon, dass sie insofern nicht vorbei ist, als dass sie immer noch in unsere Gegenwart hineinwirkt. Vergangenheit und Gegenwart sind miteinander in Synergie verbunden. Aufgrund dieser Verbindung können wir auf den Erkenntnissen und dem Wissen unserer Vorfahren aufbauen, es nutzen und somit auch unser heutiges Wissen kontinuierlich erweitern.
Es waren die alten Griechen, die schon vor mehr als 2000 Jahren den Goldenen Schnitt, ästhetische Proportionen, mathematische Grundformeln und sogar Gesetzmäßigkeiten in der Bewegung der Himmelskörper entdeckten – alles Erkenntnisse, die wir heute noch nutzen. Ich finde, diese Leistungen unserer Vorfahren verdienen Respekt! Die Vergangenheit verdient Respekt!
Die GIFs der weltbekannten Kulturstätten sind nur ein kleines Beispiel, das andeutet, was sich alles noch erschließen lässt. Diese Möglichkeiten können und sollten wir nutzen, um uns fortzubilden und zu wachsen – um nicht stehen zu bleiben. Ich freue mich, diese Fortschritte miterleben zu dürfen und hoffe, dass ich mir die Welt noch ein Stück mehr erschließen darf.
PS: Wenn Sie noch keines dieser GIFs gesehen haben, dann schauen Sie mal hier rein: http://www.openculture.com/2018/04/watch-seven-ancient-ruins-get-restored-to-their-glorious-original-state-with-animated-gifs.html
Wie wäre es, fragte ich mich deshalb eines Tages, wenn nicht nur Wissenschaftler, die sich theoretisch mit der Kraft von Wellen und dem Zusammenspiel von Chaos und Ordnung im Universum beschäftigen, einem von OUBEYs Bildern begegnen? Wenn beispielsweise auch ein Giant Wave Surfer, der in seinen extremen und riskanten existenziellen Erfahrungen das Zusammenspiel mit den gewaltigen Kräften der Ozeanwellen körperlich und geistig erlebt, einem Bild von OUBEY begegnen würde, das auf seine eigene Weise die geistige Auseinandersetzung mit eben diesen gewaltigen Kräften der Wellen zum Ausdruck bringt?
Bis dahin waren es zumeist Wissenschaftler, Forscher, Philosophen oder Künstler anderer Disziplinen gewesen, die sich auf das Erlebnis eingelassen haben, vor laufender Kamera einem Bild von OUBEY zu begegnen, das sie bis dahin nicht kannten. Mit dem deutschen Giant Wave Surfer Robby Seeger , der im Alter von 15 Jahren nach Maui/Hawaii zog, um dort die großen Wellen zu reiten, darin mehr als zwanzig Jahre lang seine Erfüllung fand und seither bis heute dort lebt, kam erstmals eine ganz andere Perspektive ins Spiel.
Es dauerte eine Weile bis für mich klar war, welches Bild ich zu Robby Seeger nach Maui bringen würde. Meine Wahl fiel auf ein großes blaues „Wellenbild“ und mein Zögern rührte daher, dass ich befürchtete, es möge vielleicht zu offensichtlich in seiner Thematik sein für die Begegnung mit einem Giant Wave Surfer. Es war das größte von OUBEYs Bildern, das je auf eine Reise um die Welt ging und ich musste eine ganz neue Kiste für die Dimensionen dieses Bildes bauen lassen, um es nach Hawaii transportieren zu können.
Robby Seeger´s Begegnung mit diesem Bild war ein intensives Erlebnis – auch für mich. Zum einen, weil er für sich einen ganz eigenen körperlichen Zugang zu diesem Bild gesucht und in der Perspektive aus dem schrägen Winkel aufs Bild schließlich auch gefunden hat. Das hat mich erstaunt, ist aber nicht wirklich überraschend wenn man bedenkt, dass der Surfer immer schräg durch die Welle hindurch gleitet, in der er selbst große Ruhe erlebt, wie Robby Seeger es im Encounter auch selbst beschreibt. Zum anderen auch deshalb, weil es in dieser Begegnung um das Verhältnis zwischen dem Mensch und der Naturgewalt des Ozeans geht bis hin zu den Fragen des Lebens und Sterbens.
Am Ende des Encounters steht Robby Seeger´s Feststellung, diese Begegnung sei „a little bit of magic” für ihn gewesen. “OUBEY schafft es, Energien in seinen Gemälden festzuhalten, die weit über ihn selbst hinaus andere Menschen und andere Wesen ansprechen“. Das zu hören hätte OUBEY sicher sehr gefreut. Und so war es, wie schon oft zuvor, auch dieses Mal sehr schade, dass es den Beiden nicht vergönnt war, sich jemals im Leben persönlich begegnet zu sein.
Mich selbst freut es bis heute, dass es zu diesem außergewöhnlichen Encounter mit Robby Seeger kam und dass ich ihm gemeinsam mit einem Bild von OUBEY persönlich begegnet bin.
Hier können Sie sich das Video von diesem Encounter anschauen.
Am Ende des Abends sah ich mich in meiner Auffassung bestätigt, dass Lernen und Innovation nur möglich sind, wenn Fehler und Imperfektion erlaubt und akzeptiert sind. Denn Perfektion ist nicht immer und für alles das Beste.
Wie das, werden Sie vielleicht fragen. Perfektion ist doch anstrebenswert und Fehler sind schlecht und deshalb zu vermeiden. So lernen wir es ja auch schon in der Schule. Fehler werden mit dem Rotstift markiert und mit einer schlechten Note bestraft. Die Botschaft ist klar: Alles muss richtig und perfekt sein. Ob es auch wirklich nützlich ist, steht auf einem anderen Blatt.
Kein Mensch ist perfekt und auch unser Gehirn macht Fehler – und davon keineswegs wenige und das ist gut so. Das ist geradezu großartig! Unser Gehirn ist kein Computer mit Festplatte und Arbeitsspeicher, auf der alles was wir lernen, wissen und erleben fix gespeichert wird und jederzeit in dieser fixierten Form abgerufen werden kann. Unser Gehirn ist immer in Aktion, verknüpft und vernetzt permanent Altes mit Neuem. Unser Gedächtnis funktioniert nicht als „Fotoalbum“ der persönlichen Geschichte, sondern unterstützt uns dabei, mit dem Neuen in der Gegenwart gut und erfolgreich umgehen zu können. In diesem Prozess vergisst es auch vieles, was uns in der Gegenwart belasten oder behindern könnte – ohne dass wir das bewusst wahrnehmen oder beeinflussen können. Unser Gehirn reagiert und agiert ununterbrochen auf das, was es interessant findet. Was es nicht interessant findet, wird gar nicht erst wahrgenommen, denn auf Langeweile ist es definitiv nicht ausgelegt. Es liebt und braucht immerzu neue Impulse, um sich zu entwickeln und schafft auch selbst immer wieder Neues, bringt Ideen und Innovationen hervor.
Dass in diesem Prozess auch Fehler passieren, versteht sich von selbst. Als Beispiel brachte Henning Beck bei Markus Lanz ein Filmbeispiel, das ich schon seit vielen Jahren kenne und auch selbst immer wieder eingesetzt habe, um zu zeigen, dass die scheinbare Schwäche unserer Wahrnehmung durchaus auch eine Stärke ist. Dieses Beispiel ist die sogenannte Gorilla-Studie. Für diese Studie zeigten die Psychologen Christopher Chabris und Daniel Simons einigen Versuchspersonen einen Film, in dem sechs Basketballspieler umherlaufen und sich gegenseitig den Ball zuwerfen. Drei trugen weiße, drei schwarze T-Shirts. Die Aufgabe für die Versuchspersonen lautete: „Zählen Sie die Pässe der weiß gekleideten Spieler“. Irgendwann lief im Film dann ein Schauspieler im Gorillakostüm durch die Szene – eigentlich unübersehbar, sollte man meinen. Doch die meisten Probanden bemerkten ihn nicht und so war es auch bei Markus Lanz und seinen Gästen, als sie diesen Film sahen.
Warum sehen so viele Menschen den unübersehbaren Gorilla nicht? Weil sie sich derart stark aufs Zählen der Ballwechsel der Spieler mit weißem Trikot konzentrieren, dass sie alles andere ausblenden – sogar den Gorilla. Manche erkennen und beachten zwar den Gorilla, können dann aber nicht mehr die Ballwechsel weiterzählen und wissen am Ende nicht, wie oft sich die Spieler mit weißem Trikot tatsächlich den Ball zugespielt haben.
Beides gleichzeitig zu fokussieren schafft unser Gehirn nicht. Die Aufmerksamkeit unseres Gehirns ist immer auf etwas Spezielles ausgerichtet. Im Blick auf das Spezielle ist es dann vielleicht perfekt. Das ist eine wichtige Qualität. Aber im Blick auf die gesamte Szenerie ist unser Gehirn nicht perfekt. Deshalb sehen zwei Menschen, wenn sie eigentlich dasselbe sehen, nicht zwangsläufig wirklich dasselbe. Das zu wissen und anzuerkennen ist sehr wichtig fürs eigene Selbstverständnis, aber auch für das Verständnis im Miteinander und auch für unser Verständnis von der Welt.
Wie man konstruktiv mit Fehlern umgehen und damit Erstaunliches erreichen kann, zeigt uns das Silicon Valley seit vielen Jahren. „Du kannst nicht innovativ sein, wenn Du nicht experimentierst und dabei immer wieder Fehlschläge erlebst“ lautet dort die Devise. Auf ein einziges verwendbares Ergebnis kommt jede Menge an Fehlversuchen. Erst ab dann geht es darum, das bestmögliche, perfekte Ergebnis zu erzielen. Space X und Hyperloop sind eindrucksvolle Beispiele hierfür.
Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass sich diese Erkenntnisse nicht nur verbreiten, sondern auch zu neuem praktischen Handeln führen: in der familiären Erziehung, in Schulen und Universitäten und auch in Organisationen und Unternehmen. Je mehr Menschen dies begreifen und akzeptieren, desto mehr Chancen und Möglichkeiten werden sich auftun und damit auch ganz neue Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit. Davon bin ich fest überzeugt.
Was also hält uns eigentlich davon ab, uns solche Möglichkeiten selbst zu eröffnen?
Selbst der unspektakuläre Plan, einen Abend in Ruhe mit einem Buch zusammen auf der Couch zu verbringen, kann dahin sein, wenn plötzlich jemand vor der Tür steht oder anruft und meine Aufmerksamkeit fordert. Das Leben lässt sich nicht planen! Wozu also Pläne machen?
Nun haben Sie vielleicht den Einwand, dass es wichtig ist, nicht planlos in den Tag hinein zu leben, denn Zeit ist kostbar und sollte nicht verschwendet werden. Das sehe ich genauso. Deshalb finde auch ich es gut und wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man seine Zeit nutzen und womit man sie verbringen will. Dazu gehört manchmal auch das Planen. Allerdings sollte man dabei nie vergessen, dass es ein Wesensmerkmal der Zukunft ist, dass sie nicht wirklich vorhersehbar und deshalb auch nicht wirklich planbar ist. Niemand weiß, was in der nächsten Stunde oder am nächsten Tag geschehen wird. Immer wieder hält das Leben für uns Überraschungen bereit – wunderbare Glücksfälle ebenso wie harte Schicksalsschläge. Sie können einen aus der Bahn werfen, aber als Herausforderung auch unverhofft neue Möglichkeiten aufzeigen.
In meinem Leben gab es von Kindesbeinen an jede Menge positiver und negativer Überraschungen, aus denen ich lernen konnte, dass solche eben zum Leben gehören. Besonders bewegend war es für mich, als Kind mitzuerleben, wie sich durch den Bau der Berliner Mauer und die Errichtung der Todesstreifen an den Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland von einem Tag auf den anderen für Millionen von Menschen das Leben existenziell veränderte.
In Berlin entschieden sich damals Menschen von einer Minute auf die andere, mit nichts außer dem was sie am Leib trugen aus einem Fenster im 3. Stock in ein Sprungtuch und damit in ein unbekanntes neues Leben im Westen zu springen. Andere blieben zurück und mussten fortan jahrzehntelang getrennt von ihren Freunden und Verwandten im anderen Teil der Stadt und des Landes leben. Für meinen Vater, der aus Berlin stammte, bedeutete das den Verlust des Elternhauses. Das Haus, das er mit seinen Eltern gemeinsam Jahrzehnte zuvor im Osten der Stadt erbaut hatte, und in dem ich bis dahin jahrelang unvergesslich schöne Sommerwochen mit meiner Großmutter verbracht hatte, war verloren.
Zu sehen, wie Menschen gewaltsam voneinander getrennt werden und wie ein Land auseinandergerissen wird, war eine schockierende Erfahrung für mich. Was ist überhaupt sicher? Genau diese Frage stellte sich mir schon damals. Wie kann ein Mensch eine dramatische Veränderung dieser Art verarbeiten? Menschen in anderen Ländern und Kontinenten erleben solche Zustände viel öfter als wir und immer und immer wieder, wenn sie in Kriege hineingeraten oder von Naturkatastrophen heimgesucht werden. Extreme Realitäten, die das Leben ohne eigenes Zutun schafft und die durch keinen Plan ausgeschaltet werden können.
Natürlich kann man dieses Bewusstsein nicht permanent im Kopf haben. Dennoch finde ich es wichtig, sich nicht in der vermeintlichen Sicherheit einer planbaren Zukunft zu wiegen, an die wir uns in den letzten Jahrzehnten des Wohlstands und Friedens scheinbar gewöhnt haben. Unsicherheit gehört nunmal zum Leben dazu! Deshalb ist es gut, sich einen persönlichen Kompass zuzulegen, mit dessen Hilfe man sich durch die Wellen der Unvorhersehbarkeiten des Lebens navigieren kann. Denn es ist genau dieses Leben, das wir nur ein einziges Mal leben können.
Kubrick war nicht nur einer der Regisseure, die OUBEY am meisten bewunderte. Auch seine Vorstellung von „Zwillingsexistenzen“ hat ihn sehr fasziniert. So lag es nah, dass ich mich irgendwann fragte, ob OUBEY wohl einen Zwilling auf dieser Welt gehabt haben könnte und wenn ja, wer dieser Zwilling wohl wäre. Und es kamen mir immer wieder nur zwei Menschen in den Sinn, interessanterweise sind beide Menschen Musiker. Einer von ihnen ist vor einigen hundert Jahren jung, berühmt und dennoch verarmt gestorben. Der andere ist ein Mensch unserer Zeit, wenngleich er eins seiner ersten Soloalben „I Just Wasn´t Made for These Times“ nannte: Brian Wilson – genialer Klangschöpfer, Komponist, Arrangeur, Musiker, Texter, Mastermind und auch Sänger der Beach Boys. Ihm und der geistigen Verwandtschaft, die ich zwischen OUBEY und ihm sehe, ist dieser heutige Beitrag gewidmet. Mir ist bewusst, wie seltsam, abwegig oder gar vermessen diese Annahme manchem erscheinen mag. Dennoch will ich es tun. Und dies hat seinen Grund.
Ihren Anfang erlebten meine Gedanken vor mehr als fünfundzwanzig Jahren, ausgelöst durch OUBEYs Reaktion auf eine Dokumentation über die Geschichte der Beach Boys, in der die Geschichte von Brian Wilson einen großen Raum einnahm. Dem vorausgegangen war für ihn die späte Entdeckung seiner Musik und ihrer unglaublichen Vielschichtigkeit. Was sich hinter den oberflächlich klingenden „Surf- Dance-Fun“ Titeln verbarg, war eine Offenbarung. OUBEY stieg tief hinein, war begeistert von der Genialität des musikalischen Schaffens von Brian Wilson und er war zutiefst bewegt von dessen persönlicher Lebensgeschichte. Das wohl persönlichste Stück, das Brian Wilson je geschrieben und veröffentlicht hat, trägt den Titel „Til I Die“. Hierfür schrieb er ausnahmsweise auch selbst den Text. Von diesem Stück war OUBEY so ergriffen, dass er ihm eine Zeichnung widmete.
Was Brian Wilson an kosmischen Harmonien in diese Welt gebracht hat, ist fantastisch und unvergleichlich. Komplexität – musikalisch verarbeitet und zum Ausdruck gebracht auf höchstem Niveau. Diese Harmonien können gute Laune und Lust auf Leben machen, aber auch melancholische Stimmungen hervorrufen. Und sie können die Seele küssen und umarmen in den Momenten von Traurigkeit und scheinbarem Verlorensein.
Das „Pet Sounds“ Album aus dem Jahr 1966, das er kompositorisch und instrumentell im Alleingang schuf während die Band ohne ihn mit den alten Titeln auf Tournee war, gehört bis heute zu den Meilensteinen der Pop Musik. Er wollte nicht mit den anderen auf Tour gehen, wollte nicht auf die Bühne. Er wollte das realisieren, was in seinem Kopf entstand und was weit über das hinausging, was Zeitgeist war. Sensationell wie es ihm gelang das, was bis dahin nur in der Innenwelt seines Kopfes existierte und vibrierte, in Musik umzusetzen, die jeder Mensch hören und erleben kann. Manche Titel bestehen aus zwölf musikalischen Tranchen, von denen jede eine eigene Wirkung in den fulminanten Zusammenklang des Songs einbringt, darunter meist mehrere mehrstimmig gesungene Tranchen. Sensationell auch, dass es ihm gelang, den Widerstand, der sich ihm entgegenstellte, zu überwinden, ein Orchester der allerbesten Musiker für dieses Projekt zu begeistern und am Ende sogar auch die von der Tour zurückkehrenden Beach Boys für den Einsatz ihrer gesanglichen Stimmen zu gewinnen – trotz des Misserfolgs, den man diesem Album prophezeite. Und in der Tat war „Pet Sounds“ seinerzeit kein Verkaufserfolg wie die früheren Alben der Beach Boys. Ein ebenso unbeugsam starker wie auch empfindsamer, verletzlicher Mensch. Es war seiner Zeit voraus. Eine Grenzüberschreitung, die ihn nicht nur fast um den Verstand sondern auch fast um sein Leben gebracht hätte. „God Only Knows“ ist eins seiner Meisterwerke auf diesem Album.
Was OUBEY im Alleingang seines künstlerischen Schaffens in seinen vielschichtigen Bildern an kosmischer Komplexität und Harmonie zum Ausdruck gebracht hat, ist dem was Brian Wilson in seinen musikalischen Kompositionen und Arrangements zum Ausdruck gebracht hat, sehr artverwandt. Ein freier Geist, der mehr versteht, sieht und hört in seinem eigenen Kopf als alle anderen und nicht anders kann als dies auf die eigene angemessene Art so gut wie nur irgend möglich zum Ausdruck zu bringen. Immer wieder sprechen Menschen, die OUBEYs Bildern begegnen, von Klangbildern, die sie nicht nur sehen, sondern auch hören können. Vielleicht sind die Beiden wirklich Zwillinge im Sinne der These von Stanley Kubrick?
Vor einem Jahr hatte ich das Glück und die Gelegenheit, Brian Wilson vor seinem Konzert in Frankfurt persönlich zu begegnen und mit ihm ein paar Blicke und Gedanken auszutauschen. Da erkannte ich, dass es hier tatsächlich eine besondere Verbindung gibt – durch mich hindurch bis hin zu OUBEY. Und ich weiß, dass auch Brian Wilson diese Verbindung in diesem Moment erkannte. Das war ein sehr besonderer Moment, für den ich immer noch sehr dankbar bin. Im anschließenden Konzert gelang es ihm und den zehn herausragenden Musikern und Sängern, die ihn begleiteten, live on stage das komplette „Pet Sounds“ Album in ebenso herausragender Qualität zu intonieren wie es seinerzeit mit Hilfe diverser Technik im Studio aufgenommen worden war. Es war ein großartiger Abend.
PS: Als es Ende letzten Jahres darum ging, ein komplett neues Konzept für den Internetauftritt des MINDKISS Projekts zu entwickeln, hatte ich einen „Dreiklang“ im Kopf. Um den anderen im Team zu vermitteln, wie ich das Ganze sehe und denke, halfen mir zwei Videos, die den Entstehungsprozess von „Good Vibrations“ dokumentieren, einem Titel, der es zwar knapp verpasst hatte aufs „Pet Sounds“ Album zu kommen, dann aber zu einem Riesenerfolg wurde.
Meine Analogie war folgende: OUBEYs künstlerisches Werk bildet als Basisklang den Kern und Grundrhythmus. Darüber legen sich die filigranen instrumentellen Klänge und Harmonien des MINDKISS Projekts. Und schließlich ertönt nun, nach vielen Jahren, erstmals auch der vielstimmige Klang menschlicher Stimmen, meine eigene Stimme eingeschlossen. Zu meiner großen Freude haben das alle sofort verstanden.
Wer den Prozess des Entstehens von „Good Vibrations“ gerne anhand dieser beiden Doku-Videos nachvollziehen möchte – hier sind die Links:
https://www.youtube.com/watch?v=uVlSVkzbJDA
https://www.youtube.com/watch?v=QVwVURYxu8w
Für Tiere, die in erster Generation aus der freien Wildbahn in einen Zoo dieser Welt gebracht wurden, war dieser Verlust der Freiheit sicher schwer zu ertragen. Doch auch in denen, die der zweiten oder dritten Generation angehören und in einem Zoo geboren wurden, lebt noch immer das Gen der freien Wildbahn.
Das Gen der freien Wildbahn haben nicht nur die wilden Tiere. Auch OUBEYs Kunst trägt es in gewisser Weise in sich.
OUBEYs Bilder entstammen seinem unbeugsamen Freigeist. Unbeeindruckt von den Regeln des Kunstbetriebs tat er nur das, was ihm wichtig und richtig erschien. Im übertragenen Sinn kann man deshalb sagen, dass seine Bilder freiheitsliebend sind. Als ich mich fragte, wie ich OUBEYs Bilder nach seinem frühem Tod adäquat in die Öffentlichkeit bringen sollte, war für mich sehr bald klar: Sie gehören nicht in den Zirkus des Kunstbetriebs. Sie gehören viel eher in eine Art von „Freier Wildbahn“, in der sie sich, so frei wie sie entstanden sind, nun auch frei von allen üblichen Wahrnehmungsgewohnheiten in der Öffentlichkeit behaupten können. So brachte ich die Bilder an Orte, an denen üblicherweise keine Kunst zu finden ist, z.B. in den Kontext einer internationalen Managementkonferenz.
Bei den jährlichen Konferenzen der „Peter Drucker Society“ in Wien geht es um Fragen des Managements in Wirtschaft und Gesellschaft. Kunst steht dort normalerweise nicht im Fokus. Als jedoch der Präsident der Gesellschaft von meiner ENCOUNTER- Tour erfuhr, schlug er vor, OUBEYS Kunst im Rahmen der nächsten Konferenz zum Thema „Managing Complexity“ auszustellen – ohne musealen Kontext, frei von Erklärungen, ja sogar ohne jeglichen ausdrücklichen Hinweis auf die Bilder. Sie waren sozusagen in freier Wildbahn zu erkunden. Das Thema passte sehr gut, da die Thematik der „Komplexität“ in OUBEYs Kunst von zentraler Bedeutung ist. Also nahm ich das Angebot an. Und so hingen zwei seiner Bilder im November 2013 frei schwebend zwischen zwei riesigen klassizistischen Säulen und vier andere Bilder hatten in einem schmalen Flur ihren Platz an den Alutüren der Garderobenschränke gefunden. Was denken Sie, was passierte?
Zunächst waren alle Teilnehmer sehr auf den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit und den gegenseitigen Austausch fokussiert. Doch die Konferenz dauerte zweieinhalb Tage und im Laufe der Zeit kamen immer mehr Konferenzteilnehmer von sich aus in den Flur mit den Bildern, betrachteten sie, griffen zu den Kopfhörern und schauten sich die Encounter Videos an. Obwohl die Aufmerksamkeit nicht aktiv gelenkt wurde, wuchs das Interesse stetig – ebenso wie die Bereitschaft, selbst einem unbekannten Bild vor laufender Kamera zu begegnen. Solche „Open Encounters“ gehören zu jeder Station der Global Encounter Tour und sind besonders spannend. Am Ende gab es in Wien sogar eine Warteschlange für die Open Encounters, so dass wir noch eine „Sonderschicht“ einlegten. Wer weiß was an einem dritten Tag passiert wäre …
Durch die außergewöhnliche Möglichkeit konnte ich miterleben, welch starke Wirkung OUBEYs Kunst von sich aus auf diese Menschen hatte. Das beeindruckte mich sehr und es zeigte mir zugleich, dass meine Entscheidung für die „freie Wildbahn“ gut und richtig gewesen war.
Denn auch wenn Museen einen großen Beitrag zur Erhaltung und Zugänglichkeit von Kunst leisten, und Kunst in einem optimal inszenierten Rahmen präsentieren, ist es doch eine großartige Chance, Kunst auch einmal frei von diesem Kontext aus nächster Nähe in einem Garderobenflur zu erleben und sich so eine ganz eigene Meinung zu bilden.
Derartige Ausstellungskonzepte orientieren sich zweifellos an den Sehgewohnheiten unseres medialen Zeitalters. Zu behaupten, Museen und andere Ausstellungshäuser müssten mit der Zeit gehen und aktuell sein klingt zunächst vielleicht opportunistisch. Und doch ist etwas Wahres daran. Damit die Besucherzahlen in Museen nicht sinken, müssen Betreiber und Kuratoren umdenken und sich neuen Ideen öffnen. Natürlich sagen Kritiker zu Recht, dass eine filmische Projektion niemals die Qualität des Originalwerks erreichen kann. Deshalb reise ich ja schließlich auch mit OUBEYs originalen Bildern zu Menschen in aller Welt und nicht mit filmischen Projektionen dieser Bilder.
Die Ausstellung in der Alten Münze hatte jedoch keineswegs den Anspruch, die Begegnung mit den Originalen ersetzen zu wollen. Hier ging es wohl eher darum, mit einfachen Mitteln und ohne teuren Aufwand die Werke all dieser großartigen Künstler an einem Platz zu versammeln und sie auf eine ungewohnte und sehr unterhaltsame Weise zugänglich zu machen. Kino und Kunst mischten sich und schufen einen neuartigen Erlebnisraum, in dem statische Bilder in Bewegung geraten. Die untermalende Klangkulisse war sicher notwendig, zugleich empfand ich sie aber gelegentlich auch als zu weit gehende Beeinflussung der Bildwahrnehmung.
Die Menschen im Raum hatten jedenfalls ganz offensichtlich ihr Vergnügen an dieser „Show“. Sie ließen das Ganze einfach auf sich wirken – niemand fragte nach Erklärungen, niemand erklärte etwas.
Besonders erstaunt war ich über die große Zahl an Jugendlichen, von denen man üblicherweise ja sagt, dass sie nicht unbedingt zu den begeistertsten Kunstausstellungsbesuchern gehören. Sie hatten es sich auf den Sitzsäcken in der Mitte des Raums bequem gemacht, beobachteten entspannt das Farbenspiel an den Wänden, flüsterten sich hin und wieder etwas zu und niemand störte sich daran. Hat dieses Ausstellungskonzept vielleicht einen Weg gefunden, die Kunst der letzten 150 Jahre für junge Leute von heute interessant zu machen?
Auch die Erwachsenen genossen sichtbar diese entspannte Atmosphäre und wechselten immer wieder ihre Sitzplätze, um die Kunst an den Wänden aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können. Was dem Ganzen vielleicht an intellektuellem Tiefgang fehlte, wurde durch die unmittelbare Sinnlichkeit des Genießens wettgemacht.
Wenn klassische Malerei, die der analogen Welt entstammt, auf so gelungene Weise in die digitale Welt transferiert wird, dann stehen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich gegenseitig. Und wenn auf diese Weise mehr Menschen Freude und Interesse an der Kunst bekommen, dann hat die Unternehmung schon ihren Zweck erfüllt. Am Ende führt der Weg ohnehin immer wieder zu den Originalen und das finde ich gut so.